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Und dann gibt es die Menschen, die sich einen Tag Urlaub nehmen, um am Mittwochvormittag um 11 auf unserer Verlosungs-Hotline anzurufen. Die Chance darauf, einer der drei Gewinner zu sein, liegt immerhin deutlich besser als die Chance, den Lotto-Jackpot zu knacken. Es sind schließlich drei von „nur“ mehreren hundert Anrufern, die sich da freuen dürfen.

Nun ist aber eine Wahrscheinlichkeit von 1:300 immer noch recht weit von „ziemlich sicher“ entfernt. Das sollte eigentlich jedem klar sein, vor allem denjenigen, die sich dafür extra einen Tag Urlaub nehmen. Leider ist das aber nicht so und deswegen hängt Elli an diesem Mittwochvormittag um 11.45 Uhr immer noch am Telefon, um dem mittlerweile fünften Nicht-Gewinner tröstende Worte ins Ohr zu säuseln, ihm unsere Technik zu erklären und viel Glück fürs nächste Mal zu wünschen. Manche lassen sich so tatsächlich besänftigen und hoffen auf ihr Glück beim nächsten Mal. Dann kann Elli durchatmen und lächelnd an ihrer Titelgeschichte weiter schreiben. Bei anderen ist die Enttäuschung allerdings so groß, dass keine sachliche Erklärung, keine besänftigenden Worte, kein Mut zusprechen und kein Trost mehr hilft. (Kleine Anmerkung am Rande: Worüber diese Menschen genau enttäuscht sind, erschließt sich Elli übrigens bis heute nicht wirklich. Sie haben etwas nicht umsonst bekommen, was es im echten Leben auch nicht umsonst gibt.) Diese Menschen jedenfalls sind so sehr in ihrer Enttäuschung gefangen, dass diese sich in Wut umwandelt. Und das wiederum bekommt heute Elli ab. Sie wird (mit hier nicht zitierfähigen Worten) beschimpft, als Lügnerin und Verbrecherin betitelt, ihr wird die Freundschaft gekündigt und dem Pfalz-Echo das Abo. Ja liebe Leser, das ergibt keinen Sinn, das wissen wir. Wenn Elli dann auflegt, hat sie rote Wangen, Herzrasen und ist für mindestens fünf Minuten nicht mehr ansprechbar. „Ich weiß, ich sollte mir das nicht so zu Herzen nehmen! Aber das ist doch nicht fair! Was sollen wir denn anders machen? Fairer als ein Zufallsprinzip geht es doch gar nicht!“ „Natürlich nicht, Elli! Du wirst es diesen Menschen nie recht machen können!“, entgegnet Günther. Und schon klingelt der Apparat wieder. Dieses Mal schnappt Günther sich den Hörer: „Oh, wirklich? … Das ist schade. … Das tut mir sehr leid, dass Sie dieses Mal kein Glück hatten … Doch, natürlich geht das mit rechten Dingen zu. … Was? Ich bin ein Dummkopf und Sie haben sich extra einen Babysitter für 25 Euro heute Vormittag genommen? … Ach herrje! Wenn das so ist! Dann schenken wir Ihnen natürlich zwei Eintrittskarten, ist doch logisch! Ein Abendessen im Sternerestaurant legen wir noch drauf! … Ich soll Sie nicht veräppeln, meinen Sie? Warum genau rufen Sie nochmal an?“ Es tutet in der Leitung. „Hat sich wohl erledigt“, meint Günther und grinst.

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