Liebe im Laufe der Jahre

Mahlzeit! Die PFALZ-ECHO-Mittagspausen-Kolumne

Muss Liebe schön sein! (Foto: yv)

„Und von euch will mich wirklich keine auf den Termin begleiten?“, fragt Günther zum wiederholten Mal. Einer seiner Kunden hat ihn und eine Begleitung zum Essen eingeladen – und nachdem seine Frau ihrer Nachbarin schon versprochen hatte, auf die kleine Geneviève aufzupassen, sucht er nun nach einer neuen Dame an seiner Seite.

„Im Leben nicht!“, grinst Elli. „Ich helf dir immer gern, Günni. Aber heute geht das nicht. Wir haben Jahrestag.“ „Wer hat Jahrestag?“, fragt Herr Schmidt, der mit einem neuen Glas Gewürzgurken den Pausenraum betritt. „Mein Mann und ich. Inzwischen sind wir 15 Jahre zusammen… Ja, und ich werde heute dekadent zum Essen ausgeführt. Und wer weiß, was mich noch alles Schönes erwartet…“

„Katzenbabys, Katzenbabys, Katzenbabys!“, murmelt Paula, die versucht, die Bilder aus ihrem Kopf zu vertreiben. „Ihr feiert so nen Quatsch echt?“ „Äh, ja!“ Elli sieht ihre Kollegin irritiert an. „Ihr nicht?“ „Um Gottes Willen, nein!“, entgegnet Paula. „Bleib mir weg mit so nem Mist. Hochzeitstag, Jahrestag, Valentinstag – das sind letztlich doch nur Marketingkampagnen!“

Lautes Klatschen erfüllt den Pausenraum. Es kommt von Günther und Herrn Schmidt. Standing ovations. Es scheint, als teilten sie Paulas Meinung. „Ist ja klar, dass ihr zwei das so seht!“, unkt Elli. „Aber ihr müsst zugeben, dass es von Leidenschaft und Hingabe zeugt!“ Herr Schmidt hebt die Augenbrauen. „Wenn ein vollkommen überteuerter Blumenstrauß deine Definition von Leidenschaft und Hingabe ist, frage ich mich, wie du eine Tochter kriegen konntest.“

„Erinnert ihr euch an den Valentinstag, als einer der Ehemänner Blumen ins Büro hat liefern lassen?“, fragt Elli nach und alle nicken. „Tja, und da haben auch alle ‚Ohhhhh‘ und ‚Ahhhhh‘ gemacht! Insgeheim findet ihr sowas nämlich auch gut!“, trumpft sie auf. „Na ja… um deine Erinnerung aufzufrischen: Unsere Beschenkte war damals vier Wochen mit ihrem Liebsten zusammen! Da ist der Himmel voller Geigen, man hat ne rosarote Brille auf und schwebt auf Wolke sieben durchs Leben. Das ist… wie ne Erkältung. Das geht rum“, erklärt Paula fachmännisch.

„Willst du mir ernsthaft sagen, dass du keine Blumen willst?“, fragt Elli entsetzt nach. „Ach“, zuckt Paula mit den Schultern. „Ich halte es da wie eine beste Freundin: Blumen sind nett, aber Schmuck hält länger.“ „Was schenkt ihr euch denn so innerhalb der Beziehung?“, wendet sich Elli verzweifelt an Günther und Herrn Schmidt. „Ich wische die Fenster!“, erklärt Günther pflichtbewusst, aber Elli rümpft die Nase: „Wie unromantisch.“

„Hey, ich hab ihr den romantischsten Hochzeitantrag ihres Lebens gemacht!“, verteidigt sich Günther. „Und den einzigen…“, streut Herr Schmidt grinsend ein. „Elli, wart mal ab, bis du so lange verheiratet bist wie Günther und ich. Und wenn du dann Fensterputzen immer noch blöd findest, diskutieren wir neu!“

„Pah! Ich bin eine Romantikerin und werde das immer bleiben.“ „Ja, ja, ist ja gut. Aber wenn ihr das schon so schön feiert…“, beginnt Paula, „dann vergiss nicht, morgen Kuchen für uns mitzubringen. Das gehört sich so nach ner schönen Feier!“ Elli kommentiert das teuflische Grinsen der Kollegen nur noch mit einem Schnauben – und schreibt ihrem Mann eine Nachricht, dass er Brezeln für die Kollegen bestellt…

Denn wenn man sich im PFALZ-ECHO bei einer Sache einig ist, dann bei dieser: Liebe geht durch den Magen.