(Foto: Freepik)

„Wir schenken uns nichts.“ Wer ist auch schon auf diese Abmachung reingefallen, stand dann mit leeren Händen da und musste in die traurigen Augen seines Partners blicken? Kaum auszuhalten ist das schlechte Gewissen in solch einer Situation – vor allem wenn der Partner einen danach natürlich auch noch wochenlang immer wieder daran erinnert. „Nichts schenken heißt ja nicht, dass ich nicht wenigstens eine kleine Aufmerksamkeit verdient habe. Oder bin ich dir etwa nichts wert?“

Nun ist diese Situation ja quasi ein alter Klassiker. Wer es einmal durchgemacht hat, geht ihr in Zukunft natürlich einfach aus dem Weg und sorgt vor. Mit einem Überraschungsgeschenk, das die Erwartungen („eine kleine Aufmerksamkeit“) so weit übersteigt, dass die Herzensdame vor Entzücken in Ohnmacht fallen muss: ein neues Auto zum Beispiel. Das könnte man einige Wochen vorher schon beim Händler aussuchen, probefahren, konfigurieren, den Preis verhandeln etc. Am Morgen vor dem großen Tag kommt man mit einem Kollegen ins Büro, damit man abends dann das neue Gefährt mit heim nehmen kann. Möglichst spät, dann ist es nämlich schon dunkel, wenn man das Schmuckstück in der Einfahrt parkt. Jetzt muss nur noch dafür gesorgt werden, dass die Frau an diesem Abend das Haus nicht mehr verlässt. Aber das kriegt man schon hin! Perfekter Plan, oder? Auf Wiedersehen, traurige Augen! Auf Wiedersehen, Enttäuschungen! Nehmt das! Von wegen „Wir schenken uns nix!“

Blöd ist dann nur, wenn die Frau aus lauter Frust denkt: „Ich krieg eh wieder nichts geschenkt. Dieses Jahr gönne ich mir einfach selbst was – dann gibt’s auch keine Enttäuschungen.“ Sie plant ihre eigene Überraschung also einige Wochen im Voraus, geht zum Händler ihres Vertrauens, verhandelt, konfiguriert – macht alles bis zum letzten Handschlag klar.

„Frohe Weihnachten, mein Schatz! Dieses Jahr wirst du nicht enttäuscht sein, das verspreche ich dir!“, sagt er, nimmt sie in den Arm und stößt mit ihr an. „Ganz sicher nicht! Das stimmt“, entgegnet sie und präsentiert ihm das Hochglanzprospekt, „mein Traumauto muss nur noch abgeholt werden! Wir können gleich losfahren.“ Und so ist aus „Wir schenken uns nichts“ zwei neue Autos geworden. „Nächstes Jahr wird das wieder anders“, grummelt Herr Schmidt am Tag danach zwischen zwei Bissen Fleischkäsebrötchen.

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