Familienforschung führt zusammen

    Näher betrachtet: Wie Michael Knoll einen Verwandten aus Kanada kennenlernte

    Büchelberg. Michael Knoll betreibt seit der Schulzeit Heimat-Forschung. Im Gymnasium in Wörth hat er eine Facharbeit zum Thema „Die sozio-ökonomische Entwicklung der Gemeinde Büchelberg und ihr Niederschlag in der Physiognomie des Ortsbildes“ geschrieben. Nach Abitur und Wehrdienst hat er Holztechnik mit Abschluss Diplom-Ingenieur studiert, danach mehrere Jahre in der Möbelindustrie gearbeitet, bevor er 1991 in den elterlichen Fensterbaubetrieb eintrat, den er seit 1999 führt.

    „2012 habe ich eine E-Mail aus Kanada bekommen. Der Absender hat mir geschrieben, sein Ur-Urgroßvater stamme aus Büchelberg. Er wäre vor rund 200 Jahren nach Russland ausgewandert. Ein Ur-Enkel dieses Büchelbergers, geboren 1870, sei während der revolutionären Unruhen 1905 aus Russland geflohen und schließlich in Kanada gelandet“, berichtet Michael Knoll.

    Ausführliche Recherche

    „Da ich nicht wusste, ob die Geschichte erfunden ist, habe ich zuerst einmal die Adresse überprüft. Die Absenderadresse in Kanada hat sich als realistisch herausgestellt, daraufhin habe ich den Kanadier um weitere Informationen gebeten.“

    Und die hat ihm Alvin Knoll aus Regina, Hauptstadt der kanadischen Provinz Saskatchewan, auch gesendet. So hatte Michael Knoll einen konkreten Ansatzpunkt für eigene Recherchen. In der Ortschronik von Albert Ritter „Büchelberg. Leben am Bienwaldrand“ (2005) hat er bestätigt gefunden, dass ein Josef Knoll 1807 nach Mariental bei Odessa ausgewandert ist.

    Alvin konnte nachweisen, dass das sein Vorfahre ist. Er hat das ehemals deutsche Dorf Mariental bei Odessa nach einer Zählung von 1858 minutiös rekonstruiert, die Straßen und Häuser mit Zuordnung der deutschen Familiennamen. „Wenn man Google Earth über alte Karten legt, sieht man, dass die Struktur des Ortes bis heute erhalten ist. Die Panoramabilder bei Google Earth zeigen außerdem, dass noch viele Häuser in deutschem Stil stehen“, ergänzt Michael Knoll.

    „Die nächste Frage war natürlich, ob wir miteinander verwandt sind. Ich musste also meine Herkunft bis 1807 zurückverfolgen.“

    Für Büchelberg gibt es maschinenschriftliche Familienlisten von Dr. Robert Niederer, die bis zu den Anfängen des Ortes 1692 zurückreichen. Michael Knoll hat diese Listen eingescannt und alle Informationen, die er zusätzlich gefunden hat, den Personen zugeordnet.

    Die ersten beiden Knolls kamen um 1760 von Hayna und Herxheim nach Büchelberg. Sie sollen geholfen haben, die Bildstraße vom Langenberg nach Schaidt zu bauen. „Ich habe früher immer gedacht, dass die beiden aus zwei verschiedenen Familien stammen, weil sie aus verschiedenen Orten kamen. Veranlasst durch die Anfrage aus Kanada habe ich das noch einmal überprüft und dazu das inzwischen erschienene Ortsfamilienbuch von Hayna zu Rate gezogen. Darin sind die beiden ersten Büchelberger Knolls, Johann Andreas und Georg Adam, als Brüder verzeichnet.“

    Daraus ergibt sich Folgendes: Der Russlandauswanderer Josef Knoll war das fünfte Kind von Georg Adam Knoll aus zweiter Ehe. In Büchelberg ist die Linie von Georg Adam Knoll ausgestorben.

    Stammbaumforschung mit Gänsehauteffekt

    „Ich bin ein Nachkomme von dessen Bruder Johann Andreas Knoll. Das heißt, der Vater dieser beiden Brüder, Johann Adam Knoll aus Hayna (um 1701-1750), ist der gemeinsame Vorfahre von mir und Alvin Knoll in Kanada. Aus erster Ehe hatte er sechs Kinder, aus zweiter noch einmal sieben“, staunt der Sippenforscher. „Das über ein gutes halbes Jahr zu recherchieren, war spannender als jeder Krimi. Ich hatte mehrfach Gänsehaut, wenn ich wieder bislang unbekannte Verwandte entdeckt habe.“

    Alvin und seine Ehefrau Berbel Knoll kamen 2012 auch zu Besuch nach Büchelberg. „Und da habe ich meine nächste Gänsehaut gekriegt, als Alvin, 200 Jahre nach Auswanderung seines Vorfahren, noch altes Büchelbergerisch gesprochen hat. Irgendwann hat er mich gefragt: Michael, was ist ein Deihenker. Meine Frau Berbel (ebenfalls deutschstämmig) sagt immer, das muss was Russisches sein, sie kennt das nicht. Da habe ich ihm gesagt: Wenn du das Wort Deihenker kennst, hast du garantiert Büchelberger Wurzeln. Denn das ist ein Wort, das hier fast nur Büchelberger kennen.“ Der Ausdruck steht auch im Pfälzischen Wörterbuch. Er kommt wahrscheinlich von Dreihenker, dem Dreizack des Teufels. Ein Deihenker ist sinngemäß ein Satansbraten, jemand, der andere immer piekt und ärgert.

    Da hat Alvin erklärt, er kenne das Wort von seiner Großmutter. Die habe das immer zu seinem Bruder gesagt.

    Alvins Frau Berbel spricht auch noch sehr gut deutsch. „Wir haben einige Ausflüge gemacht, Weißenburg, Straßburg. Ich habe noch andere Orte angeboten, da hat Alvin gemeint, er würde lieber im Bienwald spazieren gehen. Denn dort, wo er herkommt, sei nur Prärie, kein Wald und keine so hohen Bäume.

    Alvin ist Farmer in Kanada gewesen und in der Freizeit Vorsitzender eines deutschen Clubs, der z.B. Oktoberfeste veranstaltet und ein deutschsprachiges Mitteilungsblatt herausgibt.

    „Ich habe ihm die Chronik und das Fotobuch von Büchelberg geschenkt, auch die neue Ortsfahne und Boden aus dem Garten. Die Symbolwirkung ist ihm drüben gekommen, er hat sich sehr bedankt. Er hat mich eingeladen: ‚Michael, der Schlüssel liegt unter der Fußmatte, du kannst jederzeit kommen.‘ Irgendwann werden wir ihn besuchen.“ (ebl)

    Familienforscher Michael Knoll, Büchelberg. (Foto: ebl)
    Alvin und Berbel Knoll aus Kanada. (Foto: privat)