Gut für die Umwelt, automatisiert und vernetzt: Nicht nur um den Klimaschutzzielen der EU gerecht zu werden, sondern auch um den gesellschaftlichen Forderungen für mehr Umweltbewusstsein Folge leisten zu können, muss die deutsche Automobilindustrie umdenken. PKWs mit rein elektrischen oder hybriden Antriebssystem sind keine Seltenheit mehr und der Staat subventioniert bereits die Anschaffungen der „grünen“ Antriebssysteme. Die Hersteller stehen unter Druck, doch reicht es nicht, das Umdenken nur in der PKW-Branche voranzutreiben: Um konsequenten und modernen Umweltschutz zu betreiben, müssen auch Nutzfahrzeuge einen Wandel vollziehen. Werden Lastkraftwagen also bald rein elektrisch über die Straßen rollen? Wie wirkt sich eine elektronische Flotte auf Logistikunternehmen aus und wie wird es unsere Straßen verändern? Und vor allem: Wann wird es so weit sein? Selbstverständlich ist es nicht möglich, Logistik-Flotten von heute auf morgen auf emissionsfreie Antriebe umzusatteln, doch wird auch hier die Entwicklung vorangebracht. So hat Mercedes-Benz in Wörth rund 70 Millionen Euro in die Entwicklung für die LKWs der Zukunft investiert und das erweiterte Entwicklungs- und Versuchszentrum (EVZ) am Standort eröffnet. Am 9. Januar wurde das EVZ feierlich in Betrieb genommen und bekam hohen Besuch aus dem Ministerium und der Führungsriege des Unternehmens. Mit dem erweiterten EVZ will Mercedes die Entwicklung und Erprobung des vernetzten, automatisierten und elektrischen Fahrens für die Zukunft sichern.

Akim Enomoto, zuständig für die Kommunikation bei Daimler Trucks & Buses, erklärt: „Mercedes-Benz Trucks zeigt mit dem vollelektrischen Lkw eActros, dass der schwere Verteilerverkehr schon heute lokal emissionsfrei und leise möglich ist. In 2018 wurden erste Fahrzeuge der sogenannten „Innovationsflotte“ an ausgewählte Kunden übergeben; Im Rahmen dieser Praxistests wird der seriennahe eActros als 18- oder 25-Tonner im Alltagsbetrieb eingesetzt. (…) Start der Serienproduktion des Mercedes-Benz eActros ist für 2021 vorgesehen.“

Das LKW-Werk in Wörthj macht sich fit für die Zukunft – u.a. mit dem e-Actros. (Foto: Daimler)

Also ist der LKW der Zukunft bereits zum Greifen nahe? Dass die Lastkraftwagen nur für den „lokalen“ Verteilerverkehr sinnvoll sind, bestätigt auch Andreas Eichenlaub, Geschäftsführer von Eichenlaub Transporte und Spedition: „Meiner Meinung nach ist eine Elektrifizierung aller LKW absolut illusorisch. Zurzeit kann kein Hersteller eine praktikable Möglichkeit anbieten, den Diesel in Groß-LKW durch E-Motoren zu ersetzen. Problem ist das enorme Gewicht der Batterien und die absolut unbefriedigende Reichweite von ca. 200 Kilometern. Im Fernverkehr mit 40 Tonnern ist es zudem nicht möglich, stundenlang an Ladegeräten zu stehen (…). Im städtischen Lieferverkehr macht das viel eher Sinn (…).“

Auch Volker Nuss, Geschäftsführer der Spedition Nuss GmbH, stimmt zu: „Ich denke, dass wir Spediteure alle nicht wissen, wo die Reise hinführt. Die Politik sollte und muss eigentlich der Autoindustrie die Richtung vorgeben, damit man sich darauf einstellen kann und auch die Fahrzeughersteller müssen sich dann einig werden, auf welches „Pferd“ (Gas, Elektro, Wasserstoff…) sie für die Zukunft setzen(…).“

Dass es über kurz oder lang dennoch Alternativen geben muss, erklärt Johannes Rußmann, Referent für Verkehrspolitik beim NABU Bundesverband: „Grundsätzlich ist der Ausbau batterieelektrischer Flotten – ganz gleich ob Pkw oder Lkw – ein zentraler Baustein für das Gelingen einer nachhaltigen Verkehrswende. (…) In Anbetracht der Tatsache, dass nahezu 60 Prozent des europäischen Straßengüterverkehrs unter 300 Kilometer pro Einzelfahrt liegt, gibt es schon heute genügend batterieelektrische Alternativen zum Verbrenner. Aber auch beim Langstrecken-Schwerlastverkehr werden die Hersteller mit fortschreitender Batterietechnologie zunehmend batterieelektrische Fahrzeuge auf den Markt bringen. Für den Hochlauf der Elektromobilität wird aber auch im Lkw-Bereich eine gut ausgebaute Ladeinfrastruktur unerlässlich sein (…). “ (stm)

Nachdem das EVZ feierlich in Betrieb genommen wurde, rollen die LKWs in die Hallen. (Foto: stm)

 

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