Durch die Wälder, durch die Auen

Näher betrachtet: Mit Natur- und Landschaftsführerin Dr. Astrid Schnakenberg unterwegs

Dr. Astrid Schnakenberg erläutert ein Heilkraut. (Foto: ebl)

Von der ersten Blüte im Frühjahr bis zum Laubfall im Spätherbst finden zahlreiche Naturführungen im Bienwald und in den südpfälzischen Rheinauen statt. Geleitet werden sie von zertifizierten Natur- und Landschaftsführern, die im Verein Naturführer Pfalz e.V. zusammengeschlossen sind. Sie kommen aus den unterschiedlichsten Berufen. Gemeinsam ist ihnen die Liebe zur Natur und die Freude am Umgang mit Menschen. Ihre Ausbildung zum zertifizierten Natur- und Landschaftsführer Bienwald und Südpfälzische Rheinauen (BANU) umfasste 240 Unterrichtsstunden.

Eine der ersten Frühjahrsführungen wurde Anfang April rund um dem Wasserturm bei Büchelberg angeboten. Bei dieser rund dreistündigen Wanderung mit der Landschaftsführerin 
Dr. Astrid Schnakenberg gab es in der erwachenden Natur bereits viel zu entdecken: erblühende Streuobstwiesen, frühe Schmetterlinge, erste Wildbienen. An einem 2012 errichteten großen Insektenhotel herrschte bereits reger Betrieb.

Wie Dr. Schnakenberg ausführte, liegt Büchelberg auf einem Kalkhügel, der früher mit Buchen bestanden war. Um 1700 siedelte Sonnenkönig Ludwig XIV. hier mitten im Bienwald Arbeiter an, deren Aufgabe es war, Holz und Kalksteine für den Bau der Festung Fort-Louis zu fördern. Die Streuobstwiesen wurden von den Siedlern durch Rodung angelegt und stehen heute unter Naturschutz. Der Kalk, das „Büchelberger Gold“, stammt von abgelagerten Muscheln und Schalentieren. „Wo wir jetzt stehen, war vor 25 Millionen Jahren mal Wasser. Da lebten sehr viele Tiere, vor allem Schalentiere wie Muscheln und kleine Schnecken. In den Kalksteinen sieht man mit der Lupe noch viele winzig kleine Fossilien, das sind nichts anderes als Wattschnecken, wie sie heute an der Nordsee leben“, so Schnakenberg.

Östlich der B9 fallen die Bodenschichten ab. Da fängt der Rheingraben eigentlich an, dort ist eine Bruchkante, die sich von der Nordsee bis in das westliche Mittelmeer erstreckt. „Genau an dieser Linie driftet Europa auseinander. Der eine Teil wird nach Westen abdriften, der andere wird im Osten bleiben, natürlich in Millionen von Jahren, aber es ist tatsächlich so. Das kommt daher, weil Afrika nach Norden auf die europäische Kontinentalplatte drückt. Das hat schon vor 250 Millionen Jahren angefangen und zum oberrheinischen Grabenbruch geführt“, erläutert 
Dr. Schnakenberg.

Auf den Wiesen fanden die Wanderer u. a. das Scharbockskraut, das wechselblättrige Milzkraut und den Löwenzahn. Der Volksname Bettsächer für Löwenzahn weist auf seine harntreibende Eigenschaft hin. Er wird aber auch gern bei Kreislaufproblemen eingesetzt, in der Naturheilkunde zudem bei chronischen Entzündungen der Atemwege, Magengeschwüren, Tuberkulose, Durchfall, Rheuma, Gallenbeschwerden, Blähungen und Verdauungsbeschwerden. Nach Hexenglauben erfüllt sich jeder Wunsch, wenn man sich mit Löwenzahn den Körper einreibt. „Wenn man die Blätter in warmes Wasser legt, zieht das einen Teil der Bitterstoffe heraus. Einige Blätter in den Salat, dann hat man schon eine ganze Menge für seine Gesundheit getan“ so die Naturführerin. „Unsere kultivierten Gemüse- und Salatsorten enthalten kaum noch Bitterstoffe.“

Im nahen Wald sprossen die ersten würzigen Kräuter. Die Teilnehmer rasteten an einer alten Heilquelle, die schon bei Kelten und Römern bekannt war. Star des Nachmittags war der Bärlauch, der im Feuchtwald üppig wächst. Astrid Schnakenberg gab jedem Teilnehmer eine Kostprobe in Form von selbstgemachter Bärlauch-Pesto.

Der Heilbach hat eine besonders hohe Gewässergüte. Er ist ein Referenzbach in Rheinland-Pfalz, bestimmte Insektenlarven, die nur in sehr sauberen Gewässern vorkommen, z. B. die der Steinfliege,  haben hier ihr Refugium. Die landschaftliche Vielfalt bietet Lebensräume für zahlreiche gefährdete Pflanzen- und Tierarten. Sie ist daher besonders wertvoll und schützenswert für die gesamte Region.

Anschließend beantwortete uns Dr. Astrid Schnakenberg noch einige Fragen:

Wo und zu welchen Themen machen Sie Naturführungen?

Astrid Schnakenberg: Im Bienwald, den Streuobstwiesen und den Rheinauen. Themen sind Streuobstwiesen im Frühjahr und Herbst, Biodiversität, Fauna (Wildbienen), Flora (Heilkräuter, Pilze des Bienwaldes), Gewässer, Bachuntersuchungen.

Bieten Sie zusätzlich zum Veranstaltungskalender auch Führungen nach Vereinbarung an?

Astrid Schnakenberg: Ja. Zusätzlich zum Veranstaltungskalender bieten wir auch nach Vereinbarung, z. B. für Familientreffen, Betriebsausflüge, Kindergeburtstage o. Ä., diese Touren und weitere Themenführungen zu Wunschtermin an (Anfragen per E-Mail post@naturfuehrer-pfalz.de oder im Haus Leben am Strom Neupotz).

Ihre Naturführungen sind sehr fundiert, ist das Ihr Hauptberuf?

Astrid Schnakenberg: Nein, ich engagiere mich für die Natur und bin gerne in Kontakt mit Menschen. Das ist ein Hobby mit hohem Stellenwert für mein Leben.

Bitte sagen Sie etwas zu Ihrer Ausbildung.

Astrid Schnakenberg: Ich bin promovierte Diplom-Biologin. Studiert habe ich an der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Ein Jahr Auslandsaufenthalt (USA), einige Jahre am Deutschen Krebsforschungzentrum (DKFZ) Heidelberg, dann ärztliches Diagnostik-Labor (Dr. Burkhard Ziegler) in Karlsruhe. Danach Familienzeit.

Haben Sie in Studium und Beruf Schwerpunkte gesetzt?

Astrid Schnakenberg: Ja, meine Dissertation im Veterinärvirologischen Institut der Universität Gießen (Mikrobiologie, Molekularbiologie, Grundlagenforschung) schrieb ich zum Thema: Charakterisierung einer kältesensitiven Influenza A Virus-Rekombinanten. 2009 habe ich die Regio-Ausbildung zur zertifizierten Natur- und Landschaftsführerin absolviert. Ich bin Mitglied des Naturwissenschaftlichen Vereins des Naturkundemuseums Karlsruhe (Abteilung Pilze), Mitglied des Vereins Naturführer Pfalz e. V. und bin im Verein zur Förderung der Umweltbildung und Römischer Geschichte (Lusoria rhenana). Betreuende Tätigkeit in der Umweltbildungseinrichtung im Haus Leben am Strom seit diesem Jahr mit Schwerpunkt Gewässerkunde.

Kennen Sie den Bienwald schon lange? 

Astrid Schnakenberg: Ich wohne in Büchelberg seit 1992, den Bienwald kenne ich sehr gut, vor allem durch das Pilze-Sammeln. Ich stamme aus dem Ruhrgebiet, aber die Pfalz ist mir zur zweiten Heimat geworden.

Was schätzen Sie an der Bienwaldregion besonders? 

Astrid Schnakenberg: Natürlich den Bienwald mit seinen verschiedenen Lebensräumen, die Waldbäche, Pilze sammeln im Wald, die gemütlichen Dörfer am Viehstrich und im Lössriedel, Büchelberg umgeben von Streuobstwiese und Wald, die vielen kleinen Feste im Dorf, Pfälzer Gastlichkeit, nette Lokale, die Nähe zum Rhein.

Haben Sie Lieblingsplätze oder eine liebste Jahreszeit?

Astrid Schnakenberg: Am liebsten bin ich im Bienwald und am Rhein. Den Spätsommer mag ich besonders, denn da reifen die Früchte auf der Streuobstwiese und den Feldern. Ich bin sehr gerne mit dem Rad unterwegs.

Hätten Sie einen Wunsch für den Bienwald?

Astrid Schnakenberg: Dass es ihn in 1.000 Jahren auch noch gibt …

Vielen Dank für das Gespräch. (ebl)