Neue Chancen für das Gemeindeleben zu Corona-Zeiten

Die neue Realität der Kirchen in der Verbandsgemeinde Kandel

Unterschiedliche Online-Angebote, wie Podcasts, Video-Ansprachen und Online-Ansprachen helfen in Zeiten des Kontaktverbots, den Kontakt zu den Gemeindemitgliedern aufrecht zu erhalten. (Foto: Freepik)
Unterschiedliche Online-Angebote, wie Podcasts, Video-Ansprachen und Online-Ansprachen helfen in Zeiten des Kontaktverbots, den Kontakt zu den Gemeindemitgliedern aufrecht zu erhalten. (Foto: Freepik)

Kandel. Gottesdienste wurden abgesagt, Kirchen geschlossen: Durch das Coronavirus ist auch das kirchliche Leben zum Erliegen gekommen. Wie ging es während und nach dem Lockdown weiter? Und wie haben die Gläubigen darauf reagiert? 

Als im März die Kirchen geschlossen werden mussten, standen auch die Verantwortlichen der lokalen Kirchen und Gemeinden fassungslos vor einer neuen Realität: Kirche lebt von Begegnung und Nähe zu den Menschen, die plötzlich so nicht mehr möglich war. Wie konnte man angesichts der Kontaktverbote trotzdem nah und helfend bei den Menschen sein?

Nach einer anfänglichen Hilflosigkeit entstanden bald neue Wege, um den Kontakt zu den Gemeindegliedern und Hilfesuchenden herzustellen. Wem die technischen Mittel zur Verfügung standen, der konnte auf Online-Angebot wie Podcasts und kurze Videoansprachen zugreifen oder sich über WhatsApp tägliche Impulse zusenden lassen. Über Telefonanrufe, Sprechstunden und einen „Sonntagsbrief“, der beispielsweise an Kirchen auslag, wurde zu vielen älteren Menschen der Kontakt gehalten.

Das kirchliche Leben hat sich durch die Pandemie verändert

Wie in vielen anderen Lebensbereichen auch, reagierten die meisten Kirchgänger geduldig und mit Akzeptanz für die geltenden Maßnahmen. Wenn auch zunächst zögerlich, war die Freude der Gläubigen groß, nachdem im Mai erste Lockerungen in Kraft traten. Mittlerweile ist eine neue Normalität eingetreten: Markierte Sitzplätze mit ausreichend Abstand und das Tragen einer Alltagsmaske, die am Platz abgenommen werden darf, sind ein gewohntes Bild im sonntäglichen Kirchgang geworden. Besondere Gottesdienste, regelmäßige Kleingruppen und auch das Abendmahl können jedoch noch immer nicht in gewohnter Form und nur sehr eingeschränkt stattfinden. 

Das kirchliche Leben hat sich so oder so durch die Corona-Pandemie verändert. „In welcher Form, lässt sich derzeit noch nicht absehen. Das wird sich erst später zeigen“, so Dr. Arne Dembek, geschäftsführender Pfarrer der protestantischen Kirchengemeinde Kandel. Die kommenden Monate werden sowohl den Pfarrern wie auch den Gläubigen weiterhin einiges abverlangen. Doch in dem erzwungenen Abweichen von vertrauten Abläufen entstanden auch neue Chancen: „Vieles hat sich ins Kleine verlagert – und gewinnt dadurch neu an Bedeutung“, so Pfarrerin Elke Maicher aus Erlenbach. Bisher gewohnte Rituale und Amtshandlungen werden neu gedacht und kreative Formen einer angemessenen Umsetzung gefunden, wie das Beispiel einer Konfirmation auf dem Sportplatz zeigt.

Auch wenn das Coronavirus viele Einschränkungen im kirchlichen Leben mit sich brachte, zeigen die lokalen Gemeinden vor Ort, wie Glaube auch in Krisenzeiten ohne Ansteckungsgefahr gelebt und praktiziert werden kann. (msc)