Am Telefon

Mahlzeit! Die Pfalz-Echo-Mittagspausen-Kolumne

Über den Anruf von netten Menschen freut man sich doch immer … (Foto: yv)

„Ja. Ja. Ich verstehe Sie vollkommen, aber … entschuldigen Sie! Aber wir sind nicht … ich … also …“ Paulas Stottern irritiert. Sie hat das Zentraltelefon am Ohr und ist auf dem Weg zum Pausenraum, so dass das ganze Haus das Telefonat mitbekommt. Oder vielmehr das Gestottere von Paula und ein latentes Schreien aus dem Hörer.

„Gib her“, mein Herr Schmidt relaxt und nimmt der leicht panisch anmutenden Paula den Hörer aus der Hand. Er hört der schreienden Dame genau sieben Sekunden zu, bevor er auflegt. „Wieso tust du dir das an, wenn das Telefonat nicht mal für uns ist?“, fragt er Paula, während er sein Glas Gewürzgurken aus dem Kühlschrank holt.

„Was? Die Dame, die dich seit knappen zehn Minuten anbrüllt, wollte gar nicht mit uns sprechen?“, fragt Elli entgeistert und schenkt Paula erstmal ein Glas Wasser ein. Paula sackt erschöpft zusammen.

„Nein. Sie findet, dass Olga, die Pflegerin ihrer Mutter, supernett ist. Und sie versteht nicht, dass Olga nicht mehr kommen kann. Sie wollte wissen, wie sie das jetzt alles allein regeln solle und so“, erklärt Paula kleinlaut. „Ich habe ja dauernd versucht, ihr klarzumachen, dass sie sich verwählt hat, aber dann hat sie gesagt, ich wolle mich aus der Verantwortung ziehen und hat nur mehr geschimpft.“

„Für manche Leute ist Telefon wie Facebook“, weiß Herr Schmidt. „Sie sind unverschämt, ignorant und pöbeln wie blöd – was sie sich von Angesicht zu Angesicht nie trauen würden. Ich wette, wenn die Dame an der Tür gestanden hätte, hätte sie sich ganz kleinlaut für ihren Irrtum entschuldigt.“

„Aber es passieren ja nicht nur schlimme Dinge am Telefon“, will Elli die Wogen wieder glätten und Paula aufmuntern. „Ich habe beispielsweise letzte Woche auf die Freigabe eines Textes gewartet. Der Herr hat die Deadline verschlafen, aber direkt am nächsten Morgen angerufen mit den Worten ‚Elli, ich habe heute morgen in der Dusche brandheiß an Sie gedacht!‘“

Ein Lachen geht durch den Pausenraum und Elli nickt zufrieden: „Damit wollte er nur mitteilen, dass ihm die Freigabe eingefallen ist. Aber es klang schon … nett!“
„Auf jeden Fall“, nickt Herr Schmidt. „Ich weiß auch noch genau, als ich von Paulas Sohn zu besserer Telefon-Etikette erzogen worden bin …“
„Gott, war mir das peinlich!“, erinnert sich Paula und schlägt die Hände vorm Gesicht zusammen.

„Er hatte ja Recht!“, beruhigt Herr Schmidt und erzählt. „Da hat Paula ihren Arbeitsvertrag vorbei bringen wollen und ich habe bemerkt, dass wir ihr – versehentlich! – eine Absage auf ihre Bewerbung geschickt haben! Das ging einfach irgendwie schief … Na ja, also dachte ich, ich rufe ganz schnell an und versuche, das aufzuklären, bevor sie sich wundert und womöglich abspringt. Dann geht Paulas Sohnemann ans Telefon, damals wie alt?“

„Fünf“, seufzt Paula mit einem Hauch von Lächeln auf den Lippen. „Fünf“, nickt Herr Schmidt. „Und ich poltere los und sage, ich muss die Paula sprechen. Der Kleine hört mir zu und fragt irgendwann ganz korrekt ‚Nur, wenn du mir deinen Namen sagst.‘ Ich war ganz perplex und habe ihm geantwortet, ich sei der neue Chef der Mama. Da ist er kurz still und sagt: ‚Wenn du mir deinen Namen nicht sagst, darf ich auch nicht mit dir telefonieren!‘ und legt auf. Und der Kleine hatte völlig Recht damit!“ Herr Schmidt grinst. „Und das beste an der Sache: Paula war das so peinlich, dass sie noch vor ihrem Einstand einen Entschuldigungskuchen gebacken hat!“