„Erfolg hat viele Väter“

Näher betrachtet: Dieter Heim über die Lusoria Rhenana, römische Geschichte und Pfälzer Kommandos

Dieter Heim ist Gubernator auf dem Römerschiff Lusoria Rhenania. (Foto: teu)

Neupotz / Germersheim. Dieter Heim ist 56 Jahre alt, verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder und wohnt in Germersheim. Zudem ist er Geschäftsführer des Vereins zur Förderung von Umweltbildung und römischer Geschichte und mit Herz und Seele Schiffsführer – also Gubernator – der Lusoria Rhenana, dem Römerschiff im Neupotzer Setzfeldsee. „Ich bin als Geschäftsführer praktisch Mädchen für alles – Ideengeber, Ausbilder der Besatzungen, Organisator, Ansprechpartner oder nehme die Buchungen entgegen und vieles mehr“, erklärt Heim. „Die Idee, ein Römerschiff zu bauen, kam 2008 von Landrat Dr. Fritz Brechtel, dem ersten Vorsitzenden des Vereins. Er hatte vor allem den Mut, die Entscheidung zu treffen ein Projekt dieser Größenordnung zu bauen, um den Tourismus zu beleben. Die Lusoria Rhenana ist inzwischen eine touristische Bereicherung und ein Besuchermagnet. Durch die Mitwirkung an vielen Fernseh- und Rundfunksendungen und die teilweise bundesweite Veröffentlichung in bekannten Printmedien, erreichen wir inzwischen eine beachtliche Wertschöpfung, von der unsere gesamte Region profitiert“, so Heim.

Gemeinnützige Ziele

Nach den wissenschaftlichen Testfahrten 2011 wurde der Verein gegründet, um dem Schiff eine Zukunft zu geben. „Mittlerweile haben wir über 100 Mitglieder, die sich um die Instandhaltung des Schiffs kümmern und sich für die heimische Flora und Fauna sowie römische Geschichte interessieren“, so Heim. „Das wesentliche dieses Projekts ist nicht das Geld, sondern es geht darum, die gemeinnützigen Ziele des Vereins wie römische Geschichte und Ökologie zu verfolgen.“

Die Saison 2015

„Wie in den Vorjahren werden auch in der Saison 2015 wieder etwa 6.500 Gäste auf dem Setzfeldsee ihre Runden mit der Lusoria Rhenana gedreht haben – wir haben bereits für nächstes Jahr schon doppelt so viele Anfragen wie zu Beginn dieses Jahres. Die beste Werbung ist gute Qualität. Unser Ansinnen ist es, den Menschen an Bord ein Erlebnis der besonderen Art zu ermöglichen und ihnen bei diesem Freizeitvergnügen einen kleinen Einblick in römische Geschichte und ökologische Zusammenhänge zu geben“, erläutert Heim. „Deshalb sind wir gerade dabei, zusammen mit der Gemeinde Neupotz eine außerschulische Lernstätte für Umweltbildung aufzubauen. Gemeinsam werden wir naturkundliche Exkursionen für Kinder, Schüler und Erwachsene anbieten. Wir haben hier sehr gute Kooperationspartner, wie das Haus ‚Leben am Strom‘ und die Polderscheune – Erfolg hat viele Väter.“

Idylle Neupotz

„Wir sind in Neupotz angekommen. Die Zusammenarbeit mit der Gemeinde könnte nicht besser sein“, schwärmt der Schiffsführer. „Neupotz liegt zentral, hat eine gute Verkehrsanbindung, hervorragende Wasserflächen und einen historischen Hintergrund mit dem Barbarenschatz, der hier gefunden wurde. Die einzigartige Neupotzer Gastronomie rundet das Angebot für die Gäste ab. Eine gute Zusammenarbeit besteht auch mit dem Terra Sigillata-Museum in Rheinzabern. Wir fühlen uns hier richtig wohl. Und viel idyllischer kann man mit einem Römerschiff nicht fahren.“

Seit Mai 2014 finden auch standesamtliche Trauungen am Römerschiff statt. „Diese Trauungen sind deutschlandweit einzigartig“, weiß Heim, der bislang bei jeder einzelnen mit seinem Kollegen Heinrich Borutta aus Rheinzabern dabei war.

„Auf der Lusoria Rhenana ist der Gubernator der Steuermann. Er gibt den Takt und die Richtung vor – und erzählt in den Ruderpausen Spannendes über römische Geschichte oder die Flora und Fauna unserer Heimat“, grinst Heim. „Wir haben derzeit etwa zehn Gubernatoren – teilweise von weit her und insgesamt ca. 30 Besatzungsmitglieder, die sich um den Fahrbetrieb kümmern.“ Damit die Manöver auf dem Setzfeldsee nicht allzu chaotisch werden, gibt es einige Kommandos, die die Gäste der Lusoria Rhenana lernen müssen. „Rudert an!“ heißt: „ziehen“, „Riemen bei!“ heißt: „draufdrücken; also die Riemen aus dem Wasser heben“. Bei der Rückwärtsfahrt heißt es dann „Streicht an!“. Ein ganz wichtiges Kommando, wenn man bremsen will heißt: „Wasser halt!“. Dabei werden die Riemen vorsichtig ins Wasser getaucht und das Schiff bremst ab. „Das ist gar nicht so einfach, wie es aussieht, denn das Schiff wiegt fünf Tonnen und wenn sich maximal 30 Gäste an Bord befinden, sind es sogar etwa sieben Tonnen“, lacht Heim. Es wird auch „Kulturrudern“ angeboten, um auswärtigen Gästen die Pfälzer Sprache zu vermitteln. Dann gibt es Pfälzische Kommandos wie „Hiwwe“ (Steuerbord), „Driwwe“ (Backbord) und „Letzrum“ (rückwärts). Der Takt werde dann auch nicht mit „eins und zwei“ sondern mit „Alla Hopp“ angezählt – Freizeitspaß eben.

Winterschlaf

Ende Oktober kommt die Lusoria Rhenana wieder in ihr Winterlager ins Trockendock – einer Halle auf dem Gelände der Südpfalzkaserne in Germersheim, die als Werft genutzt wird. Hier wird das Römerschiff für seine Fahrten 2016 auf dem Setzfeldsee in ca. 500 Stunden vorbereitet, bevor es ab Mitte April wieder seine Runden in der Neupotzer Idylle drehen darf. „Alla Hopp!“