Als im letzten Jahr die erste Staffel von „Sing meinen Song – das Tauschkonzert“ auf VOX lief, war er noch der Unbekannte – der Geheimtipp – unter den Teilnehmern. Sasha, Sarah Connor, Xavier Naidoo – sie alle hatten bereits einen großen Namen. Gregor Meyle musste sich den erst (wieder) erarbeiten. Und das hat er sehr erfolgreich geschafft. 2007 nahm der Schwabe am Casting von Stefan Raab teil und wurde Zweiter, hinter Stefanie Heinzmann. Mit eigenen deutschen Songs konnte der Musiker schon damals das Publikum begeistern. Aber der erste Hype war nach einigen Monaten vorbei. Meyle ließ sich dennoch nicht verbiegen und blieb trotz großer Zweifel am Ball. Seine Musik ist immer noch die gleiche: ruhig, melancholisch, mit mitreißenden Texten, die manchmal zu Tränen rühren und oft ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Heute sind alle Zweifel verflogen, der Erfolg hält an, seine Konzerte sind ausgebucht und vor wenigen Tagen startete sogar sein eigenes TV-Format „Meylensteine“ bei VOX. Anfang Mai war Gregor Meyle in in Pirmasens zu Gast und Anne Herder vom PFALZ-ECHO traf sich mit ihm zum interview.

Du hast mit vier Jahren schon deine erste Gitarre bekommen. Ist das richtig?

Gregor Meyle: Die habe ich mir sogar selbst gebastelt. Die erste „echte“ bekam ich mit sechs Jahren. Es gibt noch Fotos, wo meine Brüder um mich rum stehen und ich meine Gitarre in der Hand habe. Da war ich vielleicht drei. Es war wirklich schon immer mein Traum, Gitarre zu spielen!

Und du wusstest schon so früh, dass Musik dein Leben ist?

Gregor Meyle: Meine Eltern sind im Sommer immer mit uns in ein altes Hotel in die Schweiz gefahren. Bis ich 13, 14 war, waren wir Kiddies immer dabei – danach war es natürlich zu langweilig für uns (schmunzelt). Das Hotel ist eine Begegnungsstätte, wo Familien aus ärmeren Ländern auf Familien aus reicheren Ländern treffen, die sie dann mit Spenden unterstützen. Wir mussten immer mithelfen, Wäsche waschen und solche Sachen. Es war ein großes Hotel mit 600 Zimmern und einem riesigen Konzertsaal mit Klavier und Flügel. Das hat mich sehr geprägt, weil ich da mit vier Jahren in einem Mauskostüm auf der Bühne stand und die ganzen Leute bei meinem Auftritt mitgeklatscht haben. Dieses Kribbeln, wenn man auf der Bühne steht und einen die Leute anschauen und mitmachen – das habe ich nie vergessen.

Das war also ein Schlüsselmoment für deine Karriere als Musiker?

Gregor Meyle: Ja, schon. Aber letztlich habe ich ja zunächst trotzdem einen anderen Weg gewählt. Bis ich 27 war, habe ich hinter den Kulissen gearbeitet. Ich habe die Bühnen aufgebaut und die Technik gemacht. Ich wollte auch nie Musik studieren, weil mir das zu langweilig war. Außerdem bin ich in der Theorie ganz schlecht, das wollte nie in meinen Kopf. Ich wollte immer einfach Musik machen und das hat gut geklappt.

Aber Bands hattest du zumindest nebenher schon immer?

Gregor Meyle: Ja, ich hatte meine eigenen Bands und ich habe auch immer Songs geschrieben. Mit sieben bin ich zu meinem Vater gerannt und habe ihm mein erstes Lied vorgespielt (grinst). Und mit zehn, elf, entstanden dann die ersten vernünftigen Songs. Mit 14 oder 15 war ich zum ersten Mal verknallt und habe dazu natürlich auch Songs zu diesem Thema geschrieben und eine Kassette aufgenommen.

Da konntest du dann die eigenen Gefühle einbringen…

Gregor Meyle: Es war Liebe – das war der Titel meines ersten richtigen Songs. Die Frau gibt es noch – sie hat bestimmt geheiratet und drei Kinder. Aber halt nicht mit mir (lacht).

Wie ist es denn, wenn man dann den Durchbruch geschafft hat und man sich zum ersten Mal im Radio zu hören?

Gregor Meyle: Wenn ich ganz ehrlich bin: Ich habe mich in meinen ganzen Leben nur ein oder zweimal im Radio gehört. Ich werde nur ganz selten im Radio gespielt – ich weiß auch nicht genau, woran das liegt. Außerdem höre ich selbst selten Radio, weil halt 50 mal am Tag das selbe kommt. Wenn man nach Holland, Polen oder Italien fährt, läuft da ein ganz anderes Programm!

Gab es ein besonders prägendes Erlebnis?

Gregor Meyle: Das Beeindruckendste für mich war: Ich hab den Song „So soll es sein“ geschrieben – nachts ist mir die Melodie eingefallen und ich dachte mir, das ist die perfekte Melodie für jemanden, der bei TV total die Treppe runterläuft. Und ganz viele Jahre später sitz‘ ich hinter der Bühne beim Raab und da höre ich das Lied! Das war ein ganz intimes Erlebnis! Oder im Baumarkt: ich wollte eine Bohrmaschine kaufen und plötzlich lief ein Song von mir. Das ist krass.

Deine Karriere war ja nie gradlinig und du hast auch einige „Durchhänger“ hinter dir. Gibt es denn für einen Musiker einen Punkt, an dem er sagen kann „Ja, jetzt hab ich es geschafft, jetzt kann ich mich ausruhen?“

Gregor Meyle: Du musst dir das vorstellen, als ob ich Landwirt wäre: Man sät was, das wächst dann und man schaut beim Wachsen zu und dann hofft man, dass kein Hagel kommt… Man überlegt, wann man die Ernte reinholt. Und jetzt ist grad die Situation, wo wir mit drei Mähdreschern auf dem Feld stehen und beten, dass kein Unwetter kommt! Da steckt so viel Arbeit drin. Und wenn alles eingefahren ist, dann hofft man, dass im Lager alles gut geht, aber der Bauer macht ja dann weiter! Und im Leben eines Bauers gibt es auch oft Hagel. Und so ist es mit der Musik: Seit 2007 mach‘ ich das hauptberuflich und nach dem ersten Hype habe ich schon überlegt, ob ich weitermachen kann. Ich habe mit meiner Freundin in einer WG gewohnt, um die Miete zu sparen und ich habe sogar auf der Straße gespielt, um Geld zu verdienen. Am Ende war ich kurz davor, bei meiner alten Firma als Tontechniker wieder anzufangen. Aber mein alter Chef hat an mich geglaubt und meine Schulden erst mal beglichen, so dass ich das langsam wieder abstottern konnte – und vor zwei Jahren kam der Anruf von Xavier Naidoo für „Sing meinen Song“ – eine Chance wie auf einem silbernen Tablett. Ich habe nichts anders gemacht, aber man hat meine Musik plötzlich wahrgenommen.

Wie ist Xavier Naidoo denn auf dich aufmerksam geworden?

Gregor Meyle: Das ist eine sehr schöne Geschichte: Wir haben in der Bullerei gespielt, das ist Mälzers Restaurant in Hamburg. Der macht Charity-Konzerte. Und die Söhne Mannheims waren damals zum Essen da. Sie wollten an dem Abend noch zwei drei Lieder mit uns spielen und danach kam Xavier auf mich zu. Daraus entstanden zunächst einige Projekte und er hat mir damals versprochen, er gebe mir die Chance, wenn er die Möglichkeit sieht.  Und so war es dann!

Und jetzt machst du sogar eine neue ganz eigene Sendung.

Gregor Meyle: Ja, „Meylensteine“. VOX hat mich direkt letztes Jahr in Südafrika gefragt, ob ich nicht Lust hätte, so was zu machen. Ich selbst schaue ja nicht viel Fernsehen, aber ich konnte mir das gut vorstellen. Wir haben das Konzept gemeinsam entwickelt: Wir touren in einem VW-Bus – der ist das selbe Baujahr wie ich – durch die Gegend und besuchen tolle Künstler, mit jammen mit ihnen und erzählen über deren Leben… Wir waren zum Beispiel bei Stefanie Heinzmann in der Schweiz. Das Format hat Pep, ist aber eine ganz ruhige Sache. Es ist quasi wie wenn man Freunde besucht und es steckt viel Seele und natürlich auch viel Arbeit drin. Es war sehr wichtig für mich, dass es mir auch selbst gefällt. Nur dann kann man es auch verkaufen.

Deine Songs sind meist eher ruhig und melancholisch. Kann man von der Musik, die du machst, auch auf deine Persönlichkeit schließen?

Gregor Meyle: Ich bin total entspannt, manchmal nachdenklich… ich liebe es aber auch, vor Publikum zu spielen und zu unterhalten. Du musst den Leuten die Möglichkeit geben, dich im Wohnzimmer zu beobachten. Und die Bühne ist mein Wohnzimmer. Es gibt Menschen, die möchten unterhalten werden und wollen keinen Blick ins Wohnzimmer und andere finden gerade das gut. Man muss deswegen die Mischung finden. Man muss dem Publikum einen schönen Abend bringen. Das ist einfach unser Job!

Wie schaffst du es, deinen Fans immer das zu geben, was sie sich wünschen?

Gregor Meyle: Als Musiker muss man einfach fit bleiben, um das zu leisten. Klar trinken wir auch mal ein Feierabendbier, aber wir sind nicht so die typischen Rock’n’Roller: Wir haben Hausschuhe im Tourbus und eine Kaffeemaschine und wir versuchen alles, um gesund zu bleiben! Da muss man halt auf sich aufpassen – ich habe in acht Jahren noch nie ein Konzert absagen müssen. Man muss das mögen. Leute wie Amy Winehouse standen dagegen nie gern auf der Bühne. Die hat sicher gerne Musik gemacht, aber sie fand die Bühne nicht gut. Ich liebe meinen Job aber und gebe deswegen auch alles. Und ich glaube, das ist langfristig das, wovon man leben kann. Viele von den Großen – Ed Sheeran, Ray Garvey und Co. – haben auf der Straße angefangen. Dort lernt man am meisten. Da sieht man direkt, wie die Leute reagieren, da hat man den direkten Kontakt! Und manchmal hat man damit halt auch einfach Glück.