Auf der Suche nach dem richtigen Wecker. (Foto: teu)

„Habt ihr auch schon gemerkt, dass die Uhren, die am elektrischen Netz hängen, seit Wochen knapp sechs Minuten nachgehen?“, will Elli in der Mittagspause von ihren Kollegen wissen. „Wie bitte? Das ist mir neu. Warum denn das?“, bekommt sie zur Antwort. „Diese Uhren richten sich nach der Frequenz im Stromnetz. Normalerweise beträgt diese 50 Hertz, das bedeutet 50 Schwingungen in der Sekunde. Derzeit liegt die Frequenz jedoch etwas darunter. Wegen einer Stromlücke, die politischen Reibereien zwischen Serbien und Kosovo zuzuschreiben ist, ist nämlich die Frequenz seit Mitte Januar abgefallen“, erklärt sie eifrig.

„Machst du Scherze?“, fragt Paula nach. „Ne, das stimmt schon. Also entweder, man stellt seinen Wecker manuell nach oder man wartet noch etwas, denn die Abweichung der Netzfrequenz wird in der Regel wieder korrigiert.“ „Sowas aber auch. Was du alles weißt“, stellt Herr Schmidt fest. „Und trotzdem bis du heute morgen fünf Minuten zu spät gekommen“, grinst er. „Ach, das liegt daran, dass mir mein Göttergatte heute Nacht den Wecker geklaut hat, weil seiner wieder mal kaputt ist.“

„Was heißt ‚wieder mal‘? Kommt das bei euch häufiger vor?“, erkundigt sich Günther. „Oh, Mann, wir haben so viele Wecker daheim – das glaubst du gar nicht. Der eine tickt oder klingelt zu laut, der andere sorgt für Elektrosmog im Schlafzimmer oder das Klingeln ist nicht angenehm genug, die Schlummertaste ist an der falschen Stelle, er leuchtet zu grell im Dunkeln, er ist zu schwer zu stellen oder, oder, oder. Ich werd´noch ganz kirre, das kann ich euch sagen!“, meckert Elli. „Mit seinen Weckergeschichten geht mir mein Mann ganz schön auf den Wecker!“, lächelt sie gequält. „Nur meinen Wecker durfte er bis jetzt nie benutzen – das habe ich ihm ausdrücklich verboten!“, erklärt Elli weiter.

„Wieso das denn?“, will Paula wissen. „Mein Wecker ist schon uralt“, erklärt Elli. „Er ist schon mehrfach geklebt und verschraubt, das Ticken ist jedoch so angenehm leise, dass ich ihn halt immer noch benutze. Man darf nur nicht auf die Schlummertaste drücken, sonst bricht das fragile Konstrukt auseinander. Heute Nacht hat mein Göttergatte also meinen Wecker geklaut und in seinen Nachttisch gestopft. Das macht er mit jedem Wecker so. Und was glaubt ihr, wo er heute morgen draufgehauen hat, um noch fünf Minuten weiterzuschlafen?“ „Auf die Schlummertaste!“, klingt es im Chor. „Ganz genau!“, antwortet Elli traurig. „Und jetzt brauch ich einen neuen Wecker.“

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