Das PFALZ-ECHO verlost eine Zeichnung von Ralph Ruthe (siehe Bild).
Interessierte Leser, die gerne gewinnen möchten, schreiben uns eine E-Mail an redaktion@pfalz-echo.de bis zum kommenden Mittwoch, 13.12.2017, 12 Uhr mit dem Betreff „Ralph Ruthe“. Unter allen Einsendungen verlosen wir die Zeichnung.
Jeder Leser kann nur einmal gewinnen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Hier lesen Sie die Teilnahmebedingungen. (red)

 

Eigentlich braucht man nicht mehr als einen Biber und einen Baum, um eine ganz klassische (Comic-)Geschichte zu erzählen – der eine will den anderen fressen. Wie bei Tom und Jerry oder Koyote und Roadrunner. Der Cartoonist Ralph Ruthe hat deswegen eine ganze Serie aus dem Biber und dem Baum gemacht und ist damit extrem erfolgreich. Alleine in den Sozialen Netzwerken folgen ihm über 2 Millionen Menschen. Natürlich sind die beiden aber längst nicht seine einzigen Figuren und er beschränkt sich in seinem Schaffen nicht nur aufs Zeichen: Seit fast zehn Jahren ist er mit Live-Shows in ganz Deutschland unterwegs.

Wie erklärt man jemanden, der dich gar nicht kennt, was du eigentlich machst?

Ralph Ruthe: Zunächst nehmen mich die Leute natürlich als Zeichner war, weil das, was ich mache, vor allem durch meine Zeichnungen transportiert wird. Ich bin aber kein Grafiker oder Illustrator, ich bin jemand, der Menschen zum Lachen bringt. Und ich vermute jetzt einfach mal, dass mir nicht so viele Menschen in den Sozialen Netzwerken folgen würden, wenn meine Arbeiten einfach nur nett gezeichnet wären. Es geht um den Humor und das merke ich auch ganz deutlich, wenn ich mal ein Comic veröffentliche, das nur so „okay“ ist. Ich bekomme sofort das Feedback, dass das nun nicht so lustig war. Es geht den Menschen also um den Inhalt – die Zeichnung ist zweitrangig. Und das ist mein Antrieb: Geschichten erzählen und Menschen zum Lachen bringen. Ein Weg dahin ist das Zeichnen. Wenn ich jetzt Kind wäre, würde ich wahrscheinlich mit der Handykamera meines Vaters Youtube-Videos drehen. Ich habe damals Comics für mich entdeckt und gemerkt: Das ist ja wie Film auf Papier. Das Zeichnen ist für mich eine Überbrückung – ein bisschen wie bei Loriot – die meisten vergessen, dass er eigentlich Cartoonist war. Für mich war es auch von Anfang an klar, dass ich die Medien wechseln werde – so kamen die animierten Videos dazu, die Bühnenshow … Man könnte also sagen, ich bin Komiker, der seinen Humor unter anderem über Zeichnungen transportiert – aber auch über Texte, Musik und Filme.

Wie schwer war der Weg dahin?

Ralph Ruthe: Ich mache das schon mein Leben lang und ich habe es immer gerne gemacht. Meine Arbeit ist es, mir Geschichten auszudenken. Mit 14 Jahren habe ich schon angefangen, damit Geld zu verdienen – es ist also schon sehr lange klar, dass genau das meine Berufung ist. Deswegen war das nicht schwer, aber es war viel Arbeit. Ich habe trotzdem noch eine Ausbildung als Mediengestalter gemacht und eine Weile bei einer Zeitung gearbeitet. Ich weiß also, wie es ist, jeden Tag von 8 bis 17 Uhr im Büro zu sitzen und nebenher trotzdem noch meinen Kram zu machen. Es gab eine Zeit, in der ich täglich acht Stunden arbeiten war, zusätzlich für andere Leute Bücher produziert, bzw. Geschichten geschrieben habe und in einer Beziehung war. Das war anstrengend! Dagegen ist das heute entspannt (lacht). Ich arbeite aber auch heute noch zehn Stunden am Tag, und auch am Wochenende vier bis fünf, es ist also immer noch kein Beruf für Faule!

Und war es schwer, deine Fans von diesem Weg zu überzeugen?

Ralph Ruthe: Ist es immer noch! Es kommen jedes Mal nach der Show noch Leute auf mich zu, die mir erzählen, dass sie sich das vorher gar nicht vorstellen konnten. Und das sind ja die, die dann trotzdem gekommen sind! Ich kann es ehrlich gesagt nicht so ganz nachvollziehen, wenn jemand etwas nicht anschaut, nur weil er es sich nicht vorstellen kann. Denn wenn ich mir nicht vorstellen kann, wie Spaghetti schmecken, dann esse ich halt mal Spaghetti, oder? Ich muss auf jeden Fall immer noch viel Aufklärungsarbeit leisten, aber es ist einfacher geworden.

Gibt es Tage, an denen du merkst, dass der Druck besonders groß ist und denkst: „Verdammt, ich müsste mal wieder was liefern.“?

Ralph Ruthe: Ja, klar. Im Grunde bin ich ja ein kleines Unternehmen. Ich habe zwar nur einen Mitarbeiter, aber der kriegt natürlich regelmäßig Gehalt, egal ob er den ganzen Tag Katzenvideos schaut oder ob er für mich arbeitet. Wenn ich ihm aber nichts liefere, kann er auch nicht arbeiten. Er animiert meine Cartoons; die Idee, die Geschichte, alle Zeichnungen und den Ton muss ich selbst machen, bevor er etwas tun kann. Während ich auf Tour bin, kann ich ihm nichts liefern – also muss ich es sehr gut vorbereiten. Und natürlich kommen da manchmal Sonntage, wo ich weiß, morgen ist mein Mitarbeiter wieder am Rechner und er hat bis jetzt noch nichts, was er arbeiten könnte. Also entwickle ich an diesem Tag schnell eine Geschichte, schlafe noch eine Nacht drüber, weiß am nächsten Morgen erst, ob es auch funktioniert und bereite dann schnell alles vor. Solche Phasen gibt es schon sehr viele. Aber das gehört dazu und ehrlich gesagt brauche ich diesen Druck auch. Ich könnte mir das Leben auch einfacher machen, jeden Tag bis 11 Uhr schlafen – wenn die Kinder mich lassen –, dann ein Bild malen und Kaffee trinken. Aber ich habe die Tour, ich habe meinen Mitarbeiter – da hat man auch Verpflichtungen. Die 600 Leute, die Eintritt für meine Show bezahlt haben, möchten natürlich etwas geliefert bekommen. Deswegen stecke ich da viel Arbeit rein.

Hat sich dein Blick auf die Welt seit der Geburt deiner Zwillinge geändert?

Ralph Ruthe: Nein. Ich glaube ehrlich gesagt, dafür bin ich zu alt. Für mich ist das natürlich großartig, dass die Kinder da sind, ich finde das total toll! Aber es war keine Überraschung, ich wusste, worauf ich mich einlasse, habe es mir sogar schwieriger vorgestellt. Die beiden waren keine Schreikinder, sind zwei total fröhliche Mädchen, das macht mich sehr, sehr glücklich. Ich dachte vorher auch, dass mich die Vaterrolle vielleicht ein bisschen behütender macht, aber dafür habe ich wahrscheinlich vorher schon zu viel bei anderen Eltern gesehen. Es hat sich tatsächlich nichts grundlegend geändert.

Das überrascht mich ein bisschen…

Ralph Ruthe: Meiner Meinung nach ist es ja das egoistische, was man als Mensch machen kann: Kinder in die Welt setzen. Dafür hat niemand einen Orden verdient. Man macht das für sich, weil man selbst Kinder will. Aber das ist auch okay so. Denn ein Sinn des Lebens ist es auf jeden Fall, sich fortzupflanzen. Aber wenn es jetzt mal anstrengende Phasen gibt, sag ich mir: Das haben wir so gewollt. Ich wusste, worauf ich mich einlasse, mir war klar, dass es stressig werden kann und ich zu weniger Schlaf komme, aber selbst das habe ich mir schlimmer vorgestellt als es jetzt ist. Und vor allem, macht es Spaß und es ist total toll zu beobachten, wie die Mädchen sich entwickeln. Mein Blick auf die Welt hat sich deswegen aber nicht verändert. Ich war schon immer der Ansicht, dass wir diesen Planeten nicht sterben lassen sollten. Das war sowieso in mir verankert. Eigentlich ist es ja ein bisschen schade, wenn Leuten erst an die Umwelt denken, wenn sie Kinder in die Welt gesetzt haben.

Ralph Ruthe mit Redakteurin Anne Herder.
(Foto: privat)

Hast du denn mit deinen Geschichten die Intention, die Ansichten deiner Fans zu verändern?

Ralph Ruthe: Nein. Ich habe keinen Sendungsauftrag. Ich bin ja nicht besser als alle anderen. Ich mache genau die gleichen Fehler wie jeder andere, ich esse ab und zu Nutella, fahre mit dem Auto durch die Gegend. Bei einigen Sachen achte ich vielleicht etwas mehr drauf, als ein anderer. Aber wenn jeder ein kleines bisschen was macht, ist ja schon viel geholfen. Ich habe mich vor sechs Jahren dazu entschieden, kein Fleisch mehr zu essen. Wenn aber beim Grillen jemand neben mir sitz und ein Steak isst, ist mir das egal. Nur weil ich mich für einen anderen Weg entschieden habe, heißt das nicht, dass ich von jemandem verlange, es mir gleich zu tun. Er macht vielleicht in einem anderen Bereich auch etwas viel besser als ich. Ich nutze solche Themen aber natürlich trotzdem für meine Arbeit. Denn ich brauche schließlich Material – und Themen sind immer dann besonders interessant, wenn sie eine Fallhöhe haben. Humor kann nicht entstehen, wenn alle Menschen friedlich beieinandersitzen und glücklich sind. Humor basiert auf Missverständnissen und großen Themen wie Tod, Krieg, Umweltverschmutzung – daraus muss ich die Komik ziehen.

Aber politisch aktuelle Cartoons gehören nicht zu deiner Arbeit, richtig?

Ralph Ruthe: Genau. Ich bin kein politischer Karikaturist. Bei mir geht es eher um zwischenmenschliche Dinge, ich breche große Themen auf simple Situationen herunter. Bei mir geht es dann eben nicht darum, dass jemand neidisch auf Atomwaffen ist, es geht dann halt um die Schaufel im Sandkasten. Außerdem mag ich es, wenn Sachen zeitlos sind. Wenn ich mir Werke von vor zehn Jahren anschaue, funktionieren sie immer noch.

Trotzdem nutzt du deine Social Media-Kanäle, um dich auch zu politisch-aktuellen Ereignissen zu äußern – in Form von Statements, nicht als Cartoon.

Ralph Ruthe: Ja. Das mache ich vor allem für mich persönlich. Das ging vor ca. zwei Jahren los, als das Flüchtlingsthema besonders aktuell war. Ich hatte auf Facebook damals etwa 750.000 Fans und ich wollte einfach wissen, was das für Menschen sind. Ich wollte sehen, was passiert, wenn ich mich klar positioniere. Das ist für mich auch kein politisches Statement, sondern eher ein menschliches. Die Reaktionen waren überbordend! Es war wirklich Wahnsinn, was für ein warmes Feedback ich dafür bekommen habe. Das hat mich sehr glücklich gemacht, weil es mir gezeigt hat, dass die Welt nicht den Verstand verloren hat. Es gibt sehr viele liebe und vernünftige Menschen da draußen – das ist die große Mehrzahl. Die müsste sich nur öfter mal melden. Deswegen mache ich das. Weil ich zeigen will, dass wir nicht alle bekloppt sind. Und ich verstehe nicht, warum das nicht mehr prominente Menschen tun. Ich tue es so oft ich kann. Warum äußert sich eine Helene Fischer aber nie zu solchen Themen?

Du reagierst in solchen Situationen auch auf kritische Stimmen allermeistens sehr besonnen. Woher nimmst du diese Geduld?

Ralph Ruthe: Na ja, es nutzt ja nichts! Wir retten die Welt ja nicht, indem wir uns mit Sand bewerfen. Deswegen antworte ich schon sehr oft sachlich und erklärend. Aber natürlich wird es auch mir manchmal zu viel. Wer beleidigend und unsachlich wird, braucht nicht mit einer freundlichen Antwort zu rechnen. Und sind wir mal ehrlich, im wahren Leben wären diese Leute, die mich im Internet scharf kritisieren, so klein mit Hut, wenn sie vor mir stünden. Solche Leute gab es immer schon, jetzt haben sie eine Plattform.

Was ist denn eines der schönsten Feedbacks, das du mal bekommen hast?

Ralph Ruthe: Ich bekomme gerade momentan viele Nachrichten von Menschen, die beispielsweise an Depressionen leiden. Einer von ihnen hat geschrieben: „Ich habe dieses Jahr zwei Mal gelacht, und das war in deiner Show.“ (hält inne). Das kann mir einfach nicht egal sein. Das ist Wahnsinn. Was für ein tolles Kompliment. Bis vor wenigen Jahren habe ich selbst über meine Arbeit gedacht: „Na ja, ich mache halt Witze.“ Für mich war das einfach Unterhaltung. Jetzt denke ich, es ist doch mehr. Nicht weil ich so genial bin, sondern weil Kunst an sich für das Leben einfach essentiell wichtig ist. Egal in welcher Form – Literatur, Musik, … Wir würden alle den Verstand verlieren, wenn es keine Kunst gäbe.

Du schreibst unter anderem auch die Musik zu deinen Filmen selbst. Dabei sind auch schon einige Songs entstanden. Gibt es eine musikalische Richtung, wo du dich einordnen würdest?

Ralph Ruthe: Ich liebe Musik! Ganz einfach. Klar, letztendlich ist das alles Pop-Musik, was ich mache. Aber auch das habe ich ja nie gelernt, ich arbeite völlig aus dem Bauch raus. Ich habe irgendwann mal eine Textidee, die liegt oft erst einmal eine Weile ungenutzt rum, bis mir irgendwann ein Rhythmus, eine Melodie dazu einfällt. Oder umgekehrt ist es auch schon passiert, dass ich einen Song produziert habe und erst nach Jahren fällt mir dann ein passender Text dazu ein. Meine Arbeit befruchtet sich auch immer gegenseitig, ich bin schon durch Songs auf Ideen für Videos gekommen und natürlich umgekehrt.

Könntest du dir auch vorstellen, ein Album zu veröffentlichen?

Ralph Ruthe: Das kann ich mir gut vorstellen. Aber auch das ist ein Prozess, den ich den Leuten erst klar machen muss. Als ich vor zehn Jahren die ersten Songs gemacht habe, haben viele gesagt, ich solle lieber bei meinen Zeichnungen bleiben. Inzwischen verstehen alle, dass das alles zusammen gehört. Ich habe aber auch schon Songs mit Sängerinnen und Sängern produziert, die immer noch irgendwo ungenutzt rumliegen – die sind ganz ernsthaft und haben gar keinen Comedy-Aspekt. Ideen hätte ich viele, was man daraus machen könnte, allerdings fehlt mir dazu noch die Zeit.

Also kann man in Zukunft sehr viel von dir erwarten. Kinofilm, Fernsehserie, Pop-Album…?

Ralph Ruthe: Klar, das sind alles Dinge, die mich reizen, aber eben auch sehr viel Zeit kosten. Und das allerwichtigste ist für mich momentan meine Tour. Nichts ist großartiger als abends vor ein paar Hundert oder sogar 1000 Leuten zu sitzen und gemeinsam zu lachen. Das kann man durch nichts ersetzen. Und das mache ich auch noch so lange es geht weiter. Um beispielsweise einen Kinofilm zu realisieren, müssen für mich einfach alle Rahmenbedingungen stimmen – ich muss meine künstlerische Vision umsetzen dürfen. Ich möchte mir da so wenig wie möglich rein reden lassen, nur dann ist es wirklich meins – denn fürs Geld mache ich sowas nicht, das ist mir wirklich egal. Einen Kinofilm zu machen, ist mindestens vier Jahre Arbeit. Vier Jahre, in denen ich weniger Zeit für meine Kinder hätte, vier Jahre, in denen ich weniger andere Dinge produzieren kann. Unter diesen Umständen möchte ich natürlich keine Kompromisse eingehen.

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