Billigheim-Ingenheim. Ausgerüstet mit festem Schuhwerk, einem Strohhut zum Schutz gegen die heiße Augustsonne und einem Fotoapparat machen sich knapp 80 Naturliebhaber auf den Weg ins Blankenbruch in Billigheim-Ingenheim. Auf dem Programm steht eine Exkursion in die Feldflur zur Wildbienenweide und zum Wildbienenhügel, organisiert vom Naturschutzverband Südpfalz (NVS) und der Ortsgruppe Billigheim-Ingenheim. Die Teilnehmer wollen von Bienen-Experten aus erster Hand erfahren, welche Bienenarten in der Pfalz leben, wie man dem Bienensterben Einhalt gebieten und die Bestäubungsleistung dieser für uns Menschen so wichtigen Insekten nachhaltig steigern kann.
Die Wildbienenweide und der Wildbienenhügel im Blankenbruch gehören zu einem der 20 bundesweiten BienABest-Projektgebieten. Bei dem Projekt werden Bienen in ganz Deutschland mit Hilfe eines standardisierten Bestimmungsschlüssels erfasst.

Der Sommer neigt sich dem Ende entgegen, die wochenlange Hitze und Trockenheit haben den Pflanzen zugesetzt. Der Boden ist staubig, von saftig grünem Gras ist weit und breit nichts zu sehen. Und dennoch schwirren hier und dort noch eine paar Wildbienen umher auf der Suche nach Blütenpollen. Matthias Kitt, Biologe und Vorstand des NVS, fängt mit einem großen Netz eine Wildbiene ein und begutachtet sie mit einer kleinen Lupe. Der BienABest-Bestimmungsschlüssel ermöglicht es Kitt, die Bienenart direkt auf der Wiese zu bestimmen. Ob der Biologe keine Angst habe, dass die Biene ihn steche, wollen Teilnehmer der Exkursion wissen. „Dies ist eine männliche Biene, und die stechen nicht“, weiß Kitt zu berichten. Dann öffnet er Daumen und Zeigefinger und entlässt die Furchenbiene in die Freiheit.

Foto: pdp

Der Lebensraum für Wildbienen wird immer kleiner. Es fehlen Nistmöglichkeiten. Je nach Bienenart nisten sie in lehmigen Erdhügeln oder in Schilfrohren. Andere Wildbienen brauchen morsches Holz oder leere Schneckenhäuser, um sich wohlzufühlen. Doch unsere Wildbienen finden nur noch selten solche Bedingungen. „Im Spätsommer erhalte ich oft Anrufe von besorgten Erziehern, dir mir berichten, dass der Sandkasten auf dem Spielplatz des Kindergartens von hunderten von Bienen bevölkert wird“, erzählt der Biologe. „Dabei handelt es sich immer um die Efeu-Seidenbiene. Diese Bienenart baut Löcher im Sand und ist meist in Kolonien von bis zu 400 Bienen anzutreffen. Wenn man sie in Ruhe lässt und nicht zwischen die Finger nimmt, sticht sie nicht.“ Viele Bienenstachel würden auch gar nicht durch die Haut hindurchkommen. „Und falls es doch einmal zu einem Stich kommen sollte“, rät ein erfahrener Exkurionsteilnehmer, „sucht man sich am besten ein Spitzwegerich-Blatt, zerkrümelt es zwischen den Fingern und reibt es mit etwas Speichel auf die Stichstelle.“

Es fehlt aber nicht nur an Nistmöglichkeiten, auch geeignete Nahrungsquellen sind knapp, von denen sich die oft sehr spezialisierten Wildbienen ernähren können. Die Heidekraut-Seidenbiene z.B. sammelt die Blütenpollen, wie der Name es schon verrät, nur von der Heide. Die Rotpelzige Sandbiene hingegen bevorzugt Johannisbeer- und Stachhelbeersträucher. Auch an Obstbäumen sammelt sie Blütenpollen. Die große Holzbiene ist ein richtiger Gourmet unter den Bienen. Sie ernährt sich u.a. von dem Nektar und den Pollen von Lippenblütlern, Korbblütlern, Raublattgewächsen und Schmetterlingsblütlern. Fakt ist: Ohne Nistplatz ist eine Blühfläche nichts wert – und umgekehrt.

Matthias Kitt (rechts) ist Wildbienen-Experte. (Foto: pdp)

„In Deutschland gibt es ungefähr 560 Wildbienenarten und die Honigbiene. Die Honigbiene lebt in Völkern zusammen, deren Struktur an einen gut organisierten sozialen Staat erinnert“, klärt Kitt auf. „Die meisten der Wildbienen hingegen leben solitär, also ohne Mithilfe von Artgenossen beim Nestbau oder der Versorgung der Brut.“ Sie sind quasi die Singles unter ihren Artgenossen.

Das BienABest-Projekt läuft insgesamt fünf Jahre lang. Unterstüzt wird es vom Bundesprogramm Biologische Vielfalt. „Natur und Mensch sind dringend auf die Wildbienen angewiesen“, betont Kitt. Sie übernehmen nicht nur eine Schlüsselrolle bei der Bestäubung von Wild- und Kulturpflanzen, sondern sicherten damit zugleich die Erzeugung landwirtschaftlicher Produkte. Es ist wie es ist: Ohne Wildbienen würde unser Ökosystem krank werden.

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