Das Tages-Du

Mahlzeit! Die Pfalz-Echo-Mittagspausen-Kolumne

Ist das Du auf Zeit sinnvoll? (Foto: Rainer Sturm/pixelio.de)

Paula sitzt im Pausenraum und schüttelt mal wieder verständnislos den Kopf. Was ist denn los?“, will Elli wissen. „Ach, ich hab mich gestern mit einem Freund unterhalten, der ab und zu Golf spielen geht. Anscheinend ist es dort gang und gäbe, bei einem Spiel seinem Gegenüber das ‚Tages-Du‘ anzubieten.“

Nun ist auch die Neugier von Günther geweckt: „Was ist denn ein ‚Tages-Du‘?“

„Ganz einfach“, erklärt Paula. „Während des Spiels duzen sich die Spieler und danach gehen sie wieder zum ‚Sie‘ über. Das ist doch voll komisch, oder?“

„Die Elite will halt nicht von Hinz und Kunz auf der Straße geduzt werden“, lacht Günther. „So werden wildfremde Menschen wenigsten für Stunden zu Brüdern.“

„Ach, das ist doch alles Quatsch“, meldet sich wieder Paula zu Wort. „Und überhaupt, wie lange dauert denn so ein Tages-Du? Bis nach dem Spiel? Bis zum Sonnenuntergang? 24 Stunden oder ist der Spuk um Mitternacht beendet? Also ich finde das Tages-Du sehr suspekt!“

„Na, suspekt finde ich wiederrum die Regelung bei Schülern so ab 16 Jahren“, weiß Elli. „Da bieten die Lehrer, die einen seit Jahren duzen, plötzlich das ‚Hamburger Sie‘ an.“

„Was für ein Ding?“, will Paula wissen. „Das Hamburger Sie! Dabei wird die höfliche Form ‚Sie‘ mit dem Vornamen kombiniert. Zum Beispiel so: ‚Hören Sie mir überhaupt zu, Paula?‘ oder so“, erklärt Elli.

„Oh, das hört sich aber übel an!“, findet Herr Schmidt. „Das liegt wahrscheinlich an den Höflichkeitsformen und Werten in Deutschland“, vermutet er. „Das Duzen drückt eine gewisse Vertrautheit und Nähe aus und gilt unter Freunden, innerhalb der Familie oder gegenüber Kindern als ganz normal. Bei Fremden kann das ‚Du‘ allerdings schnell als Distanzlosigkeit oder gar Beleidigung aufgefasst werden.“ „Das spielt im anglosprachigen Raum keine Rolle“, weiß Sprachgenie Elli. „Da werden sowohl das ‚Du‘ als auch das ‚Sie‘ mit ‚you‘ übersetzt und suggerieren Nähe.“ „So ähnlich ist es auch in Skandinavien“, mischt sich jetzt auch Günther ein. „Selbst die Firmenchefs dürfen dort gegenwärtig geduzt werden.“

„Einen Menschen mit ‚Euer‘ anzusprechen, wie in ‚Haben Euer Gnaden wohl geruht?‘ – also ‚Euer‘ in der zweiten Person Plural, das Verb jedoch in der dritten Person Plural – wird auch nicht mehr so häufig genutzt. Und die eigenen Eltern zu siezen, ist auch aus der Mode gekommen“, findet Herr Schmidt.

„Ach ja, und da gibt es ja noch die Anrede in der dritten Person Singular wie beispielsweise in ‚Hat Er/Sie/man schon gespeist?‘“, kommentiert Elli. „Oder die Anrede in der ersten Person Plural wie beim Arzt: ‚Was tut uns denn heute weh?‘, gell?“

„Statt dem ‚Tages-Du‘ würde ich den Golf-Spielern raten, lieber gleich beim Sie zu bleiben“, erklärt Herr Schmidt.

„Genau!“, pflichtet ihm Paula bei. „Bei mir gibt es nämlich das ‚Du‘ nur auf Dauer, denn wenn ich jemandem das ‚Du‘ anbiete, kommt es von Herzen und wird auch nicht mehr zurückgenommen!“

„Welch weise Worte!“, stimmt Elli zu. „Ich kenn da noch so ein Beispiel, weiß aber nicht, wie es genannt wird“, lacht Günther. „Vielleicht ‚Hamburger Du‘ oder besser noch das ‚St. Pauli Du‘!“ „Und was soll das sein?“, will Paula wissen. „Na, die Kombination von Nachnamen und ‚Du‘ wie bei uns halt. Gell, du, Herr Schmidt!“