„Kandel ist mein kleiner Mikrokosmos“

Wahlpfälzer: Matthias Marquardt hat sich bewusst für Kandel entschieden

Matthias Marquardt. (Foto: teu)

Kandel/Hessen. In seiner neuen Serie berichtet das PFALZ-ECHO über waschechte „Wahlpfälzer“: Menschen, die aus den unterschiedlichsten Orten – ob in Deutschland, Frankreich oder Brasilien – kommen und hier in der Südpfalz eine neue Heimat gefunden  haben.

„Ich bin ein waschechter Ossi“, lacht der aus Ludwigslust in Mecklenburg-Vorpommern stammende Matthias Marquardt. „Ich bin 1985 geboren und 1989 über Braunschweig ins Aufnahmelager West nach Gießen gekommen. Schließlich bin ich in Hessen, in Stadtallendorf, gelandet. Ich habe über 20 Jahre in Hessen gelebt und wohne nun seit knapp vier Jahren in Kandel in der Pfalz.

Momentan arbeitet der 31-Jährige als Einzelhandelskaufmann bei Rewe in Karlsruhe. „Ich habe die Gegend hier lieben gelernt. Klimatisch ist es hier ganz anders – die ‚deutsche Toskana‘ eben. Bei meinem ersten Besuch in der Pfalz habe ich eine Pfirsichplantage entdeckt. Mein jetziger Nachbar hat einen Feigenbaum im Garten, ein Bekannter aus Wörth hat Unmengen an Kiwis – das würde alles eingehen in Hessen. Wir haben früher versucht, Tomaten anzupflanzen, das kann man vergessen. Da wachsen nur Kartoffeln – so rau ist das Klima“, schmunzelt Marquardt.

Der Bahnanschluss und die Einkaufsmöglichkeiten vor Ort seien für ihn ein wichtiges Kriterium gewesen, sich für Kandel zu entscheiden. „Ich sage immer: ‚Kandel ist mein kleiner Mikrokosmos!‘ Ich könnte nie direkt in Karlsruhe wohnen. Ich habe meinen Platz in Kandel gefunden und hier meine Kontakte geknüpft. Hier fühle ich mich wohl!“

In der Region habe er auch seine Leidenschaft zum Wandern entdeckt. „Ich mag die gut ausgebaute touristische Infrastruktur.“ Kürzlich wanderte Marquardt auf dem Tabernaemontanus-Weg bei Bad Bergzabern, einem 12,8 Kilometer langer Rundweg über das Kloster Liebfrauenberg. „Da gibt es Orte, die entdeckt man nur, wenn man wandern geht. Auch mit dem Fahrrad bin ich hier sehr gerne unterwegs.“

Die Mentalität der Hessen und der Pfälzer sei auf den ersten Blick sehr ähnlich. „Erst wenn man die Menschen näher kennt, merkt man, dass die Pfälzer etwas offener sind. Hier trinkt man  seinen ‚Schoppe‘, in Hessen eher seinen ‚Äppelwoi‘. Und ich bin eher ein Biertrinker, am liebsten Kristallweizen, das man hier auf den Wanderhütten leider nicht überall bekommt“, schmunzelt Marquardt. Zudem vermisse er seine „Stracke“, eine traditionell hergestellte, luftgetrocknete Wurst, die in einer langen Fermentations- und Reifephase in einer echten Lehmkammer ihren unverwechselbaren Geschmack bekommt. Wegen des weißen Edelschimmels sieht sie aus wie eine italienische Salami. „Und ab und zu eine ‚Herrenwalder Bratwurst‘, mit Kräuter- oder Paprikafüllung, die man gerne im Stadion isst.“ (teu)