In Landau wurde das scheinbar Unmögliche möglich gemacht: einem Team aus Forschern ist es erstmals gelungen, Wasser von Rückständen aus Mikroplastik und von Arzneimitteln zu reinigen. Pfalz Echo sprach mit der Frau, die für diese Entdeckung verantwortlich ist.

Eine Reportage von Michael d‘Aguiar

Nach fünf Jahren unermüdlicher Forschung, ohne einen einzigen Tag Urlaub, gönne sie sich erst einmal eine kleine Auszeit. Als das vereinbarte Pressegespräch zehn Tage später in einem Labor der Uni Landau stattfindet, sieht die Junior-Professorin Dr. Katrin Schuhen tatsächlich erholt aus. Sie strahlt, wirkt agil, voller Tatendrang – und darauf aus, die Welt zu retten.

Vom Computermodell in die Praxis: Wasser 3.0 wurde für den Einsatz in der Praxis konzipiert. (Foto: Wasser 3.0)

Gemeinsam mit einem sechsköpfigen Team, forschte sie in den vergangenen Jahren mit innovativen Materialien, die sie dafür verwenden wollte, gefährliche Schadstoffe aus Oberflächen-, Grund- und Sickerwasser zu entfernen. Abgesehen hatte sie es insbesondere auf Mikroplastik und pharmazeutische Rückstände, für die bislang niemand eine Lösung zu bieten hatte. Die besten Aussichten auf Erfolg, bot ein sogenanntes Hybridkieselgel, ein weißes Pulver auf Silikon-Basis. Nach etwa 1.000 Experimenten schien schließlich das Unmögliche geglückt: erstmals war es gelungen, Wasser gezielt von Schadstoffen wie Mikroplastik oder pharmazeutischen Rückständen zu befreien.

Inzwischen nennt Katrin Schuhen ihr Konzept „Wasser 3.0“ – und verbindet damit eine gleichnamige Informationskampagne zur Stärkung eines neuen Umweltbewusstseins. „Die Chemie hat für alles eine Lösung. Aber nicht immer ist Chemie die Lösung für jedes Problem,“ sagt die Chemikerin, die 2012 gefragt wurde, ob sie sich eine Arbeit als Junior-Professorin an der Uni Landau vorstellen könne. Dr. Katrin Schuhen, die in der Industrie bereits mit Hybridkieselgelen gearbeitet hatte, sollte diese Substanz unter universitärer Aufsicht weiter erforschen. Noch bevor die ersten positiven Forschungsergebnisse vorlagen, machte Schuhen deutlich, dass es darauf ankomme Verschmutzung im Vorfeld zu vermeiden: um die Wasserqualität des Planeten zu verbessern, müssen Menschen sensibilisiert werden auf ihren „ökologischen Fußbadruck“ zu achten.

Schuhen regt an, den eigenen Alltag in der Form zu hinterfragen, wie viele Umwelt-Ressourcen das eigene Handeln täglich verbraucht. Dafür bietet sie auf ihrer Website, www.wasserdreinull.de, diverse Faktencheck-Poster zum Download, die unter anderem aufzeigen, dass bis zur Zubereitung einer Tasse Kaffee etwa 140 Liter „virtuelles“ Wasser benötigt werden. Auch wenn in Deutschland, dem Land der Wassersparer, der Pro-Kopf-Verbrauch bei lediglich 121 Liter liege, der virtuelle Wasserverbrauch für Konsumgüter belege mit täglich 3.900 Liter pro Einwohner eine traurige Spitzenposition.
„Wir können aktiv unseren Müll reduzieren, sollten viel öfter auf unser Auto verzichten und endlich damit aufhören, unsere Toilette zur Entsorgung von Müll oder Medikamenten zu missbrauchen.“ Der Einsatz von Hybridkieselgel, zur Beseitigung von Rückständen aus Mikroplastik oder Arzneimitteln im Wasser – die im Umfeld von Krankenhäusern durch die Ausscheidungen der Patienten mitunter unvermeidlich scheinen – sei lediglich die letzte Instanz, so Schuhen. Dennoch fällt die Ökobilanz, der von Schuhen und ihren Forschern entwickelten Methode, durchweg positiv aus: die neuen Verbindungen erzeugen keine neuen toxischen Substanzen und lassen sich komplett recyceln.
Es sind diese Ergebnisse, die die 32-jährige Wissenschaftlerin anspornen, sich den Problemen der Welt mit Tatendrang entgegenzustellen. Gemeinsam mit Partnern aus der Industrie stellt sie sicher, dass ihre Forschung realitätsnah und praxistauglich bleibt. Die Industrie davon zu überzeugen, ihr Prozesswasser mittels Hybridkieselgel vollständig zu reinigen oder Kommunen dazu zu bringen, bei kommunalen Kläranlagen eine vierte Stufe zuzulassen – nach mechanischer, biologischer und chemischer Reinigung auch ein organisches Verfahren, wie es in der Universität in Landau entwickelt wurde – das sind die täglichen Herausforderungen, denen sich Schuhen und Team derzeit stellen. Von Partnern verlangt sie per Handschlag, sich zudem an Lösungen für globale Wasserprobleme zu beteiligen.

Nur manchmal scheint sie zu resignieren, wenn sie sich beispielsweise mit so vermeintlich profanen Umständen konfrontiert sieht, wie einem fehlenden Kästchen bei kommunalen Muster-Ausschreibungen für Arbeiten rund um Kläranlagen, die ihrem Verfahren schlichtweg keine Möglichkeit einer Beteiligung einräumen. Vielleicht helfen ihr ja die zahlreichen Auszeichnungen – wie vor wenigen Tagen der Umweltpreis des Landes Rheinland-Pfalz – mehr Öffentlichkeit herzustellen, hofft Schuhen. Im Regal stehen bereits der Hans Raab Umweltpreis (2016) und der „Oscar für ökologische Erfindungen“, der Green Tec Award aus dem Jahre 2015. Doch auf den Lorbeeren ausruhen kommt für Schuhen nicht in Frage. Sie engagiert sich unermüdlich weiter, das Wasser dieser Welt zu retten. Selbst wenn sie dafür, wie in der vergangenen Woche wieder einmal passiert, ihren Urlaub kurzfristig „verschieben“ muss.