„Wo sind denn jetzt die Nudeln?“

Wahlpfälzer: Rolf Lüchow kam von Schleswig-Holstein in die Pfalz

Rolf Lüchow (links) 1992 als Schützenkönig bei der 800-Jahr-Feier der St. Johanni Toten- und Schützengilde. (Foto: privat)

Godramstein / Itzehoe. In seiner Serie berichtet das PFALZ-ECHO über waschechte „Wahlpfälzer“: Menschen, die aus den unterschiedlichsten Orten – ob in Deutschland, Frankreich oder Brasilien – kommen und hier in der Südpfalz eine neue Heimat gefunden haben.

Rolf Lüchow ist gebürtiger Schleswig-Holsteiner. Geboren und aufgewachsen ist der 69-Jährige in Itzehoe. Vor 21 Jahren zog ihn die Liebe in die Südpfalz. Auch seine jetzige Frau ist Pfälzerin.

Der gelernte Schreiner arbeitete lange Zeit als Berufssoldat, selbstständiger Vermögensberater und ist derzeit Wanderführer für Fastenwanderungen.

„Am Anfang hatte ich Schwierigkeiten, den pfälzischen Dialekt zu verstehen. Mittlerweile nicht mehr. Meine Eltern waren bei meiner damaligen Schwiegermutter zum Dampfnudelessen eingeladen. Als dann die Dampfnudeln serviert wurden, fragte meine Mutter: ‚Ja, und wo sind jetzt die Nudeln?‘“

Die nordische Mentalität sei trocken und ruhig, so Lüchow. „Es ist am Anfang schwierig, Freundschaften zu schließen. Aber wenn man dann eine hat, ist sie fest und hält ein Leben lang – im Gegensatz zur Pfalz Hier ist es leichter, Bekanntschaften zu schließen, aber eine feste Freundschaft ist nicht so einfach.“

Vom ersten Eindruck der Südpfalz sei er überrascht gewesen: „Das Rebenmeer und im Hintergrund der Pfälzer Wald, den ich durch viele Wanderungen kennen und lieben gelernt habe. Genauso, wie den Wein, die Gastfreundlichkeit und das Essen.“

„Ein ausgewogenes mildes Meeresklima – mit Ausnahmen“, so beschreibt Lüchow das Klima seiner alten Heimat. „Das ist das Einzige, das mir fehlt – und das große Wasser!“

Mindestens zweimal im Jahr würde er seiner Heimat einen Besuch abstatten, um die Familie zu sehen, die Luft zu genießen und „auf schwankendem Untergrund, sprich: Schiff, zu stehen.“

In seiner Heimat war Rolf Lüchow in der St. Johanni Toten- und Schützengilde tätig. 1992 fand die 800-Jahr-Feier statt und Lüchow wurde als Schützenkönig gefeiert. „Dort bin ich noch heute Mitglied.“

Aus der Pfalz würde er im Norden den „Schoppen Schorle“ importieren, den Saumagen und den Dampfknopp bzw. Dampfnudel „Obwohl, so etwas Ähnliches gibt es auch im Norden, da heißt es Mehlbüddel auf Plattdeutsch, also Mehlbeutel.“ In die Südpfalz habe er dafür Grünkohl und Labskaus (Anmerk. d. Red. ein Kartoffelgericht mit gepökeltem Rindfleisch, Roter Bete und Matjes) gebracht.

„Ich kann jedem, der als Fremder in die Pfalz kommt, empfehlen, sich nicht Zuhause einzuschließen, sondern auf die Leute zuzugehen, dann hat man schnell Kontakt“, lacht Rolf Lüchow.