Deutsche Weinstraße. Entlang der Deutschen Weinstraße ist so einiges los. Das ganze Jahr über lockt die Region Touristen zu ihren zahlreichen Veranstaltungen und beeindruckt mit ihren wundervollen Naturschauspielen wie der Mandelblüte im Frühjahr oder der Zeit der Weinlese im Herbst, wenn sich die Reben unter der Last der reifen Trauben biegen. Das, was die Touristen so schätzen, lieben die Einheimischen umso mehr. Nun soll die Deutsche Weinstraße ihr eigenes Qualitätssiegel erhalten – als nachhaltiges Reiseziel und als ein Fleckchen Erde, das sich in 100 Jahren noch genauso attraktiv präsentiert wie heute.

„In den Medien und der Öffentlichkeit werden die Themen Klimaschutz, CO2-Einsparung und auch das Insektensterben sehr intensiv diskutiert“, betont Landrat Dietmar Seefeldt die Bedeutung des Themas Nachhaltigkeit im Rahmen eines Pressegesprächs. „Dass Handlungsbedarf besteht, ist keine Frage. Die Protestbewegung Fridays for Future ist nur ein Beispiel, das zeigt, dass ein Ruck durch die Gesellschaft geht. In Zukunft wird es auch für potentielle Urlaubsgäste zunehmend wichtiger zu wissen, wie ökonomisch, ökologisch und sozialverträglich die Region ist, in der der nächste Urlaub geplant ist“, so Dietmar Seefeld weiter.

Seefeld, sein Landratskollege Hans-Ulrich Ihlenfeld (Kreis Bad Dürkheim) sowie die beiden Vereine Deutsche Weinstraße e. V. – Mittelhaardt- und Südliche Weinstraße e. V. – hatten zu dem Pressetermin geladen. Im Rahmen eines zunächst auf drei Jahre angelegten mehrstufigen Prozesses wird gemeinsam angestrebt, das Zertifikat „Nachhaltiges Reiseziel“ für die Region Deutsche Weinstraße zu erhalten. Doch dieses Bestreben kann nur Früchte tragen, wenn alle an einem Strang ziehen, Partner aus Hotellerie, Gastronomie, Landwirtschaft und weiteren Bereichen der touristischen Servicekette eingeschlossen.

Nicht ohne Grund haben die Initiatoren des Projekts das Wein- und Sektgut Wilhelmshof in Siebeldingen zur Vorstellung der Zertifizierung auserkoren. Ökologisches Denken zieht sich wie ein roter Faden durch die Arbeit von Familie Roth und Ochocki, den Eigentümern des Wilhlemshofs. Ein Beispiel für nachhaltiges Wirtschaften ist die Verwendung von 0,2 Millimeter starken papierummantelten Draht beim Rebenanbinden. Der Draht ist, im Herbst verbunden, bis zum nächsten Frühjahr weitgehend verrottet. Ein weiteres Qualitätsmerkmal ist die Traubenernte per Hand – ein Vollernter würde in einer Stunde ca. 120 Mitarbeiter ersetzen.

Weinlandschaft bei Forst.
(Foto: kgp.de)

Besonders stolz ist Senior-Chef Herbert Roth auf die immensen Einsparungen der Heiz- und Energiekosten. Durch das Verbrennen von Rebholz im Winter konnte der Heizölverbrauch um 70 Prozent reduziert werden. „Nachhaltiges Wirtschaften ist ein langwieriger Prozess, der nicht von heute auf morgen abgeschlossen und keinesfalls mit einer Führerscheinprüfung vergleichbar ist“, weiß Herbert Roth, der das Thema Nachhaltigkeit als sein Hobby bezeichnet.

„Mittlerweile machen sich die Menschen in unserer Republik auch Gedanken darüber, ob das gewählte Urlaubsziel zum eigenen Umweltgewissen passt“, ist auch Torsten Blank, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Landau-Land, überzeugt von der Wichtigkeit des Projekts und betont: „Ein Weihnachts-Shopping in New York für zwei Tage passt nicht mehr in unsere Zeit. An der Deutschen Weinstraße gibt es gerade in der Weihnachtszeit schöne Veranstaltungen, die denen in den anderen Metropolen dieser Welt in nichts nachstehen.“ (pdp)

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