Die Sieben Sakramente

Mahlzeit! Die Pfalz-Echo-Mittagspausen-Kolumne

Paula ist ein gläubiger Mensch, aber eine Kirchgängerin ist sie dann doch nicht. „Gott und ich machen das immer zwischen uns aus“, pflegt sie zu sagen, „da muss ich mich nicht 45 Minuten auf eine harte Kirchenbank hocken. Außerdem kann ich diese Oblaten nicht ausstehen – die schmecken nach Papier.“ Nun aber ist es endlich passiert und ihr langjähriger Freund hat um ihre Hand angehalten – und ihr Mann in spe wünscht sich eine kirchliche Trauung. Paula ist einverstanden – eigentlich ist die Vorstellung ganz romantisch, sich vor Gott das Ja-Wort zu geben – schließlich spricht sie mindestens dreimal die Woche mit dem Herrgott.

Zur Vorbereitung auf die kirchliche Trauung möchte der Pfarrer Paula und ihren Liebsten am Abend besuchen. Paula ist mächtig aufgeregt. „Sag mal Schatz, meinst du, wir sollten dem Pfarrer etwas zu essen bereiten? Schließlich kommt er zur Abendbrotzeit“, fragt sie. Und schon kommt ihr der nächste Gedanke: „Wir könnten ganz klassisch Brot und Wein reichen – quasi ein Abendmahl.“ Ihr Freund kichert und Paula stimmt ein. „Meinst du, wir sollten noch irgendwo ein Kreuz aufhängen oder zumindest eine Bibel im Bücherregal platzieren?“

Am Abend klingelt der Pfarrer an der Tür. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde stellt er die Frage, vor der sich Paula am meisten gefürchtet hat: Na, kennen Sie noch die sieben Sakramente?“ Paula bekommt Schweißausbrüche. Sie hat keine Ahnung und hofft, dass ihr Freund wenigstens eines oder zwei zusammen bekommt, auch wenn er in den sieben Jahren ihrer Beziehung nicht einmal in der Kirche war. Im Stillen fängt sie schon an zu beten: „Vater unser im Himmel…“. „Ja, natürlich kenne ich die sieben Sakramente“, unterbricht Paulas Freund sie in ihrem stillen Gebet. Sogleich trägt er diese vor. „Alle Achtung junger Mann, sogar in der richtigen Reihenfolge“, lobt der Pfarrer. „Das habe ich noch nie erlebt.“ Auch Paula ist beeindruckt, mustert ihren Freund aber misstrauisch von der Seite.

Als die beiden später am Abend den Pfarrer verabschieden und die Tür ins Schloss fällt, bricht es prompt aus Paula hervor: „Woher bitteschön kennst du die sieben Sakramente? Dieser grinst Paula nur an und antwortet: „Gelobet sei das Internet. Amen.“