Der Herxheimer Michael Bauer liebt das Spiel mit der Sprache. (Foto: tom)
von Thomas Heupel

Herxheim. In Kaiserslautern geboren, im Alter von 18 Jahren der Umzug nach Mainz und nun seit 20 Jahren in Herxheim zuhause: Michael Bauer ist Journalist, Autor und vor allem Pfälzer Mundartdichter.

Nach seiner Schulzeit und dem Abitur studierte er in Mainz Literaturwissenschaften. Im Anschluss machte er sein Staatsexamen in Deutsch und Geschichte und war zwei Jahre als Liedermacher auf verschiedenen Kleinkunstbühnen in ganz Deutschland zu sehen, bevor er eine Lehre als Buchhändler anschloss.

Nach einigen Jahren, in denen er den erlernten Beruf ausübte, ergriff er die ihm gebotene Möglichkeit und wechselte zum damaligen Radiosender SWF, heute SWR. Dort arbeitete er unter anderem als Redakteur sowie als Kulturjournalist bei SWF 2 und SWF 4. Auch beim SWF- und SDR- Fernsehen war er als Redakteur tätig und schrieb zu dieser Zeit schon Glossen und Hörspiele.

Die Leidenschaft zum Schreiben entdeckte er früh. Bereits mit zwölf Jahren schrieb er kleine Theaterstücke, die an seiner Schule aufgeführt wurden. Während seiner Studienzeit beschäftigte sich Michael Bauer intensiv mit der Lyrik und textete viele Verse. Inspiriert durch Hugo Ball – einem der Pioniere der Lautpoesie – hat er sich viel mit experimenteller Lyrik befasst. Sprachexperimente interessierten ihn schon immer, so gefällt im die Vermischung von Mundart, Hochsprache oder Fremdsprache.

Sprachkünstler mit klaren Werten

Er wolle, so Michael Bauer beim Gespräch mit dem PFALZ-ECHO, mit der Sprache „Ferz“, also, Unfug veranstalten. Was ihn ebenfalls reizt, ist mit kleinen Versen etwas Bestimmtes auszudrücken. Er sei ein Freund der Wortspielerei.

Sein neues Buch „Seeleschokolad“ ist in den Buchhandlungen erhältlich. (Foto: privat)

Auch mit der Literatur der Nazi-Zeit hat er sich intensiv auseinandergesetzt und wollte wissen, welche Ideologie sich dahinter verbirgt. Für sein mundartliches Gesamtwerk bekam er 1991 in Bockenheim einen Preis verliehen, den er – nachdem er erfuhr, dass der Namensgeber des Preises ein ehemaliger NSDAP-Funktionär war – mitsamt dem Preisgeld zurück gab. Binnen kurzer Zeit verschwand der Preis bei den Mundartauszeichnungen in Bockenheim.

Einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde Bauer 1980, mit seinem Mundartgedicht „Do de Dom“. Ein großer Erfolg war seine Bücherreihe, „De klääne Pälzer“ mit Zeichnungen des Künstlers Xaver Mayer. Auszüge aus den Büchern wurden immer wieder in verschiedenen Zeitungen und im Rundfunk präsentiert. Ein weiteres Werk seiner insgesamt 15 Publikationen ist das Buch „Winzlyrik“, in dem er liebevoll und manchmal ironisch seine Sicht auf das Pfälzertum präsentiert.

Sein aktuelles Buch trägt den Namen „Seeleschokolad“. Was ist ein Liebesgedicht? Ein Reimgesäusel, das den Zweck hat, das Objekt des Begehrens buchstäblich zu bezirzen? Diese Frage stellt der Autor gleich auf der ersten Seite des Büchleins und beantwortet sie klar mit „Ja“. Und so geht es bei den Versen um die Liebe an sich, um Heimatliebe, Liebeskummer, die Liebe zu Gott und vieles mehr rund um das schönste Thema der Welt. Mit verschiedenen Lesungen unter anderem in Wien, Weimar oder Köln fand der Autor auch überregional Anerkennung.

Zusammen mit den beiden Musikern Hans Reffert und Wolfgang Schuster arbeitet Michael Bauer aktuell an dem Musikprojekt „Weltunnergangsblues“, einer Mischung aus Sprechtiraden und Musik. Die Veröffentlichung der CD steht kurz bevor. Am 12. Juni, ab 22 Uhr, präsentiert die Gruppe den „Weltunnergangsblues“ beim Speyerer Kulturbeutel auf einer kleinen Zeltbühne im Domgarten.

Im kommenden Herbst stehen für Bauer Lesungen in Mannheim, Heidelberg, Frankenthal, Schifferstadt, Speyer und Kaiserslautern an. Bei einem Theaterstück, das im Herbst im Herxheimer Chawwerusch aufgeführt wird, den Namen „Braun werden“ trägt und als Zielgruppe Jugendliche ansprechen soll, ist er für die Dramaturgie verantwortlich.

Der Tausendsassa hat also noch einiges vor und wird sicher wieder von sich hören lassen…