Steckbrief

Knut Bewersdorff

Geboren am 27. April 1960 in Stade

Lernte mit 9 Jahren Akkordeon, wechselte dann aber nach 3 Jahren doch lieber zur Gitarre

Gründete seine erste Schülerband mit 14 Jahren

Begann im Alter von 20 Jahren intensiv „Pedal Steel Guitar“ zu lernen

Absolvierte eine Ausbildung zum Musikalienhändler im Hamburger „Music Center No. I“

Kam 1983 zu Truck Stop und wurde hauptberuflich einer der Cowboys der Nation

Hobbies: Modellflug, Hochseeangeln, Programmieren

 

1973 hat alles begonnen. In einem „In-Treff“ in Hamburg St. Pauli hatte Truck Stop in der Ur-Besetzung jeden Monat einen Auftritt. Erst vor Kurzem habt ihr ein neues Album herausgebracht. Was macht den Erfolg der Band aus, dass ihr so lange schon derart erfolgreich sein könnt?

 Knut Bewersdorff: Da gehören natürlich einige Dinge dazu! Einer der Gründe ist sicher, dass wir zeitlose Musik machen, wir sind keinem Trend unterworfen. Zum anderen gehört natürlich auch konstante Arbeit dazu. Man muss immer am Ball bleiben. Gerade in einer Band muss man sich auch immer wieder zusammenraufen und an einem Strang ziehen. Viele Bands dividieren sich dann irgendwann doch auseinander, weil es vielleicht Spannungen gibt oder Interessen auseinander laufen. Wir haben ja riesengroße Einschläge verarbeiten und verkraften müssen, auch gerade mit dem Tod unserer beiden Front-Leute, und haben aber trotzdem beschlossen weiterzumachen. Wir gehen das Projekt jetzt noch mal neu an und verjüngen die ganze Band.

Heute ist Truck Stop eine ganz buntgemischte Truppe, aus jeder Altersklasse ist jemand dabei…

Knut Bewersdorff: Genau! Und das ist auch ganz toll. Mittlerweile haben wir wieder super Vibes in der Band. Da ist nichts Alteingefahrenes mehr drin. Wir sitzen zusammen und reden miteinander, überlegen was wir machen können und wie. Es gibt auch keine nennenswerten Unterschiede zwischen „alten“ Mitgliedern, wie unserem Trommler Teddy Ibing und mir, und ganz neuen Mitgliedern. Es werden alle gleich behandelt. Die allermeisten Fragen werden in der Band entschieden, wir diskutieren und stimmen ab, das funktioniert ganz gut. Man ist als Musiker ja irgendwie immer auch ein Freigeist und möchte dann nicht in einem Projekt sein, wo man von irgendeinem Bandleader geknechtet wird. Das ist nicht das Ziel, das man anstrebt. Bei uns läuft das alles sehr offen, frei und demokratisch. Ich schreibe zum Beispiel hauptsächlich die Bühnenprogramme und schicke das dann als Vorschlag rum. So können alle sich das angucken und es wird per WhatsApp oder E-Mail kurz durchdiskutiert. Und wenn eben sechs verschiedene Meinungen vorhanden sind, dann wird abgestimmt. So funktioniert Demokratie in einer Band.  

Bei meiner Recherche bin ich über den Satz gestolpert „Truck Stop – die erfolgreichste deutsche Country-Band“. Es ist bemerkenswert, wenn man es im Leben so weit gebracht hat!

Knut Bewersdorff: Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, wie viele Tonträger wir genau verkauft haben. Wir haben nächstes Jahr 50-jähriges Jubiläum, das dürften schon so ein paar Millionen sein. Wir existieren über diese lange Zeit hinweg ja nicht nur als Band, sondern wir hatten auch durchgängig immer einen Plattenvertrag. Welcher Künstler kann das schon von sich behaupten?!

Es gab vermutlich auch Zeiten, in denen nicht alles rosig war und ihr euch die Frage gestellt habt, ob ihr überhaupt weiter macht. Du hast vorhin auch den Tod eurer beiden Bandkollegen erwähnt. Wie habt ihr es geschafft, aus solchen Tiefs wieder rauszukommen?

Knut Bewersdorff: Gott sei Dank ist das ja nicht alles auf einmal passiert. Für Geiger und Sänger Lucius Reichling hatten wir, als seine Krankheit bekannt wurde, einen temporären Ersatz gesucht. Nach zwei Monaten überschlug sich das dann aber alles so schnell – das war anfangs gar nicht abzusehen. Wir hatten bereits Andreas Cisek als Ersatz für Lucius im Einsatz und so war klar, dass wir nicht aufhören. Es war sehr tragisch – keine Frage – aber wir sind darüber hinwegkommen. Ungefähr ein Jahr lang ging es weiter, bis Cisco dann aus Altersgründen gekündigt hat. Er hat ganz offiziell bei uns mit einem großen Abschiedskonzert im Kongresszentrum in Hamburg aufgehört. Als er verstorben ist, war er schon ein Jahr nicht mehr bei uns in der Band gewesen. Somit war das für uns dann kein immens großer Einschlag mehr, weil wir uns auf seinen Ausstieg auch mental vorbereiten konnten. Unterm Strich war es natürlich hart, zwei wirklich wichtige Köpfe der Band innerhalb von drei Jahren zu verlieren, aber wenn man dann sein Konzept neu angeht und sich neu ausrichtet, dann kann auch das klappen. Und bei uns hat das Gott sei Dank geklappt.

Ihr hattet viele Neuanfänge, sei es mit Plattenfirmen oder Bandmitgliedern. Da muss man sich doch auch erstmal wieder neu definieren, oder?

Knut Bewersdorff: Nein, es ist ganz normal, dass man immer mal wieder die Plattenfirma wechselt. Da greift, wie ich sagen würde, der altbekannte Spruch „neue Besen kehren gut“. Wenn man zu lange bei ein- und derselben Plattenfirma ist, dann schleifen sich viele Dinge ein und es gehen Interesse, Engagement und Enthusiasmus verloren. Wir auf unserer Seite versuchen, uns das alles zu erhalten und uns immer wieder neu zu entdecken und dann möchte man natürlich, dass das auf der anderen Seite der Arbeit, bei der Plattenfirma, auch erhalten bleibt. Und wenn man merkt, dass da gar nicht mehr so viel kommt, dann muss natürlich auch mal darüber nachgedacht werden, ob nach Ablauf einer Vertragslaufzeit überhaupt neu verhandelt werden soll, oder ob es nicht besser ist, einen neuen Partner zu suchen.    

Die Lieder von Truck Stop waren in den Anfängen auf Englisch. Warum blieb der Erfolg damit aus und erst als ihr auf Deutsch gesungen habt, hat dieser eingeschlagen?

Knut Bewersdorff: Das hat sich aus der Geschichte der Band ergeben. Truck Stop existierte unter einem anderen Namen bereits vor 1973. Damals wurde englischsprachige Countrymusik gemacht, hauptsächlich Coversongs. Das ging auch in die Richtung Rockabilly, es war sehr gemischt. So ergab es sich, dass auf Englisch produziert wurde, über Deutsch wurde überhaupt nicht nachgedacht. Mit der Zeit wurden die herausgebrachten Platten zwar immer besser, aber die Verkäufe gingen zurück. Der damalige Produzent meinte, dass etwas verändert werden muss und so wurde das Ganze auf Deutsch versucht. Wenn das nicht geklappt hätte, hätte man immer noch aufhören können. Aber gleich die erste deutsche LP war ein voller Erfolg. Und so nahm die Band Truck Stop wie sie heute bekannt ist – nämlich für deutschsprachige Countrymusik – ihren Weg.

Der Mauerfall 1989 hat dann für Truck Stop noch sein übriges getan, denn der Osten Deutschlands etablierte sich als absolute Country-Hochburg.

Knut Bewersdorff: Da hat Truck Stop auf einen Schlag 16 Millionen potenzielle Fans dazu gewonnen. Durch die deutschen Texte sind wir natürlich, was den Plattenverkauf angeht, ein bisschen auf die deutschsprachigen Länder beschränkt. Richtig international unterwegs sein kann man nicht. Aber mal ehrlich: Es ist alles schon groß genug, dass man gut davon leben kann. Und als der Osten dazu kam, war das natürlich eine tolle Fügung.

Dein Einstieg in die Band war etwas holprig. Zu dieser Zeit lief es nicht ganz so gut und du hattest einen steinigen Anfang. Was ist damals passiert?

Knut Bewersdorff: Vorsichtig ausgedrückt kann man es schon so sagen, dass mir anfangs einige Steine im Weg lagen. Mein Vorgänger, Rainer Bach, war damals neben Lucius Reichling einer der Hauptsänger in der Band. Und als ich dann als ganz junger Kerl nach den ersten zehn Jahren dazu kam, gab es natürlich einen Aufschrei. Durch konstante Arbeit habe ich mich dann aber auch bei den Fans etabliert und über die Zeit haben alle gemerkt, dass ich auch was kann. Das ist aber schon lange kein Thema mehr und ich bin mittlerweile viermal so lange dabei wie Rainer Bach (lacht).

Wie entstand denn der Name Truck Stop?

Knut Bewersdorff: Früher hieß das Projekt „Schroeder goes Country“, wie der Schroeder von den Peanuts. Unser alter Gitarrist Erich Doll war in den Vereinigten Staaten im Urlaub und brachte den Namen „Truck Stop“ mit zurück. Er hatte erklärt was der Name in den Staaten bedeutet, dass er natürlich auch mit der Musik, die sie machen wollten, übereinstimmte, und so hat die Band entschieden, sich so zu nennen.

Welches Event blieb dir denn am meisten im Gedächtnis? Was war am Besondersten?

Knut Bewersdorff: Hauptsächlich bleiben die ganz besonders guten und die ganz besonders schlechten Erlebnisse im Kopf (lacht). Und Gott sei Dank kann ich sagen, die ganz besonders schlechten sind rar gesät. Bei den ganz besonders guten sind das so die big Point Konzerte. Gerade vor Kurzem  haben wir ein mega Konzert auf dem Alpen Flair Festival in Südtirol in der Nähe von Bozen gespielt, das war so fantastisch! Wir sind auf die Bühne und innerhalb von zwei, drei Songs hat sich der Bereich vor der Bühne gefüllt und war bis hinten rappelvoll. Das tut natürlich gut! Für uns ist im Moment eigentlich alles fantastisch. Wir waren ja zwei Jahre lang im Grunde genommen eingeschlossen. Man merkt aber in der Tat auch, dass die Leute hungrig sind, sie wollen das Gleiche wie wir, sie wollen endlich mal wieder ein bisschen Spaß haben. Und da haben sie auch das Recht zu. Und übrigens, bevor ich es vergesse – für das kommende Jahr 2023 wird gerade eine große Jubiläumstournee „50 Jahre Truck Stop“ geplant. Die Tournee-Konzerttermine werden in den nächsten Wochen auf unserer Website unter www.truck-stop.de veröffentlicht. Diese Tournee sollte kein Truck Stop Fan verpassen.

In diesem Jahr ist fast alles wieder wie vor Corona. Ihr habt einen vollen Terminkalender. Worauf freust du dich am meisten?

Knut Bewersdorff: Unsere Tournee haben wir ja abgespielt, letzten Winter hatten wir eine kleine Weihnachtstournee. Da konnten wir von den geplanten 18 Konzerten leider nur acht spielen. Der Rest wurde in die Frühjahrstournee geschoben, die natürlich auch schon zwei mal verschoben wurde. Im März haben wir also angefangen zu spielen. Allerdings konnten wir aber auch nur an einem Termin auftreten, denn dann gab’s Corona in der Band. Im Mai haben wir dann alle Termine abgespielt, da waren wir viel unterwegs. Und nach den zwei Jahren war das für uns der Rundum-Befreiungsschlag. An den Wochenenden folgen jetzt auch größere Sachen. Wir spielen in Büsum auf einem Fest, das heißt Kutterregatta, am nächsten Tag geht es dann auf den Nürburgring, da dürften sicherlich auch 50- bis 60.000 Leute stehen. Dann steht noch ein Countryfestival in der Schweiz an, auf dem wir seit circa dreieinhalb Jahrzehnten spielen und auf der Rückreise machen wir dann Halt in einer ganz kleinen Location. Truck Stop hautnah – ein Auftritt so wie wir es früher gemacht haben. Die Idee kam mir eine Tages und gefiel den Jungs, so dass ich ein Konzept dazu ausgearbeitet habe. Auf der Rückreise aus der Schweiz werden wir also in Sinzheim in einem kleinen Saal eines Gasthofs spielen. So haben wir das Publikum direkt vor dem Gesicht, das ist so geil! Da ist immer eine super Stimmung. Darauf freuen wir uns auch sehr. Denn je größer das Konzert ist, desto weiter weg sind die Leute. Man kann den Menschen nicht mehr ins Gesicht schauen, erkennt nur noch die „Großstimmung“. Bei so einem Hautnah-Konzert ist einfach das Publikum viel näher dran, man bekommt sogar mit, falls mal jemand anfangen sollte zu weinen, weil er von einem Song so ergriffen ist.  

Anfang September seid ihr beim Stadtfestival in Kandel auf der Bühne. Schon mal in der Pfalz gewesen?

Knut Bewersdorff: Ja, wir kommen endlich mal wieder in die Pfalz. Früher waren wir öfter mal dort. Wir haben immer in der Nähe von Kaiserslautern bei einem Bulldogg-Treffen eines Bekannten gespielt. Durch diese Auftritte kamen auch immer mal wieder Buchungen in der Pfalz zustande, aber in den letzten Jahren ist das ein bisschen seltener geworden. Deshalb nehme ich an, dass das Konzert in Kandel ganz toll wird, weil wir eben lange nicht mehr in der Gegend waren.

 

Verlosung

Das PFALZ-ECHO verlost 3×1 Tickets für Truck Stop auf dem Stadtfestival in Kandel am Freitag, 2. September. 

Interessierte Leser, die gerne gewinnen möchten, schreiben bis Mittwoch, 20. Juli, um 14 Uhr, mit dem Betreff „Truck Stop“ an redaktion@pfalz-echo.de. 

Die Gewinnauslosung erfolgt per Zufallsprinzip. 

Jede E-Mail kann nur einmal gewinnen.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. (red)