Steckbrief: Pascal Ackermann
Geboren: 17. Januar 1994 in Minfeld
2012: Junior-Europameister
2016: Zweiter Platz bei den Straßenweltmeisterschaften
2017: Vertrag bei den deutschen UCI WorldTeam Bora-hansgrohe
2018: kletterte er durch seine Erfolge in der UCI-Rangliste von Rang 190 auf 35
2019: Erster deutscher Gewinner des Giro d‘Italia“ (nach Punktewertung)


2019 warst Du der erste Deutsche in der Geschichte des „Giro d‘Italia“, der nach Punktewertung gewann. Nach dem großen Sieg, was steht als Nächstes bei Dir an? Trainierst Du schon für die „Tour de France“?

Pascal Ackermann: Im weiten Teil natürlich schon. Ich weiß nur nicht, wann die „Tour de France“ tatsächlich für mich kommen wird – ob das nächstes oder übernächstes Jahr sein wird. Aber grundlegend ist jedes Training wichtig für die Zukunft und es gab und gibt viele sportliche Jahres-Highlights, auf die ich mich intensiv vorbereiten muss.

Wie kann man sich ein Training bei Dir vorstellen? Radelst Du draußen durch die Natur und genießt das Wetter oder bist Du zuhause auf dem Heim-Trainer?

Pascal Ackermann: Natürlich hoffe ich immer, dass das Wetter schön ist und die Sonne scheint. Ich versuche weitestgehend draußen zu trainieren, wenn es irgendwie geht. Dann läuft das Training über mehrere Stunden. Ich bekomme von meinem Trainer einen ausgearbeiteten Plan, mit verschiedenen Intervallen und Programmen, aus denen ich mir dann die passende Runde für den Tag aussuchen kann. Dann fahre ich meine zwei bis sechs Stunden draußen. Danach kommt teilweise noch Kraft-Training oder andere, gezielte Übungen werden angesetzt, je nachdem in welcher Phase ich mich gerade befinde.

Du bist beim „Giro d’Italia“ im Mai schlimm gestürzt. Gehört Stürzen zum Radsport dazu oder ist das eher die Ausnahme?

Pascal Ackermann: Also, es ist nun mal so, dass wir manchmal ein extrem hohes Risiko eingehen müssen, deswegen gehört es schon irgendwie dazu. Man muss sich überlegen: Wenn man in einem Finale einmal bremst, hat man quasi schon verloren. Das muss also gut überlegt sein, schließlich geht es nicht nur um einen selbst. Du hast das Team, was natürlich immer hinter dir steht und alles für dich gibt, deswegen geht man vielleicht selbst auch eher an seine Grenzen und darüber hinaus. Ich bin dann jemand, der sich denkt: ‚Ich brems‘ jetzt nicht und versuche heute zu gewinnen!‘. Das muss dann ausreichen … so kann es aber natürlich passieren, dass die Reifen auf der Straße wegrutschen oder Ähnliches. Mit der Zeit lernt man aber auch damit umzugehen, auch dafür ist das Training im Vorfeld wichtig.

Wie kamst Du zum Radsport? Wie hat alles angefangen und was fasziniert Dich bis heute daran?

Pascal Ackermann: Meine Eltern und Geschwister haben sich auch schon früher dafür begeistert und ich war bereits als kleines Kind jedes Wochenende bei den Rennen dabei. Nachdem ich dem Sport also schon immer zugesehen habe und die Schnelligkeit mich besonders faszinierte, wollte ich das unbedingt selbst ausprobieren. Für mich gab’s eigentlich gar keine andere Wahl und keine Alternative, was ich sonst noch hätte machen wollen – Ich wollte immer nur Radfahren.

Ist das Fahrrad für Dich vor allem ein Arbeitsgerät oder fährt Du noch manchmal damit zum Bäcker um die Ecke oder Freunde besuchen?

Pascal Ackermann: Ich muss gestehen: Es ist eher ein Arbeitsmittel. Klar, trotzdem nehme ich’s manchmal morgens, um schnell zum Bäcker zu kommen. Das Fahrrad ist einfach das Verkehrsmittel, mit welchem ich am zügigsten vorwärtskomme. Perfekt, um schnell in die Stadt zu fahren, ohne Parkplatzsuche oder langen Staus. Es ist eben praktisch. Aber ansonsten fahre ich in meiner Freizeit nicht mehr so viel Rad.

Ich hab‘ mal gehört, es bringt Sportlern Glück, wenn sie ihren Arbeitsgeräten einen Namen geben. Hat dein Fahrrad einen Namen?

Pascal Ackermann: Also mein Rad hat keinen Namen. Das liegt vor allem daran, dass wir oft wechseln – ich fahre nicht immer ein und dasselbe Rad. Es wird regelmäßig ausgetauscht, deswegen macht es keinen Sinn Namen zu vergeben. Beispielsweise habe ich zum Training ein anderes als in den Wettkämpfen. Dort können es sogar zwei bis drei verschiedene sein. Je nachdem wie die Strecke aussieht, suchen wir ein Rad aus. Es wäre schwierig, sich so viele Namen zu merken (lacht).

Du brauchst bestimmt sehr viel Disziplin für das ganze Training. Wie motivierst Du Dich, wenn Du mal einen Durchhänger hast? Oder kennst Du so etwas überhaupt nicht?

Pascal Ackermann: Klar kenne ich auch mal Durchhänger. Gerade wenn die großen, aufreibenden Highlight-Phasen vorbei sind. Wenn man über lange Zeit, die vollen hundert Prozent der Energie in die Vorbereitung und Arbeit investiert, braucht es danach sicher ein oder zwei Wochen, um wieder ins normale Leben zu kommen. Dann hast du auf einmal eine Woche frei und musst erstmal wieder rausfinden, was du jetzt überhaupt mit der Zeit anstellst. Ich mache es dann manchmal so, dass ich mich mit einem Kumpel treffe, mit dem ich gemeinsam Radfahren und trainieren kann. So finden wir beide Motivation und es geht wieder von vorne los. Das gute Verhältnis zum Team ist auch wirklich wichtig. Mit den Menschen um mich herum kann ich mich sehr glücklich schätzen. Und nicht zuletzt meine Familie: Sie sind extrem wichtig für mich und meine Motivation. Sie standen und stehen immer hinter mir, waren jedes Wochenende mit mir auf den Rennen und unterstützen mich jeder Zeit – bis heute.

Fährt Deine Familie heute immer noch Fahrrad, so wie ihr es früher gemeinsam gemacht habt?

Pascal Ackermann: Nein, meine Eltern haben dann aufgehört. Die drei Kinder, die alle mit Leidenschaft gefahren sind, waren dann genug. Nach und nach haben auch meine Geschwister aufgehört, heute bin ich bin der einzige, der dem Radsport noch so treu geblieben ist (lacht).

2016 wurde in Minfeld der Pascal-Ackermann-Weg eingeweiht. Wie fühlt sich das an, wenn zuhause ein eigener Weg nach einem benannt wird?

Pascal Ackermann: Der Weg ist ja direkt vorm Haus meiner Eltern, das ist schon sehr cool! Ich habe auch oft gesehen, dass die Leute anhalten, um Bilder vom Straßennamen zu machen. Das ist echt was Besonderes und fühlt sich gut an. Leider bin ich nicht mehr ganz so oft wie früher auf Heimatbesuch, aber immerhin noch ab und zu. Ich bin ja noch oft in Österreich zum Trainieren und da bleibt leider nicht mehr allzu viel Zeit.

Du gehörst zu den erfolgreichsten deutschen Radprofis unserer Zeit. Wohin soll’s denn noch gehen und welche Ziele hast Du noch?

Pascal Ackermann: Ich will auf jeden Fall zur „Tour de France“, das war schon immer mein Traum und es wird auch immer mein Traum bleiben, selbst wenn ich schon dort gewesen wäre (lacht). Und natürlich der absolute Traum: das Weltmeister Trikot anziehen. (stm)

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