Naturfilmer Josef Zauner in seinem Herxheimer Garten. (Foto: tom)

Herxheim. Seit 25 Jahren lebt Josef Zauner nun in Herxheim. Der 1940 in München geborene Amateurtierfilmer kam schon in früher Kindheit mit der Natur in Berührung. Noch heute erinnert er sich an die Zeit, als er mit seinem Vater mit der Straßenbahn nach Grünwald in den Wald fuhr. Dort bekam er Tiere gezeigt und die Natur erklärt und lernte diese kennen und lieben. So war er von klein auf von der Natur besessen und fasziniert, wie er beim Gespräch mit dem PFALZ-ECHO erklärt.

Bereits als Kind von der Natur fasziniert

Beruflich bedingt verschlug es ihn 1970 nach Karlsruhe. Dort wurde er Geschäftsführer eines Münchner Textilgroßhandelsunternehmens. Bald stieg sein damaliger Chef aus Altersgründen aus dem Geschäft aus und übertrug Josef Zauner die alleinige Führung. „Das war ein riesiger Glücksfall und wie ein großer Lottogewinn“, so Zauner. Die Arbeit machte Zauner großen Spaß und die Tatsache, dass er einen loyalen und zuverlässigen Geschäftsführer an seiner Seite wusste, ließ ihm zunehmend mehr Zeit zum Reisen. So besuchte er 1990 erstmals Alaska. Schnell war er fasziniert von der Landschaft und den dort lebenden Tieren. Besonders Kodiakbären, eine Unterart des Braunbären, Grizzlybären und Eisbären hatten es ihm angetan. Bald lernte er einige Inuit kennen, die für ihn die Verbindung zu den dortigen Behörden herstellten. So bekam er die Erlaubnis, anfangs noch in Begleitung, später dann alleine, in den entferntesten Gebieten zu filmen.

Bären filmen in Alaska

Zehn Jahre reiste er immer wieder über einen Zeitraum von vier, acht, manchmal sogar zwölf Wochen nach Alaska. Meist filmte er in einem Gebiet, in dem die größten Bären der Welt leben. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass jährlich fünf Lachszüge durch die dortigen Gewässer kommen und die Tiere somit überreichlich Nahrung finden. Die Bären ließen den Naturtierfilmer bis auf zwei, drei Meter an sich heran. Bald gab er den Tieren Namen.

Ein für ihn unvergessliches Erlebnis hatte er mit der Bärin Olga. Eines Tages kam das Tier ganz nah zu ihm heran und legte ihre drei Jungen bei ihm ab. Danach ging sie zum Lachsefischen an den Fluss, kam zurück und säugte in seinem Beisein ihren Nachwuchs. Bald verschwand sie wieder, um an den nächsten Tagen das Ritual zu wiederholen. „Ich spürte ein unglaubliches Glücksgefühl und war überwältigt“, so Josef Zauner.

Ein tragisches Ereignis führte zum Ende der Reisen nach Alaska. Ein japanischer Kollege wurde eines Nachts in einem Seitental von einem Bären aus seinem Zelt gezogen und getötet. Zauner verbrachte die Nächte auf einer kleinen Insel, um dieser Gefahr zu entgehen.

Dennoch hatte er von nun an Angst und das Gefühl, die Tiere könnten das spüren. So fasste er nach seiner Ankunft in der Heimat den Entschluss, nicht mehr zu den Bären zu reisen.

Lebensraum Bienwald

Seiner Leidenschaft für die Tierfilmerei indes gab das keinen Abbruch. Er suchte sich für sein Hobby ein neues Gebiet in der Heimat und entschied sich für den Bienwald. Nahezu sechs Jahre lang sammelte er über 200 Stunden Filmmaterial, aus dem der preisgekrönte, 20-minütige Amateurfilm „Lebensraum Bienwald – von Eichen und anderen Waldbewohnern“ entstand. In Rheinland-Pfalz, Deutschland und Europa wurde das Werk als bester Amateurtierfilm ausgezeichnet.

Auch im Bienwald hatte er eine unvergessliche tierische Begegnung. Aus einem alten Forsthaus hörte er drei Tage das Miauen einer kleinen Wildkatze. Am dritten Tag kam sie auf ihn zu und setzte sich auf seinen Stiefel. „Ich war so aufgeregt, dass ich gar keine Aufnahmen machen konnte. Nach einiger Zeit setzte sie sich vor mich hin und ich konnte filmen,“ berichtet Zauner. Einige Szenen von diesem Ereignis sind im Bienwaldfilm zu sehen. „Das war ein Erlebnis, das man nicht mehr vergisst – und für mich als Tierfilmer und Naturliebhaber unglaublich schön.“ Viel Zeit, Geduld und die Gabe, auch bei Hitze und dem Herumschwirren von Stechmücken stundenlang still sitzen zu können, sind die Voraussetzungen, die man als Tierfilmer mitbringen muss, weiß Josef Zauner. „Manchmal schlafe ich auch ein, natürlich ausgerechnet in dem Moment, wenn ein scheues Tier endlich vorbeikommt.“

Ein Tierfilmer hat es bedeutend schwerer als die Kollegen aus Film und Fernsehen, so kann er das scheue Tier vor der Kamera nicht um einen zweiten Take bitten. „Die vielen einsamen Stunden tun mir gut. Den Tieren bei ihren schönen, natürlichen Bewegungen zuzuschauen sind Sachen, die ich niemals vergessen werde. Natürlich sind es viele Stunden, aber wenn man die Bilder zu Hause anschaut, ist man einfach glücklich, sie gemacht zu haben“.

Goldmedaille beim Bundesfilmfestival

Weitere von ihm produzierte Filme sind „Die Gottesanbeterin und ihr natürlicher Lebensraum“, für den er auf dem Bundesfilmfestival „Natur“ eine Goldmedaille erhielt, sowie „Die Haubentaucher“. Zauner arbeitet bei seinen Aufnahmen gerne mit offener Blende, langen Belichtungszeiten oder größeren Brennweiten. Besonders gut gefallen ihm ruhige, weiche Bilder. Sie sollen vor allem die Schönheit und die Bedeutung von Tieren, Pflanzen und ihren Lebensräumen zeigen und dabei sowohl den positiven als auch negativen Umgang mit der Natur zum Thema haben.

Josef Zauner war acht Jahre Landesvorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Film-Autoren Rheinland-Pfalz, bevor er im Frühjahr diesen Jahres sein Amt niederlegte. Auch als Juror ist er aktiv und agiert bundesweit bei Naturfilmfestivals. Aktuell ist er wenig in der Natur und arbeitet mehr an seinem nächsten Projekt. Der Film wird den Namen „Im Tal der Bären“ tragen und entsteht mit den Bildern und Aufnahmen aus seiner Zeit in Alaska.