Im geschriebenen Dialog mit sich selbst

Susann Pietsch organisiert den ersten Landauer Diary Slam am 17. November, bei dem Privatpersonen aus ihren alten Tagebüchern vorlesen

Eine Kiste voll mit Jugenderinnerungen. (Foto: pdp)

Landau. Wer in seinem Tagebuch aus Kindheitstagen liest, muss mal schmunzeln, mal weinen, mal lachen. In jedem Fall aber wird man in Erinnerungen an längst vergangene Zeiten schwelgen und vieles über sich lernen. Die Wahl-Landauerin Susann Pietsch hat sie alle aufgehoben, die Tagebücher aus ihren Kindheitstagen und sie möchte die Öffentlichkeit an ihren Erinnerungen teilhaben lassen. Deswegen liest sie am 17. November im Rahmen eines „Diary Slam“, in der KulturCantina in Landau, kurze Stücke aus ihren Tagebüchern vor. Aber nicht nur Pietsch wird kleine Anekdoten aus ihren Kindheitsschätzen zum Besten geben: „An so einem Abend lesen ca. vier bis sechs Personen aus ihren Tagebüchern vor. Jeder bekommt 15 Minuten Zeit, dann darf der nächste vorlesen und die Zuhörer zum Schmunzeln bringen“, erklärt Pietsch.

Susann Peitsch organisiert den 1. Landauer Diary Slam. (Foto: pdp)

Die Idee des Diary Slams stammt aus den USA und wurde von der Hamburgerin und passionierten „Diary Slamerin“ Nadine Wedel nach Deutschland geholt. Was vorgelesen wird, steht jedem Teilnehmer frei. Ratsam sei jedoch, dass ein zeitlicher und damit emotionaler Abstand zu dem Vorgelesenen vorliegt. „Wenn ein Erwachsener von einer tragischen Liebesepisode aus seinem Leben erzählt, die erst zwei Jahre in der Vergangenheit liegt, neigt der Zuhörer eher dazu, sich fremdzuschämen. Und das ist nicht Sinn des Diary Slams. Deswegen sollte man unbedingt Tagebucheinträge auswählen, die schon einige Jahre zurückliegen“, sagt die 48-Jährige.

Wissen Sie noch, in wen Sie mit Zwölf Jahren verliebt waren? Ihr Tagebuch weiß es bestimmt. (Foto: pdp)

Susann Pietsch‘s ersten Tagebucheinträge stammen aus den 80-er Jahren. Ihr pubertierendes Ich erzählt in einem dieser Einträge von einer schlüpfrigen Kellerparty zu Silvester. Oft handeln die Tagebucheinträgen der Diary-Slam-Teilnehmer von dem ersten Verknalltsein, Schulstreichen oder Urlaubserlebnisse – „Beim Diary Slam geht es nicht darum, ein besonders aufregendes oder ungewöhnliches Erlebnis von früher vorzulesen“, erklärt Susann Pietsch. Viel interessanter sei die Sprache, die man als Kind benutzt habe und die im Tagebuch verewigt sei. Die  Gedanken und Sichtweisen des pubertierenden Ichs seien es, die den Zuhörer und einen selbst zum Schmunzeln bringen. „Ich habe als Kind alles ganz genau festgehalten, Kleidungsstücke und Frisuren detailliert beschrieben und ich habe Dialoge mit Freunden eins zu eins niedergeschrieben. Diese Tatsache finde ich höchst interessant. Ich habe die Wirklichkeit mit meiner Sprache festgehalten, so wie andere Menschen dies mit einem Foto tun.

Nadine Wedel bei einem Diary Slam im Hamburger Schanzenviertel. (Foto: privat)

Für die Veranstaltung am 17. November sucht die passionierte Tagebuchschreiberin noch Leser, die lustige, skurrile und vielleicht geheime Erinnerungen aus ihrer Jugend vortragen möchten. (pdp)

Freitag, 17. November, 19 Uhr, KulturCantina Landau, Ostbahnstraße 3B, Eintritt
3 Euro, ermäßigt 2 Euro. Infos und Anmeldung für Vorleser unter info@kulturcantina.de oder bei Susann Pietsch unter susa.pietsch@gmail.com.

Vorheriger Artikel20er Jahre und temperamentvolle Comedy
Nächster ArtikelDie Narren sind los