Die Pferdeflüsterer der Südpfalz

Reiten ist zur beliebten Freizeitbeschäftigung geworden, die Angebote sind vielfältig

Elke Damian und ihre Pferde.(Foto: ebl)

Über Jahrhunderte war das Reiten den Adeligen, Reichen und dem berittenen Militär vorbehalten. Der älteste bekannte Beleg für das Reiten auf Pferden, eine Ritzzeichnung aus dem Orient, soll knapp 5.000 Jahre alt sein. Ursprünglich als schnelle Reisemöglichkeit eingesetzt, ist Reiten heute zur beliebten Freizeitbeschäftigung und zum Sport geworden. Die Reitweisen sind ebenso vielfältig wie die unterschiedlichen Pferderassen.

Auf dem Weberhof in Winden, Waschgasse 2, führt die Lebenshilfe Kreis Germersheim heilpädagogisches Reiten durch. „Mit Familie Weber haben wir eine sehr gute Zusammenarbeit. Hier auf dem Hof können wir unsere Pferde einstellen, den Reitplatz, die Halle und das Gelände nutzen“, freut sich Lebenshilfe-Mitarbeiterin Sandra Brunner. Eine Aufstiegshilfe hat der Hausmeister gebaut, das ist rückenschonend für Pferde.

„Das heilpädagogische Reiten lockert die Muskeln, schult das Gleichgewicht und bringt vor allem Freude und Abwechslung in das Leben behinderter Kinder und Erwachsener“, weiß Reitlehrerin Elke Damian. Das Pferd bietet die Möglichkeit, sich zu bewegen, sich bewegen zu lassen und reagiert unverfälscht und direkt. „Es ist ein ehrlicher Freund mit weichen Nüstern, der sich über jede Streicheleinheit freut und jede Bewegung auf seinem Rücken ausgleichen und abfedern kann. Mich erfüllt meine Arbeit mit großer Freude, die ich mit meinen Reitern teilen kann und die von den Pferden ausgeht und getragen wird“, erklärt Elke Damian.

Aus dem Tom Mutters Haus Kandel nehmen regelmäßig Erwachsene am Reiten teil, aus dem Bereich offene Hilfe kommen Kinder und Jugendliche. Mittlerweile werden die Pferde Top Cherry (18) und Paco (8) wöchentlich von über 
40 behinderten Menschen auf dem Weberhof besucht. Die Reiter genießen schon nach kurzer Übung auf dem Pferd jede Bewegung und haben viel Spaß, unabhängig vom Grad der Behinderung.

„Wir arbeiten bei schlechtem Wetter in der Reithalle, bei Sonnenschein auf dem wunderschönen neu angelegten Reitplatz und am liebsten gehen wir in der Natur spazieren“, so die Therapeutin. Geritten wird 20 Minuten bis eine halbe Stunde. Die Pferde werden beim Reiten geführt, es gibt aber auch Jugendliche und Erwachsene, die ohne Longe frei reiten.

Auf Westernreiten spezialisiert ist das Trainingstable von Familie Wehnes, Kandel, In der Zelch (Einfahrt neben Dachdeckerei Mindum). „Nicht nur der Turniersport, sondern auch Breitensport und die Jugendförderung liegen uns sehr am Herzen“, sagt Oliver Wehnes, erfahrener Pferdetrainer, Reitlehrer und mehrfacher Deutscher Meister.

Seinen Ursprung hat das Westernreiten im Wilden Westen Amerikas. Über weite Gebiete erstreckten sich endlose Prärien, auf denen Rancher ihre Rinder weideten. Der Cowboy musste viele Stunden im Sattel sitzen. Er brauchte ein Pferd, das ausdauernd, trittsicher und sprintstark ist und in heiklen Situationen ruhig bleibt. Für die Arbeit mit dem Lasso musste der Cowboy eine Hand frei haben. „Die einhändige Zügelführung ist ein besonderes Kennzeichen des Westernreitens. Ein weiteres ist der bequeme Sattel mit Sattelhorn, breiter Sitzfläche, hinterem Rand und langen Steigbügeln“, erläutert Kerstin Wehnes, erste Vorsitzende der Ersten Westernreiter Union (EWU) Rheinland-Pfalz.

Auch die Reitweise unterscheidet sich vom klassischen Reiten: Da die Konzentration des Cowboys seiner Arbeit galt, musste das Pferd auf minimale Hilfen reagieren und dann weitgehend selbstständig mitmachen. „In meinem Unterricht lege ich großen Wert darauf, dass dem Reiter die Denkweise des Pferdes klar wird. Wir versuchen, jedem Schüler das Wissen zu vermitteln, um sein Pferd gesund zu erhalten und mit ihm zu einem Team zu werden“, sagt Oliver Wehnes. „Auch für jemand, der das klassische Reiten gelernt hat, bietet Westernreiten völlig neue, interessante Perspektiven und Erfahrungen.“ Die von Oliver ausgebildeten Pferde und Schüler haben bei Deutschen Meisterschaften schon viele Erfolge errungen. Tochter Kim ist letztes Jahr Deutsche Meisterin in einer Western-Disziplin geworden, die sich Superhorse nennt. Westernreiten wird in Deutschland immer beliebter. (ebl)

Reitlehrerin Elke Damian führt Lana auf dem Pferd Top Cherry (links) und Alexander auf Paco. (Foto: ebl)
Kim Wehnes beim Training. (Foto: ebl)
Vorheriger ArtikelBindeglied zwischen Bürger und Polizei
Nächster ArtikelIm Netz säen, lokal ernten