„Die Dinge fangen im Kleinen an, vor Ort.“

Landratswahl im Kreis Südliche Weinstraße: Bärbel Conrad will Landrätin werden

Kreis Südliche Weinstraße. Am Sonntag, 11. Juni, finden die Wahlen des Landrats des Kreises Südliche Weinstraße statt. Nach 20 Jahren legt Theresia Riedmaier ihr Amt aus gesundheitlichen Gründen nieder. Zur Wahl für ihre Nachfolge stehen insgesamt drei Kandidaten. Chefredakteurin Yvonne Myszkowski vom PFALZ-ECHO traf sich mit allen drei und stellte ihnen dieselben Fragen. Nach Dietmar Seefeldt (CDU) und Torsten Blank (SPD) ergreift nun Bärbel Conrad (Bündnis 90/Die Grünen) das Wort.

Können Sie uns ein bisschen was über sich selbst und Ihren Werdegang erzählen?

 

Bärbel Conrad: Gerne stelle ich mich vor. Ursprünglich komme ich aus Heidelberg. Seit 1989 ist die Pfalz meine Wahlheimat. Ich lebte über 20 Jahre in Hauenstein, bevor ich vor zwei Jahren in Bad Bergzabern mein neues Zuhause fand. Nach meinem Abitur erlernte ich den Beruf der Tischlerin und war einige Zeit im Handwerk tätig, bevor ich mich zu meinem zweiten Beruf als Ergotherapeutin ausbilden ließ. Ich arbeite seit vielen Jahren in einem Haus für „Betreutes Wohnen“ in Dahn für psychisch beeinträchtigte Erwachsene, das ich leite. Politisch aktiv bin ich seit langen Jahren für Bündnis90/Die Grünen, saß im Orts- und Verbandsgemeinderat und war als Jugendschöffe beim Landgericht tätig.

Ich habe Sorge um den Weltfrieden.

Was sind Ihre Hobbys?

Bärbel Conrad: Ich bin sportlich, gehe gerne schwimmen und im Pfälzerwald mountainbiken und wandern. Außerdem fahre ich Motorrad. Ich engagiere mich seit 20 Jahren in der DLRG bei der Schwimmausbildung von Kindern. Wenn ich Zeit habe, koche ich sehr gerne.

Was ist Ihr Lieblingsessen?

Bärbel Conrad: Ich esse am liebsten sehr abwechslungsreiches Saisongemüse, mal orientalisch, mal mediterran.

Gab es eine bestimmte Erfahrung oder einen Anlass, der Sie dazu veranlasste, in die Politik zu gehen?

Bärbel Conrad: Die Erfahrung, dass sich nichts bewegt, bevor man es tut. Die Dinge fangen im Kleinen an, vor Ort. Sei es beim nachhaltigen Umgang mit unseren Ressourcen zum Thema Energie und Klimaschutz, in der Sozial- und Bildungspolitik. Gerade in Zeiten enger Finanzspielräume bedarf es konkreter, engagierter Maßnahmen, die unsere Zukunft im Blick behalten.

Schlagwort Breitbandausbau: Wie wollen Sie den Landkreis fit für die digitale Zukunft machen?

Bärbel Conrad: Mindestens 50 Bits sind ein wichtiges Ziel und dennoch nur der Anfang. Mit Glasfaserausbau bis direkt in die Haushalte ohne verlustreiche Kabelverzweiger: Nur so stellen wir unsere Region zukunftsfähig auf. Konkret heißt das, die jetzt bereitgestellten Fördergelder konstruktiv einzusetzen. Auch andere Landkreise gehen Wege gemeinsam mit bereitstellenden Unternehmen, die ihr Know-How einbringen, als Dienstleister fungieren und so ein kostenaufwändiges Back-Office überflüssig machen. Weiter begrüße ich die Eigeninitiative der Verbandsgemeinden, die schon gemeinsam mit Firmen ihre Glasfaserinfrastruktur umgesetzt haben oder gerade in der Umsetzung sind.

Schlagwort Infrastruktur: Was sind Ihre Ziele für den Landkreis? Wie stehen Sie zu einer zweiten Rheinbrücke?

Bärbel Conrad: Ein wichtiges Augenmerk liegt bei der Optimierung des Öffentlichen Personennahverkehrs. Den ÖPNV (Öffentlicher Personennahverkehr) und den (SPNV-Schienen-Personennahverkehr) als adäquate Mobilität für Berufspendler, junge Menschen, Familien, Senioren und Touristen gilt es zu entwickeln und zu fördern. Bisher wurde versäumt, eine optimierte Verzahnung von Bus und Bahn herbeizuführen, hier gibt es Potenzial nach oben. Es bedarf einer Verbesserung des Busverkehrs in der Fläche, z. B. durch Einsatz kleinerer Busse und eine schnellere Verbindung durch Schnellbusse zu Pendlerstoßzeiten. Die Umstellung auf Elektrobusse ist dabei zu fördern. Für den Landkreis muss die Modernisierung des Schienennetzes ein zentrales Thema sein, mit Elektrifizierung der Strecke Neustadt – Wörth, die größten teils auf Landkreisgebiet liegt, und der Nebenstrecken. Der Kreis sollte sich für Fördermittel durch das Land einsetzen, wie es in anderen Regionen bereits geschieht. Der Ausbau der Zweigleisigkeit zwischen Winden und Wörth und die Einrichtung eines Regional-Expresses auf der Queichtalstrecke würde eine spürbare zeitliche Entlastung für Bahnnutzer und Berufspendler bedeuten und durch mehr Effizienz die staugefährdeten Straßen entlasten. Auch hier müssen wir im Kreis priorisieren, um uns aktiv in eine zukunftsweisende mobile Region zu wandeln und einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Dies ist auch ein Teil der Antwort auf einen Bau einer neuen Rheinbrücke, die in der derzeitigen Planung den Stau verlagert auf das Nadelöhr Knielinger Knie. Moderne zukunftsweisende Verkehrsplanung sieht für mich anders aus. Um moderne Mobilität zu fördern, wären Mittel zur Verfügung, die derzeit für die überdimensionale Planung und den Ausbau der B10 bereitgestellt werden, deren vierspurigen Ausbau ich nicht befürworte.

Es bleibt weiterhin in der europäischen Verantwortung, die Entwicklung der Türkei kritisch zu begleiten.

Bärbel Conrad: Hier wären eine ressourcenschonende, intelligente Verkehrsführung sowie die Beseitigung von Problemstellen zur Erhöhung der Sicherheit und des Verkehrsflusses dringend notwendig. Leider stehen solche Optimierungen der B10 im Bestand (z. B. kreuzungsfreie Auf- und Abfahrten, LKW-Transitsperrung) beim derzeitigen Verkehrsminister nicht auf der Agenda. Des Weiteren stehen für mich parallel dazu für bessere Lebensqualität und Sicherheit auf meiner Agenda: Der Ausbau des Radwegenetzes und des RadSCHNELLwegenetzes zwischen Hauptorten der VGs und der Metropole Landau und innerorts die Verkehrsberuhigung mit 30er-Zonen.

Schlagwort Wirtschaftsregion: Wie wollen Sie die Wirtschaftsregion konkret stärken?

Bärbel Conrad: Beginnend mit dem Breitbandausbau, einem wichtigen Potenzial der Region, den Startups und der Etablierung gewachsener und nachhaltiger Unternehmen, aber auch mit der Stärkung unserer tourismusträchtigen Region mit der Weiterführung und dem Ausbau des Öko-Weinbaus unseres Öko-Landbaus als Qualitätsmerkmal ist es möglich, zukunftsweisende Wege aufzuzeigen.

Wo sehen Sie die Stärken des Landkreises?

Bärbel Conrad: Der Einfallsreichtum, die Geselligkeit und die Offenheit der Menschen unseres Landkreises Südliche Weinstraße ist eine wichtige Stärke. Die Verbundenheit mit der Natur, unser sozialer Zusammenhalt und die damit verbundene soziale Verantwortung gilt es ökonomisch aber auch ökologisch zu nutzen, in übergreifenden Tourismuskonzepten, in der Stärkung der Unternehmenskraft, bei der Schaffung von gesunderhaltenden Arbeitsplätzen, aber auch in der Modernisierung unserer Mobilität.

Und wo seine Schwächen?

Bärbel Conrad: Um die Region zukunftsweisend aufzustellen, gilt es Synergieeffekte zu schaffen, in Kommunikation zu gehen, um gemeinsame Konzepte zu verwirklichen für Klimaschutz und Energie, für Tourismus, für regionale Vermarktung, aber auch für das wichtige Thema Mobilität. Dies bringt unsere Region nach vorne, macht uns wettbewerbsfähig, schafft Arbeitsplätze, wiederbelebt Dörfer, macht unsere Region attraktiv, macht unsere Region lebenswert.

Ich bin motiviert, meine Kraft einzubringen.

Wenn Sie die heutige Weltpolitik ansehen: Präsident Trump, Erdogans Entscheid, etc. – wie würden Sie die aktuelle Lage kommentieren?

Bärbel Conrad: Das sind für mich zwei Politiker, die die Regeln der Demokratie missbrauchen. Es bleibt weiterhin in der europäischen Verantwortung, die Entwicklung der Türkei kritisch zu begleiten. Ich habe große Sorge um den Weltfrieden. Für mich heißt das vor Ort wachsam den Blick auf ein demokratisches, respektvolles Miteinander zu legen, eine offene Gesellschaft zu gestalten.

Beschreiben Sie sich selbst in fünf Worten.

Bärbel Conrad: Innere Stärke, Geduld, Ausdauer, Respekt, Weitblick.

Warum sollte man Sie wählen?

Bärbel Conrad: Ich bin motiviert, meine Kraft einzubringen und unsere Stärken im Landkreis zu bündeln. Meine Klarheit und mein Respekt vor dem Gegenüber sind mir wichtig. Sie machen es mir möglich, mit den unterschiedlichsten Partnern lösungsorientiert und praxisnah zusammenzuarbeiten für eine lebenswerte Region Südliche Weinstraße.