Landau. Die schwäbischen Schauspieler Albin Braig und Karlheinz Hartmann, besser bekannt als „Hannes und der Bürgermeister“, präsentierten am 8. und 9. Juni ihr neuestes Programm „Glaub jo net wer du bisch“ in der Jugendstil-Festhalle. Für Regina Teutschländer vom PFALZ-ECHO nahm sich das Duo vor seinem Auftritt Zeit für ein Interview.

Seit der Uraufführung von „Hannes und der Bürgermeister“ 1985 in der Komede-Scheuer Mäulesmühle stehen Sie gemeinsam auf der Bühne, Sie kennen sich bereits seit Ihrer Schulzeit. Welche Macken und Eigenarten des Anderen haben Sie schätzen gelernt?

Albin Braig: Da wir eigentlich nur Macken und Eigenarten haben, schätzen wir alles an uns.

Karlheinz Hartmann: Ja, kann man schon so sagen.

Sie sind ja die einzigen, die Frau Kurrle schon zu sehen bekamen. Wie sieht sie denn aus?

Albin Braig: Es wär ein großer Fehler, die imaginären Figuren im Dunstkreis unserer imaginären Stadt (die direkt neben Schriedingen liegt) näher zu beschreiben.

Karlheinz Hartmann: Ich glaub, die sieht genauso aus, wie Sie sich die vorstellen.

Gibt es da einen gewissen Reiz, auf der Bühne zu stehen?

Albin Braig: Jeder Schauspieler ist so etwas wie eine Rampensau, und deswegen ist es durchaus reizvoll, auf der Bühne zu grunzen.

Gibt es da noch Zeit für ein Privatleben?

Albin Braig: Nach dem Auftritt geht man diesen „einen Meter“ nach unten und ist wieder Mensch – keine Figur, sondern Mensch – und ganz normal. Und wer wäre in einer immer verrückter werdenden Gesellschaft nicht gerne normal.

Karlheinz Hartmann: Bei mir ist das ganz genauso.

Wie verbringen Sie Ihre Freizeit am liebsten? 

Albin Braig: Also ich habe nicht so viel Zeit für Hobbys, denn in meiner Freizeit schreibe ich unsere Texte. Das ist mein Hobby sozusagen. Ob das ein Theaterstück ist oder was für den Hannes und den Bürgermeister, das ist meine Freizeit.

Karlheinz Hartmann: Und ich koche sehr gerne. Ich esse auch sehr gerne, denn jeder Sportler muss ja sein Kampfgewicht halten (lacht).

Albin Braig: Im Volkstheater wird man ja nach Gewicht bezahlt.

Was kochen Sie gern? Bzw. was essen Sie gern?

Karlheinz Hartmann: Oh, das ist ein Unterschied! Net alles, was ich gern ess, kann ich auch kochen! Aber das ist wie bei vielen Sachen: je nach Laune und Lust.

Albin Braig: Das glaub ich nicht! Da geht es nicht nach Laune und Lust, da geht es nach seiner Frau! Man ist ja auch in der Lage, sich selbst mal zurückzunehmen und anderen den Vordergrund zu überlassen. Und ich glaub beim Kochen tut er genau das für seine Frau.

„Schnäpsle“ spielen in Ihren Sketchen ja eine große Rolle. Was trinken Sie denn privat gerne?

Albin Braig: Alles andere gerne, aber nur selten Schnaps.

Karlheinz Hartmann: Ich bin eher ein Weintrinker.

Sie haben auch bereits in Fernsehserien mitgespielt. Was macht mehr Spaß Bühne oder Fernsehen?

Albin Braig: Prinzipiell Bühne. Aber Gott sei Dank sind unsere Aufzeichnungen live. Wir spielen für unser Publikum und die Kameras sind dabei. Von daher macht das keinen Unterschied. Fernsehen ist für uns aber wichtig.

Karlheinz Hartmann: Ja, aber wir sind auf der Bühne groß geworden.

Sie haben 1971 das Stuttgarter Unternehmen Karlheinz Hartmann Elektronik gegründet. Und sich Anfang der 90er Jahre aus der Geschäftsleitung zurückgezogen, um Ihr Hobby, die Schauspielerei, zum Beruf zu machen. Fiel Ihnen dieser Schritt sehr schwer? 

Karlheinz Hartmann: Was heißt schwer? Wenn man diesen Beruf wirklich erwählt hat, ist es ein Unterschied. Aber schwer war es nicht, nein.

Albin Braig: Mir ist es schwer gefallen. Ich war mit der Firma sehr eng verbunden. Da waren kreative Prozesse in der Firma am Laufen. Ich hatte mit den Kunden zu tun und auch mit innovativen Produkten. Ich musste auch neue Produkte finden, die unser Unternehmen weiterbringen. Das gefiel mir. Aber irgendwann bekam ich Druck von meiner Frau wegen der Doppelbelastung. Ich war ihr da sehr lange böse (lacht). Ich bin auf ihren Druck hin aus der Firma raus und hab mich aufs Theater konzentriert. Was aus heutiger Sicht vollkommen richtig war! Deshalb hör ich heut mehr auf meine Frau!

Existiert die Firma noch? Haben Sie da heute noch was mit zu tun?

Karlheinz Hartmann und Albin Braig: Ja, sie existiert noch, unter dem gleichen Namen. Aber wir haben sie verkauft.

Wie haben Sie denn Ihr Unterhaltungstalent entdeckt? Und wann stand für sie fest, dass die Schauspielerei Ihnen liegt?

Albin Braig: Mein Vater war in diesem Bereich schon tätig und ich stand schon als Fünfjähriger auf der Bühne, hab Gedichte vorgetragen und in der Schule Theater gespielt. Schon als Kind bin ich – unbemerkt von meinem Vater – immer unterm Tisch gesessen, wenn mein Vater mit seinem Kollegen seine Sketche geschrieben hat. Mein erster großer Auftritt war 1956 beim internationalen Frauentag in Stuttgart. 1968 haben wir dann das Theaterensemble Komede-Scheuer gegründet. Da war mein Vater die treibende Kraft.

Karlheinz Hartmann: Eigentlich habe ich mein Talent nicht entdeckt (lacht). Als ein Schauspieler krank wurde, sagte Albin, dass ich jetzt mitspielen muss. Das war eine klare Ansage, von da an war es klar, dass ich auf die Bühne geh.

Albin Braig: Ja, er ist ein netter Kerl. Wenn dem jemand sagt, geh auf die Bühne, dann tut er es auch (lacht). Aber man muss sagen, am Anfang waren wir recht talentlos auf der Bühne. Erst durch die Tipps und die Arbeit mit meinem Vater haben wir uns langsam gesteigert.

In Deutschland gibt es ja recht viele Kabarettisten und es werden auch immer mehr. Wie schafft man es denn in diesem Umfeld, sich durchzusetzen und über einen so langen Zeitraum vorne mit dabei zu sein? 

Albin Braig: Die Antwort ist kurz: Man muss rechtzeitig anfangen.

Man muss aber auch was dafür tun, oder nicht?

Albin Braig: Wie gesagt, das ist Arbeit! Das hat mit Talent nicht so viel zu tun, sondern mit Arbeit. Die Talentlosigkeit greift ja stark um sich. Es wäre besser, der eine oder andere würde sich der Verantwortung bewusst werden, die man hat, wenn man auf die Bühne geht. Man stiehlt dem Publikum ja sonst die Freizeit.

Karlheinz Hartmann: Wenn man über die Bühne spricht, hört man oft, dass das so wahnsinnig viel Spaß macht. Natürlich tut es das, aber es ist Arbeit. Das muss in jedem Job so sein: Wenn man mit Freude etwas macht, dann ist man darin auch gut. Viele meinen, sie sind lustig und können damit viel Geld verdienen.

Waren Sie schon oft in der Südpfalz unterwegs, bzw. was kennen Sie von unserer Region?

Albin Braig: In Landau sind wir schon aufgetreten.

Karlheinz Hartmann: Und in Neustadt waren wir auch schon mal.

Sie spielen ihr Programm in schwäbischer Mundart. Können Sie auch ein paar Brocken Pfälzisch?

Albin Braig: Äh… (lacht). Persching… oder ist das eine Rakete?  Hm… Hajo. Parrer, Peiff, Kerch… Ja., so ein paar Brocken gehen.

Auf was dürfen sich Ihre Fans als nächstes freuen? Können Sie unseren Lesern schon etwas verraten?

Karlheinz Hartmann: Auf uns! Auf wen sonst? (lacht)

Albin Braig: Nächstes Jahr wird es, wie jedes Jahr, neue Sketche mit Hannes und dem Bürgermeister geben. Die spielen wir dann montags und dienstags auf Tour. In der Mäulesmühle spielen wir mittwochs, donnerstags und freitags unser neues Stück „Bergkristall“. Im Herbst beginnt der Verkauf für 2016. Karten gibt es über unsere Homepage. Im Fernsehen sind wir weiterhin bei „Freunde in der Mäulesmühle“ und als „Hannes und der Bürgermeister“ zu sehen.

Wenn Sie Ihre Karriere in einem Satz zusammenfassen müssten, wie würde dieser lauten?

Albin Braig: Oifach gut glaufe – weiter so!

Karlheinz Hartmann: Glick ghet! (Anmerk. d. Red.: Glück gehabt) (teu)

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