Leimersheim. Entlang des Rheins trifft man immer wieder auf Kies – die Region ist quasi „steinreich“. Sei es in Form von Kiesbergen, Kieswerken, Baggerseen oder in anderer Form, beispielsweise Beton. „Warum gibt es gerade in dieser Region Kies? Wie kommt er hierher? Wie bekommt er seine Form und Größe? Seit wann wird Kies hier abgebaut und was wird alles damit gemacht?“, dies sind Fragen, auf die Bernhard Sefrin vom Förderkreis für Heimat- und Brauchtumspflege Leimersheim e. V. im Rahmen der Führung „Kies – die Rolling Stones vom Rhein“ Antworten fand.

Kies ist ein wichtiger Baustoff. (Foto: teu)

Am 14. Juli war es wieder soweit. Morgens um 10 Uhr trafen sich die ca. 60 Teilnehmer auf dem Rastplatz am Ortsausgang Leimersheim Richtung Kuhardt, um gemeinsam das Kieswerk Pfadt „PK-PfalzKies“ in Aktion zu besichtigen. „Kies ist bei uns allgegenwärtig und kaum einer fragt sich, wie er hierherkommt. Daher möchte ich die geologische-erdgeschichtliche Seite der ‚Rolling Stones vom Rhein‘ etwas näher beleuchten“, beginnt Bernhard Sefrin seine Ausführungen. „Warum gibt es in unserer Region Kies? Da ist natürlich der Rhein der Hauptverdächtige“, lacht Sefrin. Durch Erosion aus dem Liefergestein hauptsächlich von den Alpen und den Vogesen gelösten Partikel werden seit Millionen Jahren durch Flüsse und Bäche transportiert, sortiert und wieder abgelagert. Ursprünglich scharfkantige Blöcke werden auf ihrer Reise durch mechanischen Abrieb immer weiter zerkleinert und zu Kies oder Sand gerundet.

(Foto: teu)

„Bei Basel haben die Kieselsteine noch eine Größe von Kinderköpfen, für die Industrie schlecht zu gebrauchen. Ab Straßburg bis in unsere Region haben die Kieselsteine dann eine optimale Korngröße, um industriell verarbeitet werden zu können. Aber der Rhein war nicht immer der Rhein. Er war ursprünglich ein kümmerliches Bächlein, welches im Kaiserstuhl entsprungen ist. Durch tektonische Aktivität haben sich in langen geologischen Zeiträumen die Alpen aufgefaltet, dass Alpenrhein und Aare nun den Rhein mit Wasser versorgten. Seine mächtigen Fluten schleppten Steinbrocken mit, rollten sie übereinander, zerkleinerten, zerrieben sie und formten sie zu dem, was wir heute als Kies hier vorfinden“, erklärt Sefrin.

Als Rohstoff gewann der Rheinkies erst im 20. Jahrhundert an Bedeutung. Mit Kieskratzen und Schleppkörben wurde er zunächst oberflächennah abgebaut. „Mit dem Bau von Autobahnen und Westwall kam es in Deutschland zu einem ersten Kiesboom: 120 Millionen Tonnen Kies wurde pro Jahr gefördert und in der Wiederaufbauphase nach dem Krieg wurde Beton – und damit Kies – zu einem allgemein genutzten Rohstoff mit bis zu 500 Millionen Tonnen Förderung im Jahr 1972“, ergänzt der Experte.

Martin Pfadt, Bernhard Sefrin, Max Pfadt und Volker Pfadt (von links). (Foto: privat)

Die technische Seite der Führung übernahmen die Brüder Martin und Volker Pfadt, die Inhaber des Kieswerks Pfadt „PK-PfalzKies“. in der vierten Generation sowie Max Pfadt, der die fünfte Generation einläutet. Die Teilnehmer der Kiesführung konnten die Anlage im laufenden Betrieb besichtigen und den Eigentümern Fragen stellen. Generell erfolgt die Förderung des Baustoffes Kies in Deutschland, der neben Sand der wichtigste Massenrohstoff ist, in Kiestagebauen, Kiesgruben oder Baggerseen. Die dort gewonnenen Gemische aus verschiedenen Korngrößen werden in Aufbereitungsanlagen gewaschen und getrennt. Die Teilnehmer der Führung live miterleben, wie der Kies auf den Förderbändern ankommt, vorgereinigt wird und die Sortieranlage passiert. Dort fällt er seiner Korngröße entsprechend durch unterschiedlich große Siebe, um schließlich wieder über Förderbänder transportiert, auf verschiedene Kieshaufen sortiert wird.

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