Landau. „Music was my first love and it will be my last.“ Als John Miles‘ Song „Music“ 1976 raus kam, war Sascha Kleinophorst gerade mal zwei Jahre alt. Aber treffender kann man heute – 40 Jahre später – Saschas Weg kaum beschreiben. Der 1974 geborene Nordrhein-Westfale lebt seit seinem zehnten Lebensjahr in der Pfalz und lebt seine niederrheinische Frohnatur am liebsten auf der Bühne aus.

Wie kamst du eigentlich zur 
Musik?

Sascha Kleinophorst: Eigentlich war es Zufall. Ich habe mich schon von Kindesbeinen an für Musik begeistert. Mein Vater hat nebenbei als DJ gearbeitet, damals noch aufwändig mit Schallplatten. Er hatte eine riesige Sammlung, in die ich immer rein gehört hab. Mein erstes Lieblingslied war tatsächlich „Anita“ von Costa Cordalis. Da war ich drei oder vier und hab tierisch abgetanzt. Und später als Teenager dann habe ich bei allen Gelegenheiten mitgesungen und jemand hat gemeint, ich kann das ganz gut. An meinem 18. Geburtstag habe ich mir von einem Freund zwei Lieder auf Kassette aufnehmen lassen und habe dann selbst für meine Partygäste ein kleines Ständchen dargeboten. Eigentlich ganz schön selbstverliebt (schmunzelt). Aber es hat sich so ergeben. Und drei Wochen später hatte ich das erste „Folge-Engagement“, weil mich dann eine Freundin für ihren Geburtstag gebucht hat. Den Musikerfreund hatte ich dann schon live dabei – und das war der Anfang.

Und wie ging es weiter? 

Sascha Kleinophorst: Weiter ging es damit, dass ich mitbekommen hatte, dass eine Band aus Kaiserslautern einen neuen Sänger sucht. Dort habe ich vorgesungen und wurde genommen – und dann hab ich mich von Band zu Band weitergearbeitet.

Wet Desert, Brass Machine, Saftwerk, Die Dicken Kinder, Eine Band namens Wanda, RoxxBusters – die Bands, in denen Sascha Kleinophorst mitmischt oder schon mitgemischt hat, lassen sich gar nicht alle aufzählen. Aber eines ist jedes Mal gleich: Wenn der Wahl-Landauer die Bühne betritt, sorgt er mit seiner gefühlvollen Stimme garantiert für Gänsehaut beim Publikum. 

Hattest du je klassischen Gesangsunterricht?

Sascha Kleinophorst: Nein, gar nicht. Ich habe am Pfalztheater viel Statisterie gemacht und ein Regisseur hat mir die Zwerchfellatmung beigebracht und das ist letzten Endes das Wichtigste, das man braucht. Ich hab dann Freunde nach Tipps gefragt und dann haben Leute immer mal wieder gute Ratschläge gegeben, wie man dies und jenes machen kann, aber das meiste kommt von mir selbst.

Wie sieht deine Bandhistorie denn aus?

Sascha Kleinophorst: Die erste Band hieß – als ich dort vorgesungen habe – Hot Shorts. Und sie hatte ihren ersten Auftritt auch schon in Shorts absolviert! Sie hat sich dann aber zum Glück umbenannt in Top Secret. Das war jetzt nicht um so vieles besser, aber wir mussten nicht mehr in kurzen Hosen raus (lacht). Da haben wir eben gecovert, wie es in den 90ern üblich war: von Summer of 69 über Jump bis hin zu ich weiß nicht was alles. Wir haben aber auch schon eigene Sachen gemacht und einige Songs aufgenommen. Die nächsten beiden Bands haben komplett eigene Musik gemacht: Einmal war das Landslide und dann eben Wet Desert. Die haben mich bei Landslide gesehen und gefragt, ob ich da zusätzlich mitmachen würde. Und so fing das damals schon an, dass ich in mehreren Bands gleichzeitig unterwegs war. Das war damals die Wurzel allen Übels (lacht). Wir haben ganz ganz viel eigene Musik gemacht, sind da auch viel rumgekommen. Wir haben auf dem Rheinland-Pfalz-Tag in Landau gespielt und hatten von da an auch in der Südpfalz eine gute Fangemeinde.

Die Erfolge ließen nicht lange auf sich warten, der gelernte Bauzeichner war aus der Musikszene nicht mehr wegzudenken. Aber der ambitionierte Musiker mit dem sympathischen Lachen gab sich damit nicht zufrieden. Gemäß des bekannten Credos „Stillstand ist Rückschritt“ suchte auch Sascha Kleinophorst neue Herausforderungen.

Wie ging es weiter bei dir? 

Sascha Kleinophorst: Irgendwann hab ich dann gemerkt, dass ich stehenbleibe. Wenn man eigene Musik macht, hat man zwar eben den Vorteil, was Eigenes zu machen, klar. Aber der Nachteil ist, dass man auch nicht gezwungen wird, etwas Neues zu lernen. Man passt sich die eigene Musik so an, wie man es braucht. So hab ich mit ein paar Freunden eine reine Coverband gegründet und dann hat Ende 2001 Jens Vollmer von Brass Machine gefragt, ob ich Anfang 2002 mit ihnen eine Session spielen könnte. Und danach kam die Frage, ob ich nicht als fester Frontmann einsteigen wollte. Plötzlich war ich in einer gut gebuchten Coverband und Mitte 2002 war ich mit ihnen schon auf dem Jazzfestival in Montreux, also richtig gut unterwegs. In dieser Zeit habe ich wahnsinnig viel gelernt. Da fängst du auch an, Songs zu singen, die außerhalb deines Stimmumfangs liegen – und so fängst du an zu arbeiten und an deine Grenzen zu gehen. Auch die Regelmäßigkeit hat mir sehr gut getan. Denn beim Singen ist es nicht anders als bei jedem Instrument: Du musst üben, üben, üben. Ja, dann war ich ganz bei Brass Machine und hatte einen vollen Zeitplan. Über die Musiker von Brass Machine kam ich dann ins Mannheimer Capitol, wo für mich der darstellerische Aspekt auf der Bühne dazukam.

Ohne welche Songs könntest du nicht mehr sein? 

Sascha Kleinophorst: Das ist echt schwierig, denn das ist extrem abhängig davon, was ich gerade vorbereite. Gerade wenn wir im Capitol was machen, dann geht das ja sehr in eine bestimmte Richtung… Aber definitiv einer meiner all time favorites ist Music von John Miles. Der Song spricht mich von der Aussage und einfach allem an! Und ich würde auch The show must go on von Queen nennen. Wenn man sieht, wie und unter welchen Voraussetzungen das geschrieben wurde, dann muss man einfach beeindruckt sein. Es ist ein wirklich fantastischer Song, den ich auch immer wieder gerne singe! Ich habe immer so Phasen, in denen ich mich mit verschiedenen Richtungen beschäftige.

Hat jemand mit deiner Bühnenerfahrung denn noch Lampenfieber? 

Sascha Kleinophorst: Ich verspüre so eine Art angenehme Aufregung, besonders wenn ich etwas Neues mache. Zum Beispiel bei einer Premiere im Capitol: Da hast du acht Wochen für ein Stück geprobt und weißt, jetzt sitzt da das Publikum und wartet. Da spüre ich so eine angenehme Aufregung. So einen Drang, das auf die Bühne zu bringen, aber ich habe keine Angst davor. Lampenfieber habe ich am ehesten bei einer Premiere, wenn du die Energie vom Publikum zurück bekommst. Denn bei den ganzen Proben hattest du ja kein Publikum und weißt nicht, wie die Leute reagieren. Ich bin dann aber heiß und will raus, aber es ist kein Lampenfieber.

Abseits der Bühne ist Sascha Kleinophorst ein offener, herzlicher und vor allem bodenständiger Typ. Nach dem Zivildienst hatte er bereits den Wunsch, Schauspieler zu werden und auf der Bühne zu stehen. Aber mit dem Rat seines Vaters „Lern was Gscheits!“ im Ohr, absolvierte er seine Ausbildung zum Bauzeichner und arbeitete später in der Grafikabteilung eines Kaiserslauterer Verlags, wo er nach sechs Monaten eigenständig das komplette Magazin gestaltete. Jahrelang arbeitete er als Mediengestalter, bevor er sich auf die Musik konzentrierte.

Welche Hobbys hast du denn? 

Sascha Kleinophorst: Ich habe jahrelang klassisch im Büro gearbeitet und hatte meine Musik als Hobby. Und das hat mich immer so ausgefüllt, dass ich für nichts anderes Zeit hatte. Und jetzt, wo ich Musik zu meinem Beruf gemacht habe, merke ich, dass da immer noch nicht so wahnsinnig viel Platz für was anderes ist. Und ich verspüre auch keinen Drang dazu, mehr neue Hobbys zu haben. Theater interessiert mich, Filme interessieren mich… wobei mein letzter Kinofilm Star Wars war. Ich würde mich jetzt nicht als Cineast bezeichnen, Kino ist für mich etwas für die großen Erlebnisse – eben wie Star Wars.

Wenn du mit jemandem – tot oder lebendig – einen schönen Abend verbringen könntest, wen würdest du wählen? 

Sascha Kleinophorst: Billy Joel, John Lennon, Robbie Williams  – Bei Robbie Williams würde mich interessieren, wie der so drauf ist. Ende der 90er war er der Hammer, ein Entertainment-Gott. Von ihm hab ich mir viel abgeschaut. Ansonsten noch Freddie Mecury und… (Pause) nee, für alles andere denke ich schon wieder lange nach. Lassen wir es bei diesen vier. Sind zwar nur Männer, aber gut. Ich würde dann nen Männerabend veranstalten: mit Biertrinken, Fußballgucken und über gute Konzerte reden.

Welche Projekte stehen bei dir denn an?

Sascha Kleinophorst: Im letzten Jahr habe ich viele neue Bands kennengelernt und da haben sich einige neue Konstellationen ergeben. Am 11. März sind wir mit der We Rock-Band in Landau, mit Sascha Krebs. Dann hab ich bei den RoxxBusters ausgeholfen, wenn Hagen Grohe nicht dabei sein konnte – auch da steht im April einiges an. Und dann natürlich das Capitol: Ich spiele seit September den Claude in „Hair“, das macht wahnsinnig viel Spaß, im Juni hat Jim Knopf Premiere, auch darauf freue ich mich schon sehr. Ja, und Saftwerk und natürlich die Dicken Kinder und und und… – ich merke schon, in der nächsten Zeit wird mir nicht langweilig.

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