Neupotz. Die Korbmacherei hat in Neupotz eine tief verwurzelte Tradition. Fast in jeder Familie, in der die Landwirtschaft gepflegt wurde, war auch die Verarbeitung von Weiden zu Körben üblich. Bereits 1879 waren in der Korbwarenfabrik von Jakob Schwein 23 Personen ständig beschäftigt. Die Zahl derjenigen Personen, die damals zuhause Körbe angefertigt haben, wird auf über 100 geschätzt. 

Bis in die 1980er Jahre wurde dieses Gewebe in Neupotz betrieben. Zu dieser Zeit gab es noch viele Korbmacher, zwei Korbwarenbetriebe und noch einige Korbhändler im Dorf. Mit der Ansiedlung von Industrie in der Südpfalz ging die Korbwarenindustrie jedoch rasch zurück und so gibt es heute nur noch ganz wenige Personen, die dieses Handwerk beherrschen. 

Neupotzer Korbwaren waren in der Vergangenheit Exportschlager – zum Beispiel auf Umzügen der Nachbargemeinden. (Foto: privat)

Einige junge Männer kamen vor wenigen Jahren nun auf die Idee, dieses Brauchtum im Dorf wieder aufleben zu lassen. Die Gruppe um Initiator Florian Bellaire suchte sich einen Lehrmeister und fand ihn in Egon Hoffmann. Eine Werkstatt fand man im Anwesen des ehemaligen Korbhändlers Gustav Hammer und so startete vor inzwischen vier Jahren ein einzigartiges und fruchtbares Projekt. Elf junge Männer lernten in ihrer Freizeit, einmal in der Woche, Körbe zu flechten. Inzwischen sind sie soweit geschult, dass sie schon einiges vorweisen können. Einen Unterstützer fanden die jungen Männer auch in Markus Heid, der das Arbeitsmaterial – die „Bann“, wie die Weiden in Neupotz genannt werden – großflächig anbaut. 

Fest am ersten Maisonntag ehrt die Flechtkunst

Er ist nun auch der Initiator des 1. Neupotzer Korbmacherfestes, das am Sonntag, dem 5. Mai auf seinem Anwesen am Otterbach 21 stattfindet. Es steht unter dem Motto „Menschlich naturverflochten, alles rund um die Bann“. 15 Korbflechter aus Deutschland und Frankreich haben ihre Teilnahme zugesagt. Sie wollen das traditionelle Handwerk der Flechtkunst präsentieren, den Bürgern vermitteln und damit neu beleben. 

Am Nachmittag gibt es Weiden-Workshops zum Mitmachen für Jung und Alt, angefangen von dekorativer Flechtkunst für Haus, Hof und Garten bis zum Kinderspielplatz mit dem „Bann-Tipi-Zelt“. Auch die jungen Neupotzer Korbmacher sind dabei und bieten in einer Aktion „´s Beschte aus Bann“. 

Bei einem Gewinnspiel kann mit etwas Glück ein handgeflochtener Weidenkorb gewonnen werden. (per)

Nähere Informationen gibt es unter www.weidenart-heid.de.

Neupotzer Korbmacher waren auch regelmäßig zu Gast auf dem Landauer Thomas-Nast-Nikolausmarkt. (Foto: privat)
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