Die liebe Ernährung – ein Thema, das naheliegenderweise in unserer Mittagspause regelmäßig diskutiert wird. Elli, Paula, Günther und selbst Herr Schmidt – sie alle haben und hatten schon ihre Phasen. Der eine verzichtet wochenlang auf Kohlenhydrate, die andere versucht, sich zuckerfrei zu ernähren (die Betonung liegt auf „versucht“ – siehe nächster Abschnitt) und manch eine trinkt jeden Vormittag sogar einen Darmreinigungsdrink, der auch noch genau so aussieht, wie er heißt. Beim Fleisch und beim Gemüse wollen eigentlich alle darauf achten, nur noch regional und nachhaltig einzukaufen. 

Am prall gefüllten Süßigkeiten-Korb führt allerdings nie ein Weg vorbei. „Diese Himbeer-Joghurt-Schoko-Riegel sind ja genaugenommen fast ohne Zucker, oder? Obst und Joghurt! das muss ja gesund sein“, rechtfertigt sich Elli und greift zu. Herr Schmidt stimmt ihr zu und  ergänzt: „Wenn du eh schon stehst, könntest du grad eine kleine Auswahl auf dem Esstisch platzieren, ich hab heute noch nichts gescheites zu mir genommen.“ Seine zwei Frikadellen, der Nudelsalat und die drei Pfefferbeißer zählen nicht zur Kategorie „Gescheites“.

Elli hievt den Korb auf den Tisch und öffnet den Kühlschrank. Dort werden im Sommer selbstverständlich die Pralinen gelagert. Sie greift sich drei Schachteln und stellt sie neben den Korb: „So, das sollte reichen.“

Paula hat zuerst die belgische Schokolade im Visier: Meeresfrüchte-Pralinen. Sie zögert kurz, bevor sie sich eine Muschel genüsslich in den Mund schiebt: „Denkt ihr, die Meeresfrüchte wurden artgerecht gehalten, bevor sie zu Schokolade verarbeitet wurden?“

„Das hoffe ich doch! Alles andere könnte ich mit meinem Gewissen nicht vereinbaren“, meint Günther und schnappt sich die Dose mit Fruchtgummi-Schlümpfen. Noch bevor er den ersten essen kann, grätscht Elli dazwischen: „Um Himmels Willen! Iss das nicht. Wer hat das überhaupt gekauft? Schämt euch. Habt ihr nicht die Dokumentation über die schlimmen Zustände in den Betrieben der Massenschlumpfhaltung gesehen?“ Für drei Sekunden kann sie ihren ernsten vorwurfsvollen Gesichtsausdruck halten. Dann müssen alle lachen.

„Am besten wird es sein, wir ernähren uns wie manche Frutarier und essen nur noch Dinge, die vom Baum gefallen sind. Dann sind wir auf der sicheren Seite!“, sagt Herr Schmidt bestimmend.

„Gut. Dann kann ich nachher ja die Taube grillen, die heute Morgen von meinem Ahorn im Vorgarten gestürzt ist“, grinst Günther.

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