Ein Römerschiff im Winterlager

Das PFALZ-ECHO auf der Spur der Lusoria Rhenana in der Werft in Germersheim

(Foto: str)

Seit 2012 ist das Römerschiff „Lusoria Rhenana“ im Setzfeldsee bei Neupotz von April bis Oktober im Einsatz. Bisher sind fast 25.000 Interessierte mitgerudert. Allein im Jahr 2016 fanden 285 Fahrten statt. Aber was geschieht in den verbleibenden fünf Monaten? Das PFALZ-ECHO ging auf Spurensuche.

Jedes Jahr muss das Schiff überholt und gepflegt werden, damit es weiterhin sicher und zuverlässig seinen Dienst verrichten kann. Am Aschermittwoch, 1. März, traf sich in einer Halle der Südpfalz-Kaserne in Germersheim der Geschäftsführer des Vereins zur Förderung von Umweltbildung und römischer Geschichte, Dieter Heim, mit zwei Mitstreitern, den Ingenieuren Heinrich Borutta und Peter Frank, zum letzten geplanten Arbeitseinsatz dieser Winterwerft. „Ein gutes Team, das auf Freiwilligkeit basiert und von den Fachkenntnissen der anderen profitiert“, sagt Dieter Heim. Insgesamt besteht der harte Kern der sich im Winter regelmäßig donnerstags trifft, aus sechs Mitgliedern des Vereins. Helmut Birkenmayer, Richard Heller und Herrmann Bappert sind weitere Unterstützer, die teilweise Anfahrtswege aus Ludwigshafen für das ehrenamtliche Engagement auf sich nehmen. „Warum wir das machen? Weil es Freude macht!“, so Heinrich Borutta.

Zuerst wird der Stützrahmen abgelassen, damit der Schiffsbaumeister in den nächsten Tagen unter dem Schiff arbeiten kann. Dabei wird das Schiff durch extra angefertigte Stützen gehalten. „Hier sind wir froh, dass wir über engagierte Mitglieder verfügen, die gute Ideen haben und ihren völlig unterschiedlichen beruflichen Hintergrund einbringen, denn Produkte von der Stange gibt es für ein rekonstruiertes Schiff nicht zu kaufen. „Alles muss extra angefertigt werden“, so der Geschäftsführer. „Sicherheit wird groß geschrieben“, immerhin wiegt das Schiff bei 
18 Metern Länge fast fünf Tonnen.“

Nachdem das Schiff in der Werft liegt, wird es jedes Jahr zwei Mal, innen und außen, komplett geschliffen und lackiert. Die Riemenblätter (laienhaft Ruder) werden von den etwa 7.000 Ruderanfängern im Laufe der Saison sehr strapaziert und nutzen sich durch das Aufeinanderprallen teilweise sehr stark ab.  Die Verschleißteile werden dann abgehobelt, neues Holz auf die erforderliche Breite aufgeleimt, mit Hand abgehobelt  und lackiert. Die Dollpflöcke, an denen die Riemen eingehängt werden, müssen in Teilen auch ausgetauscht bzw. erneuert werden. Diese unterliegen großem Verschleiß, da sie als Drehpunkt der Riemen dienen und sehr hohe Kräfte aufnehmen müssen. Über mehrere Monate in der trockenen Halle lockern sich die Pflöcke, da sich das Holz zusammenzieht. Daher werden alle Dollpflöcke, unmittelbar bevor das Schiff wieder ins Wasser kommt, ohne Kleber und Schrauben, mit unterschiedlich starken Holzplättchen und Keilen angepasst und mit einem Holzhammer in vorgesehenen  Vertiefungen eingeschlagen und verkeilt. Jedes Teil hat ein individuelles Maß. Dabei zeigt sich die Teamarbeit des Trios: Messen, auswählen, schleifen, sägen, halten und einschlagen geht immer zügiger und eingespielter. Einige der größeren Maschinen zur Holzbearbeitung wurden durch eine ehemalige Schreinerei in Germersheim gespendet. „Auch während der Saison muss immer etwas ersetzt oder repariert werden“, so Borutta. Dieter Heim betont, dass viele Dinge des ursprünglichen Schiffes nicht überliefert sind und es auf Grund der großen Nachfrage der Wissenschaft als größtes Langzeitexperiment des Schiffstyps Navis Lusoria dient.

Am Samstag, 18. März, um 
9 Uhr, wurde das Schiff nach etwa 500 Arbeitsstunden in der Werft wieder im Setzfeldsee zu Wasser gelassen. Dann dauert es noch ca. zwei Wochen, bis das Holz aufquillt und der Rumpf sich dadurch quasi selbst abgedichtet. Sofern es dicht ist, heißt es dann wieder ab Anfang April bis Ende Oktober „Leinen los“. (str)

Dieter Heim beim Verkeilen. (Foto: str)
Die ehrenamtlichen Helfer Heinrich Borutta, Dieter Heim und Peter Frank (von links). (Foto: str)