Low Carb, Paleo und Co.

Mahlzeit! Die Pfalz-Echo-Mittagspausen-Kolumne

Leckeres (!) Sushi mit Qigong – oder so. (Foto: yv)

„Du isst wieder Kohlenhydrate?“, fragt Paula neugierig, als Elli in der Mittagspause ihre Tupper-Schüssel mit zwei großen Sushi-Rollen auspackt.
„Jein“, antwortet Elli, die in den letzten Tagen gesunde Ernährung auf die Spitze getrieben hat. Auf ihrem Teller war tagelang Hüttenkäse zu sehen. Oder Gemüsesuppe – natürlich vollkommen ohne Salz. Und ohne Geschmack, wie die Kollegen bemerkten.
„Dein Sushi sieht kaputt aus!“, befindet Günther, der sich die ersten Häppchen genauer unter die Lupe nimmt. „Ich glaube, der Reis ist nicht mehr gut. Der sieht echt komisch aus.“
„Das liegt daran, dass der Reis eigentlich Quinoa ist“, belehrt Elli und sieht in Herrn Schmidts verwirrtes Gesicht. „Ist das nicht eine japanische Heilmethode?“, fragt er verwirrt nach.
„Nein“, erklärt Elli untypisch geduldig. „Du meinst Qigong. Das Meditationszeug.“
„Hm“, nickt Herr Schmidt. „Und du bist jetzt weg von der Low Carb-Geschichte?“ Mit Ellis Ansage, Kohlenhydrate konsequent aus ihrem Tagesplan zu streichen, konnte sich Herr Schmidt schnell arrangieren. Denn entgegen landläufiger Meinung ist unser Chef ein Genießer und verzichtet deutlich lieber auf Pommes als auf ein gutes Rumpsteak.
„Es war No Carb – mit einem Touch Paleo“, korrigiert Elli jedoch schmunzelnd.
„Mit Palmoliv? Und das schmeckt?!“, fragt Günther angewidert nach.
„Paleo.“ Man merkt am Tonfall, dass die Geduld von Elli langsam leidet.
„Der Begriff Paleo ist die Kurzform für den Zeitraum des Paläolithikums, der Altsteinzeit. Auch Steinzeitdiät genannt. Man orientiert sich an der ursprünglichen Ernährung der Jäger und Sammler, ahmt diese mit den heute verfügbaren Lebensmitteln nach und setzt einen verstärkten Fokus auf hohe Lebensmittelqualität und Nachhaltigkeit“, zitiert Paula die Internetseite, die sie selbst zu diesem Thema erleuchtet hatte.
„Ah ja.“ Günther runzelt die Stirn. „Entschuldige, das mag ja alles gesund sein und irgendwie auch der Sommerfigur zuträglich sein – aber irgendwie sieht dein Sushi mit dem Qigong-Palmoliv-Zeug trotzdem komisch aus.“
Elli reibt sich die Stirn und seufzt. Es bleibt ein Argument, mit dem sie – ganz ohne jeden Zweifel – die Kollegen auf ihre Seite ziehen kann: „Wisst ihr, bei meiner Qigong-Palmoliv-Geschichte sind natürlich auch Schokolade und Gummibärchen verboten. Ich werde heute Abend mal unseren Süßigkeitenschrank plündern und euch alles mitbringen!“
„Es lebe Paleo! Wie gut, dass die Steinzeitmenschen noch keine Weingummis kannten!“, freut sich Günther.