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12.02.2016
Von: Yvonne Myszkowski

Weinberge statt Reisfelder

Von der Ferne in die Pfalz: Tri Tin Vuong aus Saigon wohnt nun in Landau

Tri Tin Vuong fühlt sich wohl in der Pfalz. (Foto: privat) 

Von der Ferne in die Pfalz – das ist das Motto unserer neuen Serie, in der wir Leser vorstellen, die die Südpfalz als neue Heimat ausgewählt haben. Sie kommen aus den verschiedensten Teilen der Welt und berichten hier über ihre alte Heimat ebenso wie über ihr Leben in ihrer neuen Wahlheimat: der Südpfalz. 

Saigon/Landau. Boatpeople (engl. für Bootsmenschen) – darunter versteht man im ursprünglichen Sinn des Wortes die in der Folge des Vietnamkrieges in Südostasien geflohenen Menschen, zumeist vietnamesischer Herkunft. So weit die Definition. Tri Tin Vuong ist einer dieser Menschen. Geboren wurde der 44-Jährige in Saigon, Vietnam. „Wegen der unerträglichen Repressionen unter dem Kommunismus in Vietnam musste ich meine Heimat verlassen“, erklärt er. Zuerst hatte es ihn nach Bonn verschlagen, aber seit 2010 ist die Pfalz – genauer gesagt Landau – seine neue Wahlheimat. „Die Weinberge gefallen mir sehr gut, in manchen Ecken sieht die Landschaft fast wie in Südeuropa aus“, berichtet Tri Tin Vuong, der seine neue Heimat sehr ins Herz geschlossen hat. „Am Anfang hatte ich aber Problem mit dem Dialekt hier, was nicht einfach für mich war. Aber die Pfälzer sind warmherzig und offen. So habe ich schnell Freunde gefunden.“

Unterschiede zu Vietnam gibt es zahlreiche, ganz besonders, was die Mentalität der Menschen angeht: „Die Vietnamesen sind sehr höfliche und eher zurückhaltende Leute. Wenn sie etwas möchten, reden Sie um die Sache herum. Sie würden nie direkt etwas verlangen, sondern erwarten, dass die angesprochene Person merkt, worum es geht. Das ist manchmal sehr kompliziert – für Fremde“, erklärt der sympathische Wahl-Landauer, der in seiner Freizeit gerne fotografiert und malt – er ist sogar Mitglied im Kunstverein Landau. 

Während es in Vietnam überall Reisfelder gibt, begegneten Tri Tin Vuong in der Südpfalz die vielen Weinberge, die er lieben gelernt hat. Bei den Dörfern und Städten jedoch sieht er viele Unterschiede: „Die Dörfer in der Pfalz sind viel schöner und gepflegter als in meiner Heimat. Auch die Städte haben dort eine ganz andere Struktur, z. B. keinen Marktplatz im Zentrum. Dort ist es für Europäer manchmal schwer, sich zu orientieren. Außerdem gibt es in Vietnam weniger Kirchen, dafür viel mehr schöne Pagoden.“

Definitiv hat sich der 44-Jährige gut in der Südpfalz eingelebt. Und hat hier auch den pfälzer Wein schätzen gelernt: „Wenn ich nach Vietnam reisen würde, würde ich Wein aus der Pfalz als Geschenk mitbringen. In Vietnam kennt man nur Wein aus Frankreich, weil Vietnam eine Kolonie von Frankreich war. Es gibt sehr viele Weinsorten hier und sie schmecken wunderbar.“

Ben Thanh Markt in Saigon. (Foto: privat)