Wenn es um die Mülltrennung geht, nehmen wir Deutschen im internationalen Vergleich eine Spitzenposition ein. Trotz dieser erfreulichen Nachricht, landen regelmäßig viel zu viel Müllstoffe in der falschen Tonne. Ein großes Problem in den Landkreisen Germersheim und Südliche Weinstraße ist der hohe Plastikanteil in der Biotonne. Oft landet mit Plastik „kontaminierter“ Lebensmittelmüll in der Biotonne – vor allem Plastiktüten stellen ein großes Problem dar. Das Plastik landet so auf unseren Äckern, in Flüssen und über Nahrungsmittel wieder auf unseren Tellern.

Die Rote Karte wird vom Landkreis Germersheim verteilt.

Im Landkreis Germersheim startet aus diesem Grund ab November diesen Jahres eine „Biotonnen-Offensive“ mit dem die Abfallwirtschaft des Landkreises gemeinsam mit dem zuständigen Entsorgungsunternehmen versuchen möchte, den Kreislauf zu durchbrechen.

„In der braunen Tonne sollte nur Biomüll landen – wie Blätter, Laub, Eierschalen oder Brotreste – jedenfalls kein Plastik“, sagt Landrat Dr. Fritz Brechtel. „Leider hat man bei verschiedenen Kontrollen festgestellt, dass dennoch viel zu viel Plastik im Biomüll landet.“ Das ist ein großes Problem, weil verunreinigter Biomüll nicht richtig verwertet werden kann. Erst vor Kurzem wurde in Westheim eine neue Biovergärungsanlage in Betrieb genommen. In dieser werden aus rund 48.000 Tonnen Biogut jährlich 34 Millionen kWh Biogas, 17.000 Tonnen wertvoller Kompost und 16.000 Kubikmeter Flüssigdünger erzeugt und wieder in den Kreislauf gebracht. Damit entlastet die Westheimer Biovergärungsanlage die Umwelt um 8.800 Tonnen CO2. „Plastikmüll ist nicht nur schlecht für die Umwelt, sondern auch für unsere eigene Gesundheit. In Form von Mikroplastik landet dieser wieder auf unserem Esstisch. Deswegen ist es ein elementares Interesse, aus Umweltschutz sowie aus Menschenschutzgründen, Plastikmüll in Biotonnen zu vermeiden“, so der Landrat.

Unter dem Motto „Stop! Kein Plastik in die Biotonne“ soll nun im Landkreis Germersheim Biomüll-Sündern die Rote Karte gezeigt werden. Die Qualitäts-Offensive soll im November starten. Mitarbeiter der Kreisverwaltung und der Entsorgungsfirma werden die braunen Tonnen im Landkreis kontrollieren. „Wenn eine Tonne leicht mit Plastik verschmutzt ist, wird eine Gelbe Karte verteilt, bei starker Verschmutzung oder im Wiederholungsfall wird die Rote Karte gezeigt – das Prinzip kennt man aus dem Fußball“, erklärt Dr. Brechtel. Gleichzeitig werden Informationszettel – auch mehrsprachig – in die Briefkästen der Hausbewohner eingeworfen. Auf diesen ist u. a. erklärt, welche Abfälle in die Biotonne gehören und warum keine Plastiktüten in dieser landen dürfen.

Selbst als „kompostierbar“ ausgewiesene Plastiktüten dürfen auf keinen Fall im Biomüll landen. Zeitungen hingegen sind kein Problem. (Foto: hea)

Wird eine Gelbe Karte verteilt, wird die Tonne trotzdem geleert. Tonnen, die mit Roten Karten versehen sind, werden nicht geleert. „In diesem Fall ,muss die Tonne kostenpflichtig als Graue Tonne entsorgt werden“, so der Landrat weiter.

In Landau wird das Thema Biomüll-Qualitätsoffensive derzeit vorbereitet. „Wir befinden uns gerade im Vergabeverfahren, eine Analyse des Bioabfalls in Auftrag zu geben. Bei dieser soll nach Siedlunsstrukturen, Behälterausstattungen und Jahreszeiten analysiert werden“, erzählt Bernhard Eck, Vorstandsvorsitzender des Entsorgungs- und Wirtschaftsbetrieb Landau (EWL) auf Nachfrage. „Das Ergebnis der Analyse wird aufzeigen, wo zusätzlich zu unserer Öffentlichkeitsarbeit Bedarf besteht, tätig zu werden.“ Bereits heute ist es möglich, fehlbefüllte Bioabfallgefäße über eine Identifizierungs-Technik am Lader zu erfassen. Mittels interner Auswertungen können so „Wiederholungstäter“ lokalisiert werden. Bei Uneinsichtigkeit wird die Biotonne entzogen und durch eine kostenpflichtige Restabfalltonne ersetzt. „Leider musste dieser Vorgang in diesem Jahr in mehreren Fällen durchgeführt werden“, so Eck.

Was viele Verbraucher nicht wissen: Auch kompostierbare Plastiktüten haben in der Biotonne nichts zu suchen. „Sogar Plastiktüten aus Maisstärke verrotten zu langsam und können nicht vollständig aussortiert werden. Kleinste Reststoffe gelangen mit dem Kompost auf unsere Äcker“, klärt Jürgen Stumpf, Leiter der Abfallwirtschaft im Landkreis Germersheim auf.

Worin also den Biomüll verpacken? Eine Alternative sind Papiertüten, die man im Handel erstehen kann oder man faltet sich seine eigene Papiertüte aus der (ausgelesenen) Zeitung. Unter dem Motto „Erst lesen, dann falten“ zeigen wir auf unserer Homepage , wie man in wenigen Schritten eine garantiert Biomüll freundliche Papiertüte faltet. (pdp)

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