„Meine Güte, Elli! Siehst du alt aus!“, begrüßt Günther nach seinem dreiwöchigen Urlaub seine Kollegin zwar mit einer herzlichen Umarmung, aber – wie so oft – wenig charmanten Worten.

„Als vierfache alleinerziehende Mutter sähest du auch nicht besser aus!“, gibt Elli zurück und lässt sich – gegen 8.30 Uhr – den vierten Kaffee des Morgens ein.

„Alleinerziehend? Hat dein Mann etwa … und Moment mal! Vier Kinder?“, wundert sich Günther. Paula, die gerade die Küche betritt und sich in die Schlange vor der Kaffeemaschine einreiht, grinst nur: „Unsere Elli ist die Ziehmutter von vier zuckersüßen und bezaubernden Hundewelpen. Ihre Hündin wurde zum ersten Mal Mama“, erklärt Paula, die Ellis Verfall miterlebt hat.

„Zuckersüß … seit Wochen habe ich keine Nacht durchgeschlafen! Mein Leben besteht aus enthaaren, füttern, wischen und daraus, vier beratungsresistenten Tieren den Unterschied zwischen meinem Finger und einem Knochen beizubringen!“, stöhnt Elli.

„Wieso enthaarst du die Hunde?“, fragt Günther irritiert.

„Nicht die Hunde! Mich!“ Wieder ist es Paula, die ein Kichern unterdrückt und halblaut ergänzt: „Mit mäßigem Erfolg.“

„Also, ich stelle mir so einen Tag mit Welpen unglaublich entspannend vor!“, will Günther Elli aufmuntern und tatsächlich  – ein Lächeln schleicht sich auf ihre Lippen. „Ja, manchmal schon“, bestätigt sie. „Man kann echt die Uhr danach stellen, dass sie nach einer halben Stunde spielen einfach irgendwann umfallen wie ein Duracell-Hase ohne Batterie. Dann schlafen sie eine halbe Stunde und dann – leider kann man auch danach die Uhr stellen – machen sie ihr Geschäft genau da hin, wo sie gerade aufwachen. Eine von ihnen, die Kleinste, schläft nur mit Körperkontakt. Auf meinem Arm, meinem Bauch oder meinem Fuß – was sie gerade erwischt.“

„Hmm“, kommentiert Günther, der Ellis Leidensgeschichte verfolgt hat. „Du freust dich sicher schon, wenn sie irgendwann in ihre neuen Familien ziehen? Gibst du sie denn alle weg?“

„Wie kannst du so was sagen? Das sind meine Kinder!“, entgegnet Elli empört und dreht sich um. Paula legt Günther unterdessen beruhigend eine Hand auf den Rücken. „Mach dir nix draus. Das ist der Schlafmangel. Oder die gestörten Hormone einer Hundemami.“ „Na ja, ich lade sie lieber nicht auf einen Beruhigungs-Hotdog ein“, unkt Günther.