Pfälzerin mit Migrationshintergrund

Wahlpfälzer: Birgit Groß zog von Niedersachsen nach Kuhardt

Birgit Groß mit ihrem Hund Gipsy in ihrem Garten in Kuhardt. (Foto: teu)

Kuhardt / Wahrenholz. In seiner Serie berichtet das PFALZ-ECHO über waschechte „Wahlpfälzer“: Menschen, die aus den unterschiedlichsten Orten – ob in Deutschland, Frankreich oder Brasilien – kommen und hier in der Südpfalz eine neue Heimat gefunden haben.

Birgit Groß kam vor zehn Jahren von Wahrenholz, einer Gemeinde im Landkreis Gifhorn in Niedersachsen, in die Südpfalz. „Ich bin vor 13 Jahren in Reha in Bad Sooden-Allendorf in Hessen gewesen und habe dort meinen jetzigen Mann kennengelernt – ich habe also ganz klassisch meinen Kurschatten geheiratet“, lacht die Wahlpfälzerin. „Mein Mann sagt immer, ich sei Pälzer mit Migrationshintergrund.“ Bereits 1986 zog Birgit Groß mit ihrem damaligem Mann für drei Jahre nach Heidelberg. Das Umland gefiel ihr so gut, dass sie gleich wusste: „Hier ist meine Heimat, hier gehöre ich hin.“ Doch erst 2004 lernte sie ihren jetzigen Mann kennen und zog dann 2006 nach Kuhardt. „Ich habe mein Kosmetikstudio Norden aufgegeben und mir hier vor zehn Jahren wieder ein Kosmetikstudio aufgebaut. Von den Kuhardtern bin ich sehr gut aufgenommen worden. Hier bin ich auch gleich in den Sportverein gegangen, um Leute kennenzulernen. Mein Mann und ich, wir haben beide etwas gesucht, das wir gemeinsam machen können und haben uns schließlich für Guggenmusik entschieden. Im Verein im Verein Pfälzer GuggeGlucke e. V. in Rülzheim sind wir nun beide aktiv. Mein Mann ist im Vorstand und ich spiele Saxophon.“

In der Sprache liege der größte Unterschied zwischen ihrer alten Heimat und der Südpfalz. „Ich habe sogar jetzt noch Schwierigkeiten, alles zu verstehen. Meine Freundin sagt dann immer: ‚Oh, für Birgit müssen wir jetzt wieder mal translateuren.‘ Erst letztens sagte eine Bekannte: ‚Auf dat Meierle kommen keine Blumen.‘ ‚Wat willst du?‘, fragte ich, und sie erklärte mir lachend, dass auf die Mauer keine Blumen sollen.

Die Landschaft ihrer alten Heimat sei geprägt durch die Lüneburger Heide bzw. den Heiligen Hain, dem größte zusammenhängende Heidegebiet in der Südheide Gifhorn. Die Menschen dort seien immer etwas kühl und etwas zurückhaltend. „Hat man jedoch einmal Fuß gefasst, dann gehört man aber auch dazu“, erklärt die Kosmetikerin. Ganz anders sei es in der Südpfalz. „Ich liebe den Wein, ich liebe die Berge und die Menschen sind sehr offen und kommen auf einen zu. Vom Norden kenne ich es nicht, dass sich beispielsweise jemand mit an den Tisch setzt – und das schöne Wetter hier ist ein Traum!“

Die Heide vermisse die Wahlpfälzerin am meisten, daher habe sie einen echten Wacholder aus der Heide importiert. Aus der Südpfalz würde sie hingegen die Dubbe- oder Schoppengläser mit in den Norden bringen sowie die Freundlichkeit und die Offenheit der Einheimischen Fremden gegenüber. An kulinarischen Spezialitäten würde sie in der Südpfalz eines der norddeutschen Nationalgericht Grünkohl mit Bregenwurst einführen. Ihren Namen hat die geräucherte Bregenwurst übrigens vom früher zugegebenen Schweinehirn. „Das hört sich komisch an, schmeckt aber sehr lecker. Hier musste oder durfte ich auch schon Schnüffel und Saumagen essen“, lacht die junggebliebene 57-Jährige.