Geständnisse

Mahlzeit! Die Pfalz-Echo-Mittagspausen-Kolumne

Ein Liter Eis nach dem Abendessen? Für Elli kein Problem. (Foto: hea)

„Schaut mal, ich hab Eis ins Gefrierfach gelegt! Zur Feier des Tages – endlich Sonne und T-Shirt-Temperaturen!“, verkündet Günni begeistert, als er in die Küche kommt. Glückliche Gesichter strahlen ihn von allen Seiten an. Von fast allen Seiten: Herr Schmidt hat sein mahnendes „Es ist Fastenzeit!“-Gesicht aufgelegt und Elli … ja, Elli schaut irgendwie gar nicht gut aus. Sie verdreht die Augen und lächelt verkrampft. Paula beobachtet ihre Reaktion und fragt sie verwirrt: „Möchtest du uns aufklären, Elli? Was ist los?“ Die Männer in der Runde kichern belustigt, weil Paula das Wort „aufklären“ verwendet hat. Elli bleibt vom pubertären Gehabe unbeeindruckt und atmet tief durch: „Also, … es ist so … äh … ach, es nutzt ja nix, ihr wisst eh schon fast alle meiner dunklen Geheimnisse … ich … ich habe manchmal so Gelüste. Gestern zum Beispiel. Und vorgestern. Und am Mittwoch auch.“

„Komm schon! So schlimm kann es doch nicht sein!“, meint Paula ungeduldig, während sie mit der Zunge genüsslich das Eis am Stil leckt. (An dieser Stelle dürfen alle pubertierenden Leser einmal kichern.)

„Doch, ist es!“, erwidert Elli. „Es ist mir echt unangenehm. Aber gut, ich sag es jetzt einfach: Ich esse manchmal eine ganze Packung Eis auf einmal. Nach dem Abendessen. Vor der Packung Chips. Einen Liter.“

Alle starren sie an, aber nicht, weil sie so schockiert sind, sondern weil sie sich alle gleichzeitig dasselbe fragen: „Ja, und?“

Herr Schmidt spricht es endlich für alle aus: „Wo ist das Problem? Da haben einige unter uns sicher ganz andere dunkle Geheimnisse!“

„Deine Gewürzgurken-Abhängigkeit zum Beispiel?“, kontert Paula. „Nein, die ist ja kein Geheimnis!“, gibt Herr Schmidt zu, „aber ich weiß, in welchem Film Günni vor ein paar Wochen im Kino war!“

„WEHE!“, ruft Günni ganz aufgeregt, „das geht niemanden was an!“

„Ihr denkt, es war sicher 50 Shades? … nein, ganz falsch! Günni steht nämlich heimlich auf Veronica Ferres!“, Schmidt grinst trumphierend – Günni ist am Boden zerstört, aber in seinem Kopf rattert es schon: Rache, Rache, Rache … „Ha! Und wisst ihr, was ich letztens in Schmidts CD-Regal gefunden habe?“, hat er einen Geistesblitz, „Britney Spears! Greatest Hits!“ Die schockierten Gesichter sind dieses Mal echt, denn eigentlich dachten alle, Herr Schmidts musikalischer Tiefpunkt war mit der Phase erreicht, in der er täglich lautstark „I‘ve been looking for freedom“-grölend durch die Büroräume spaziert ist. So kann man sich täuschen.