Antoine Monot und Wanja Mues sind bekannt aus der ZDF-Krimiserie „Ein Fall für zwei“. Monot spielt Rechtsanwalr „Benin“ Hornberg, Mues schlüpft in die Rolle des Privatdetektivs Leo Oswald.Am Rande der Dreharbeiten für die fünfte Staffel des Serienhits (in dieser Besetzung) trafen wir auf die beiden Hauptdarsteller. Interviewort: das Hausboot von Leo Oswald.

„Ein Fall für zwei“ gibt es schon seit 1981 und ist mit Matula zu einer Marke geworden – das sind große Fußstapfen, in die man da tritt… Lastet da ein gewisser Druck auf einem?

Antoine Monot: Nein, null. Es ist jetzt fünf Jahre her, dass ich die Rolle des Anwalts übernommen habe. Den heutigen „Fall für zwei“ kann man auch überhaupt nicht mehr mit dem von früher vergleichen. Das ist eine ganz andere Produktion. Es ist viel moderner.

Gab es denn vor der ersten Ausstrahlung eine Anspannung – war dies anders als bei anderen Produktionen?

Antoine Monot: Nein, es gab nie Druck. Die Zuschauer haben uns angenommen. Sicher gab es für den ein oder anderen da eine Umgewöhnungs-Phase, aber das liegt mittlerweile schon sehr weit zurück. Damals gehörte ich noch zur jungen Zielgruppe des ZDF (lacht).

Herr Mues, in „Ein Fall für zwei“ verkörpern Sie Leo Oswald – einen Machotypen. Würden Sie sagen, dass Sie das auch im wirklichen Leben abseits der Kameras sind?

Wanja Mues: Ich würde Leo Oswald nicht als Machotyp bezeichnen, weil das einen negativen Beigeschmack hat. Ich würde ihn eher als richtigen Mann bezeichnen. Und ich glaube, dass es mir ganz gut gelingt, diese Rolle zu spielen. Als Vorbild für die Rolle habe ich mir z.B. Steve McQueen genommen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass diese männliche Rolle so ein bisschen verloren gegangen ist in der Fernsehlandschaft. Die Rollen von Mann und Frau vermischen sich im realen Leben immer mehr. Der Mann übernimmt oft die Frauenrolle, zieht die Kinder groß, die Frau macht Karriere. Diese Diskussion finde ich auch in Ordnung, im Alltag stelle ich mich dieser. Und Leo Oswald ist das komplette Gegenteil dazu: Der kommt irgendwo rein und darf richtig männlich sein. Im besten Sinne ist er wie Schimanski, der einfach ein Kerl ist. Aber Wanja Mues ist komplett anders. Und das macht mir auch Spaß an dem Beruf des Schauspielers, dass ich als Wanja so eine Figur entwickeln und spielen darf.

Wie ist denn Wanja Mues?

Wanja Mues: Ich bin Familienvater. Das ist natürlich nur eine Seite von mir. Ich versuche mich zu engagieren und meine Möglichkeiten auszuschöpfen, um in der Welt Dinge zum Guten zu verändern. Und meinen Kindern ein gutes Vorbild zu sein und die Dinge anzupacken, in die ich mich einmischen kann. Gleichzeitig bin ich einfach ein Mensch, der gerne seinen Beruf ausübt und gerne Vater und Ehemann ist und gerne zuhause ist. Auch wenn es für manche langweilig klingen mag, für mich ist es das nicht, ich finde es toll.

Wie ist es für Sie, in die Rolle des Anwalts reinzuschlüpfen, Herr Monot? Liegt einem das als Schauspieler im Blut, oder brauchten Sie viel Vorbereitung auf die Rolle?

Antoine Monot: Ich kann mich als Schauspieler immer dann vorbereiten, wenn ich etwas lernen muss. Z. B. wenn ich einen Automechaniker spiele. Dann muss ich den so spielen, dass es aussieht, als würde ich seit 30 Jahren mit den Autoteilen arbeiten. In die Anwaltsrolle musste ich mich eigentlich gar nicht so sehr reindenken, weil ich relativ viel mit Juristen zusammenarbeite. Von daher weiß ich, wie Anwälte ticken, und ich konnte mir sehr viel abschauen. Eine Extra-Vorbereitung auf diese Rolle habe ich also nicht gebraucht. Vorbereitung brauche ich natürlich in textlicher Hinsicht. Der muss am Drehtag und auch schon Wochen vorher einstudiert werden.

Sie sind sehr breit aufgestellt, Herr Monot. Sie hatten schon allerlei Geschäftsideen in Ihrem Leben, schreiben Bücher etc. Wie bekommen Sie das alles unter in Ihrem Leben?

Antoine Monot: Ich arbeite dauernd. Das macht mir aber auch wahnsinnig viel Spaß. Ich stehe morgens auf und schreibe E-Mails, kümmere mich um meine Projekte. Ich bin relativ gut organisiert und strukturiert beim Arbeiten und ich versuche, auch während der Dreharbeiten andere Dinge zu erledigen. Das ist das, was mich sozusagen am Leben erhält: andere Sachen machen zu können und das unternehmerische Feuer, das ich in mir trage, ausleben zu können.

Wenn man die Zeit zurückspulen könnte, was würden Sie dann in Ihrem Leben anders machen? Oder anders gefragt, was würden Sie in Ihrem Leben gerne noch machen, wo würden Sie gerne noch einmal hinreisen?

Antoine Monot: Ich würde nichts anders machen, keine einzige Sekunde, weil alles, was ich in meinem Leben gemacht habe, hat einen ganz tiefen Grund und Sinn gehabt. Auch aus Dingen, die schlecht gelaufen sind, kann man lernen und ich habe daraus gelernt. Fehler zeigen mir auf, was ich das nächste Mal anders oder besser machen kann. Deswegen sind Fehler, meiner Meinung nach, etwas wahnsinnig Wichtiges – wir können aus nichts Anderem lernen als aus Fehlern. Was ich noch erreichen will, ist noch wahnsinnig viel. Aber das sind Sachen, die ich mit mir und meinem engsten Umfeld ausmache – und die hake ich nach und nach auf meiner Liste ab.

Aber die Liste ist geheim – zumindest für die Öffentlichkeit?

Antoine Monot: Nein, geheim nicht. Auf der Liste stand zum Beispiel das Regieführen, womit ich vor zwei Jahren angefangen habe – ich habe bei den „Knallerkerlen“ Regie geführt. Regieführen ist mit Sicherheit ein Thema, das ich noch vertiefen werde in Zukunft.

Zurück zur Frage: Herr Mues, was würden Sie in Ihrem Leben anders machen, wenn Sie könnten?

Wanja Mues: Spontan und aus dem Bauch heraus wollte ich ganz viel antworten. Nachdem ich jetzt aber Antoines Antwort gehört habe, stimme ich ihm zu 100 Prozent zu. Ich stehe heute hier, weil ich den Weg gegangen bin, den ich gegangen bin. Deswegen gehören natürlich auch die Fehler dazu, die man in seinem Leben macht. Es wäre arrogant zu sagen, dass damals alles anders oder schlechter gewesen wäre. So wie mein Leben sich entwickelt hat, ist es genau richtig. Ich versuche aber, auch mehr Struktur und Organisation in mein Leben reinzukriegen und mich mehr auf die Sachen zu konzentrieren, die mir wichtig sind. Z.B. beruflich mehr Sachen mit zu entwickeln. Meine Lesungen und Hörbücher sind ein großes seelisches Gegengewicht zu dem stressigen Drehalltag – auch darauf möchte ich mich mehr konzentrieren.

Antoine Monot: Meine ganz große Antriebskraft ist es, permanent die eigene Komfortzone zu verlassen. Inzwischen ist es auch ein Reflex geworden. Da, wo ich mich von Grund auf wohl fühle, gehe ich einen Schritt raus und habe wieder Angst, weil ich einen Schritt gehe, den ich vorher noch nicht gegangen bin. Man muss permanent dahingehen, wo man ein bisschen Angst vor dem Neuen hat. Das mache ich und das brauche ich. Das macht das Leben doch erst lebenswert.

In „Ein Fall für zwei“ sind Sie mit der Zeit Freunde geworden. Wie ist das im wirklichen Leben? Treffen Sie sich auch privat?

Antoine Monot: Leider nein. Wanja reagiert ja nie auf meine Anrufe (lacht). Wir sind befreundet, ja, aber oft sehen wir uns leider nicht. Das liegt aber daran, dass wir beide Familie haben…

Wanja Mues: Ich wohne in Berlin, Antoine in München…

Antoine Monot: Wenn wir näher beieinander wohnen würden, würden wir uns mit Sicherheit auch mal privat treffen. Dass dem nicht so ist, tut mir manchmal auch wirklich leid.

Wanja Mues: Mir auch. Aber das ist eben ein Teil dieses Jobs als Schauspieler. Das gehört dazu. Ich habe es mühsam als Kind lernen müssen, dass die Filmfamilie keine echte Familie ist und dass man gerne und eng miteinander zusammenarbeitet…

Antoine Monot: …und dass die echte Familie auch nicht die Filmfamilie ist.

Wanja Mues: Wir werden jetzt einfach einmal die Woche telefonieren…

Antoine Monot: Gerne!

Wir befinden uns gerade auf dem Hausboot von Leo Oswald und es schwankt doch stetig etwas. Wird Ihnen bei den Drehs auf dem Hausboot nicht schlecht?

Antoine Monot: Mir überhaupt nicht. Es gibt Kollegen, denen es schlecht wird, die sagen dann sofort, wenn sie das Boot betreten: „Ui das schaukelt aber.“ Aber ich kriege das gar nicht mit.

Wanja Mues: Mir auch nicht, aber Seekrankheit ist eben eine Veranlagung – dagegen kann man kaum etwas machen. Das hat irgendetwas mit dem Gleichgewichtssinn im Ohr zu tun. Gestern hat es schon mehr gewackelt, als ein großes Schiff vorbeigefahren ist. Der Kameramann brauchte für die Aufnahmen einen Stabilisator.
Antoine Monot: Wenn ein Kanu vorbeifährt, merkt man es natürlich nicht.

Hat das Hausboot eigentlich einen Namen?

Antoine Monot: Nein, nur das Hausboot, auf dem wir vorher gedreht haben, hatte einen. Im Film hieß das damalige Hausboot MS Gisela. Und das hier heißt einfach Hausboot.

Warum werden immer nur so wenige Folgen gedreht. Für die aktuelle Produktion sind es vier Folgen – warum nicht sechs?

Antoine Monot: Das ist eine Frage, die kann nur das ZDF beantworten.

Wanja Mues: Ich finde diese Frage herrlich! Wir würden nämlich wahnsinnig gerne mindestens acht Folgen im Jahr drehen. Ich würde das sofort auf einem Bierdeckel unterschreiben. So hat man das damals gemacht, das waren Handschlagdeals. Heute wird aber erst einmal nach den Quoten geguckt. Das verstehe ich, aber ich weiß auch, dass die Fans mehr als vier Folgen fordern. Ich hoffe, dass wir das in den nächsten Jahren auch machen dürfen.

Haben Sie schon Pläne, was sie nach den Dreharbeiten für die 5. Staffel (in dieser Besetzung) für „Ein Fall für zwei“ machen?

Wanja Mues: Wir drehen bis Mitte Juni, danach habe ich mir ein bisschen Sommerferien für die Familie reserviert. Wir fahren in den Dschungel nach Borneo und besuchen eine Hilfsorganisation, die sich für Orang-Utans sowie für die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen der indigenen Völker einsetzt. Wir wollen uns das Ganze einmal anschauen und dann wollen wir gemeinsam entscheiden, ob die Möglichkeit besteht, dass ich eine Art Botschafterfunktion übernehmen kann. Auf Borneo werden die Wälder gerodet und der Lebensraum für Orang-Utans wird immer weiter eingeschränkt.

Und Sie, Herr Monot?

Antoine Monot: Nach „Ein Fall für zwei“ mache ich erst einmal Urlaub und dann drehe ich etwas, worüber ich aber noch nicht sprechen kann (lacht). Ich werde in Hamburg drehen, aber mehr kann ich nicht sagen.