Die Piraten-Kriebelmücke

Mahlzeit! Die Pfalz-Echo-Mittagspausen-Kolumne

Kurz vor Ende der Mittagspause geht Paula zum Kühlschrank, holt einige Päckchen Eis heraus und fragt in die Runde: „Und, wer hat Lust auf eine Nachspeise?“ Nachdem sie das Eis verteilt hat, hält sie sich das Päckchen zur Kühlung an die Wade. „Was machst du da?“, will Elli wissen. „Ach“, wehrt Paula ab. „Da hat mich eine Kriebelmücke gestochen, das tut schon seit zwei Wochen weh.“
„Was hat dich gestochen? Eine Gribbelmücke? Kenn ich nicht“, gibt Herr Schmidt zu. „Nein, sie meint Kribbelmücke, weil es juckt und kribbelt“, lacht Paula. „Ach quatsch. Das war eine Kriebelmücke. Die sind ganz schön giftig und gefährlich“, antwortet Elli. „Wie sehen die denn aus?“, will Günther wissen. „Wie kleine Fliegen, so ähnlich, wie Fruchtfliegen. Die werden nur wenige Millimeter groß“, weiß Paula. „Man bemerkt sie eigentlich nicht, wenn sie einen beißen, da die Wunde, die sie verursachen, durch ihr starkes Gift betäubt wird“, erläutert sie. „In Deutschland gibt es über 40 Arten der Kriebelmücke, meist befallen sie Wild- und Weidetiere. Da es die bei uns immer weniger gibt, fallen sie halt auch Menschen an. Meist stechen sie in den frühen Morgenstunden oder bei einsetzender Dämmerung. Und im Normalfall auch draußen, nicht im Haus so wie Stechmücken. Die Kriebelmücke sticht auch nicht sondern säbelt richtig die Haut auf und trinkt den Blutsee, der sich dann in der Wunde sammelt.“
„Igitt, wie eklig!“, schreit Elli. Herr Schmidt schüttelt den Kopf: „Das ist ja eine richtige Piraten-Mücke!“

„Genau“, bestätigt Paula. „Und damit noch nicht genug. Die Mücke überträgt nämlich Blutgerinnungshemmer, Histamin und mitunter Bakterien, die Schmerzen, Fieber und heftige allergische Reaktionen auslösen können. Bei Massenbefall sind schon ganze Kuhherden durchgedreht und gestorben. In anderen Ländern können sie sogar gefährliche Krankheiten auslösen, wie Flussblindheit. Oder sogar Fadenwürmer übertragen. Aber nicht bei uns“, beschwichtigt Paula, als sie die aufgerissenen Augen der entsetzten Kollegen sieht. „Woher weißt du das alles?“, will Herr Schmidt wissen.
„Ich interessiere mich halt dafür“, gibt Paula zurück.„Ich bin immer wieder erstaunt. So was kann sie sich merken, aber ansonsten ist sie manchmal ganz schön vergesslich“, weiß Elli und schüttelt den Kopf.
„Das ist bestimmt Kriebelmücken-Alzheimer!“, lacht Günther und alle stimmen mit ein.