Ganz besonderes Handwerk

Das PFALZ-ECHO auf den Spuren regionaltypischer Berufe

Konrad Gehrlein bei einer Flecht-Vorführung auf dem Lernbauerhof in Niederotterbach. (Foto: privat)

In der Südpfalz gibt es ungewöhnliche, für die Region jedoch typische Berufe, die eine lange Tradition haben. Zwei davon – der Beruf des Tabakpflanzers und der des Korbmachers – sind eine nähere Betrachtung wert.

Hatzenbühl gilt als ältestes Tabakanbaugebiet Deutschlands. Pfarrer Anselm Anselmann soll 1573 im Hatzenbühler Kirchgarten die ersten Tabakpflanzen gezüchtet haben. Vierhundert Jahre später gehörte Hatzenbühl zu den größten Tabakanbaugebieten Deutschlands.

Heute liegt das größte Tabakanbaugebiet in Baden Württemberg, gefolgt von Rheinland-Pfalz. „Zudem wird Tabak in der Wittlicher Senke, ein Seitental der Mosel, im Großraum des fränkischen Schwabach, im Elb- und Odertal, in der Nordheide in Niedersachsen und in Schleswig-Holstein bis hoch zum Nord-Ostseekanal angebaut“, weiß Hermann-Josef Pfanger, der 
27 Jahre lang Vorsitzender des Bundesverbands Deutscher Tabakpflanzer war. Zu seinen Aufgaben gehörte die politische Vertretung des deutschen Tabaks sowohl bei der Bundesregierung, wie auch auf EU-Ebene. Mehrmals im Jahr nahm er zusätzlich als Mitglied im Beratungsgremium Rohtabak bei der EU-Kommission in Brüssel teil. Der Herxheimer baute bis 2014 bereits in der siebten Generation die Tabak an. „Ausgesät wird im März. Die Tabakpflanzen bleiben bis Mai im Folienhaus und werden dann ausgepflanzt. Die Ernte beginnt ab Anfang Juli und geht – je nach Jahrgang und Reifezeitpunkt – bis Ende September, Anfang Oktober.“

Da die unteren Blätter der Tabakpflanze  zuerst reif sind, wird von unten nach oben geerntet.  „Die Sorten Burley und Geudertheimer werden luftgetrocknet und dazu eingenäht. Die Sorte Virgin wird hingegen heißluftgetrocknet. Nach dem Trocknen wird der Tabak verkauft und weiterverarbeitet.“

Der Beruf des Tabakpflanzers hänge von vielen wirtschaftlichen Faktoren ab, weiß Pfanger. „Wenn das wirtschaftliche Umfeld stimmt, ist der Beruf des Tabakpflanzers nicht bedroht, wenn es nicht stimmt, dann kann es ganz schnell vorbei sein“, betont der Experte. „Es hat schon immer Höhen und Tiefen gegeben, im Moment sieht die Situation ganz gut aus.“

Schaidt war im 19. und 20. Jahrhundert das Zentrum der pfälzischen Korbwarenindustrie. Wobei zu dem Ausdruck Industrie anzumerken ist: Maschinen kamen, wenn überhaupt, nur beim Schneiden und Aufbereiten der Weiden, nicht beim Flechten selbst zum Einsatz.

Walter Becker hat Mitte der 50er Jahre die Gesellenprüfung bei Firma Vogel in Schaidt abgelegt. „Wir waren rund 30 Beschäftigte“, erinnert er sich. „Es gab vier Korbmacherfabriken in Schaidt. Die größte hatte 150 Mitarbeiter.“

Damals war er froh, eine Lehrstelle zu finden. „Ich habe dann noch ein paar Jahre auf dem Handwerk gearbeitet. Das Problem war, man hat wenig verdient: Sobald die Hände ruhten, ging das Geld aus“, so Becker, der 1958 zu DLW Maximiliansau, fünf Jahre später zu Mercedes in Wörth wechselte.

Bis zu ihrer Verdrängung durch Kunststoff waren rohrgeflochtene Tragekörbe, Wäschekörbe, Schließkörbe usw. alltägliche Gegenstände in Haushalten. In den 60er Jahren kam der Niedergang der heimischen Korbmacherei.

Heute findet man nur noch ganz wenige Pfälzer, die das Handwerk beherrschen. Zu ihnen gehört Konrad Gehrlein in Rheinzabern. Bis vor zwei Jahren hat er noch Vorführungen des Korbflechtens in Kindergärten, Schulen, auf Weihnachtsmärkten und Festen gegeben. Aus gesundheitlichen Gründen flechtet er nur noch ausnahmsweise. Die Weiden bezog er aus Neupotz, aus dem sein Großvater mütterlicherseits stammte. Auch in Neupotz gab es eine Korbfabrik. „Mein Großvater hat Körbe geflochten, da sind wir als Buben dabeigesessen und haben probieren dürfen. So habe ich es gelernt.“ „Die Weiden wurden so ab dem Buß- und Bettag geschnitten. An der rechten Hand, mit der man beim Weidenschnitt das Sesel (Rebmesser) geführt hat, hat man einen Handschuh angehabt, wegen der Stoppeln, an die man gestoßen ist.“

Vor dem Flechten werden die Weiden drei Wochen eingeweicht. Für einen Tragekorb braucht man ungefähr 120 Weidengerten.

„Beim Korb kommt zuerst das Bodenkreuz. Man braucht dazu sechs Gerten. Drei werden geschlitzt und drei durchgesteckt. Wenn der Boden fertig ist, werden Weiden hochgeflochten. Ich habe es gerne gemacht“, sagt der heute 82-Jährige. Die Heimatmuseen in Neupotz und Schaidt bewahren das Andenken. (teu/ebl)