Mit den Rätscherbuwe on Tour

Rätschen, Garren, Klappern – ein lautstarker Brauch in der Karwoche

Jockgrim. Zum Ende der Karwoche halten zahlreiche Gemeinden in der Pfalz einen Osterbrauch in Ehren, der je nach Ort unterschiedlich benannt wird: Garren heißt es auf dem Textblatt in Eschbach, Gerren steht im Pfarrbrief für Schaidt, Rätschen sagt man in Jockgrim (Foto) und Klappern in Ottersheim.

Gemeinsamer Bezugspunkt dieser lautmalenden Ausdrücke sind die hölzernen Lärmgeräte, mit denen Messdiener und andere junge Leute durch die Orte ziehen. Das hat mit der Osterliturgie zu tun. Vom Gloria beim Abendmahlgottesdienst an Gründonnerstag bis zum Gloria bei der Feier der Osternacht am Karsamstag schweigen die Glocken an vielen katholischen Kirchen. Es ist die Phase vor der Auferstehung, in der Leiden und Tod Jesu vergegenwärtigt werden. Damit die Gläubigen auch ohne Glockenläuten auf die Gottesdienst- und Gebetszeiten aufmerksam werden, kommen die Rätschen zum Einsatz. Früher hatte das durchaus praktische Bedeutung. Inzwischen sind viele Orte derart gewachsen, dass eine systematische Handbeschallung personell kaum noch zu stemmen ist. Heute wird selbst im katholisch geprägten Großdorf Herxheim nicht mehr geratscht, dagegen noch im kleineren Ottersheim.

Christa Wilhelm M.A., Landau, erinnert sich: „Ich stamme aus Schifferstadt, und damals (vor 65 Jahren) sagte man bei uns: Die Klapperbuwe kummen. Bereits morgens um 5 Uhr liefen sie durch die Straßen und sangen: Es läutet Ave Maria, Ave Maria, im Namen Jesu Christi steht auf, steht auf! Und am Karsamstag gingen sie rum und sammelten, was die Leute ihnen zum Dank gaben.“

So ähnlich läuft es heute noch in Jockgrim ab. Seit Mitte März haben hier ca. 20 Jungen und Mädchen samstags geprobt. „Das Rätschen ist Übungssache. Die meisten, die mitmachen, haben schon einmal gerätscht, aber es gibt auch Neue, die es erlernen müssen“, sagt Gruppenleiter Robin Neumann.

Bei den Schlagrätschen, die in Jockgrim dominieren, schwingen Klöppel hin und her. Für Jüngere gibt es kleine Modelle, für Ältere recht große und schwere. Einige haben auch Kurbelrätschen. Es ist gar nicht so einfach, während des Laufens den gemeinsamen Takt zu halten und dabei noch Texte und Lieder vorzutragen. In Jockgrim wird alle sechs Stunden gerätscht, auch um Mitternacht und morgens um 6 Uhr. Start ist im Hinterstädtel an der Dionysius-Kirche. Von dort aus verteilen sich dann die Gruppen auf ihre Gebiete. „Nachts um Zwölf laufe ich mit“, sagt Andrea Schwab, die durch ihre Kinder involviert ist. „Manche, die die Tradition nicht kannten, haben das schon als Ruhestörung aufgefasst. Da ist es gut, wenn ein Erwachsener dabei ist.“

In Eschbach kommen vor allem Drehrätschen zum Einsatz, die der örtliche Schreiner Adolf Flory noch herstellt: Ein Zahnrad spannt elastische Holzzungen, die beim Zurückschlagen ein prasselndes Geräusch ergeben. Drehrätschen sind einfach zu handhaben, deshalb brauchen die Eschbacher nicht zu proben. „Als ich früher Messdiener war, haben wir die auch schon gehabt“, sagt Betreuer Jobst Hauck.

Die Klapperbuben und längst auch Klappermädchen müssen sehr früh aufstehen. Ähnlich wie beim Sternsingen machen in Eschbach auch nichtkatholische Jugendliche gerne mit.  Zum Osterbrauch gehören – je nach Uhrzeit – verschiedene Sprechverse, die im Takt zum Ratschen gesprochen oder gesungen werden. Welche genau, ist von Ort zu Ort verschieden.

Karsamstags wird gesammelt, dafür haben die Rätscher einen extra Spruch. „Die meisten sind sehr freundlich und geben uns Geld, Süßigkeiten oder Ostereier“, sagt Anna Wind, Eschbach. „Das Geld kommt in die Messdienerkasse für unseren Ausflug. Nichtmessdiener bekommen ihren Anteil ausgehändigt.“

Das Ratschen in der Karwoche wurde 2015 von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe in Österreich anerkannt. (ebl/Fotos: ebl)