Saliha „Sally“ Özcan: „Der soziale Erfolg ist der Wichtigste!“

Unter vier Augen: Sally über Vorbilder, davonlaufende Torten und soziales Engagement

Saliha Özcan, besser bekannt als „Sally“, begann vor sechs Jahren mit Koch- und Backvideos, die sie auf YouTube postete. Mittlerweile ist sie nicht nur im Internet, sondern auch im TV zu sehen, hat ihre eigene Fernsehsendung und dreht mit ihrem Filmteam im eigenen Kochstudio in Waghäusel. Am Samstag, 27. Oktober, backt sie live im Frey Küchenzentrum in Kandel. Für PFALZ-ECHO-Redakteurin Regina Teutschländer hat sie sich zwischen Fotoshooting und Kochshow Zeit für ein Interview genommen.

Sie sind Food-Bloggerin, haben einen eigenen YouTube-Channel, veröffentlichen Kochbücher und sind im TV zu sehen. Zudem kochen und backen Sie bei besonderen Veranstaltungen. Habe ich etwas vergessen? Worin fühlen Sie sich am wohlsten?

Sally: Ich bin auch noch Mama von zwei Töchtern sowie Ehefrau und Hausfrau. Und eigentlich auch Grundschullehrerin. Ich habe Lehramt studiert und habe aber immer schon gerne gekocht und gebacken. Irgendwann habe ich festgestellt, dass es mir Spaß macht, anderen etwas beizubringen und es gab auch keine guten Anleitungen im Internet. Deshalb habe ich auch den YouTube-Channel getartet. Eigentlich mache ich alles gerne im Wechsel – das ist sehr abwechslungsreich. Seit drei Jahren bin ich jedoch keine Lehrerin mehr, weil es auch zeitlich nicht mehr geht.

Möchten Sie einleitend etwas über sich selbst erzählen? 

Sally: Ich bin dieses Jahr 30 geworden und mein Mann Murat und ich sind seit zehn Jahren verheiratet. Wir haben uns in Waghäusel kennengelernt und sind auch hier geblieben. Meine Tochter Samira habe ich mit 23 Jahren bekommen und trotzdem nebenbei weiterstudiert und den YouTube-Kanal geführt.  An der Schule, an der ich arbeiten wollte, gab es damals nicht gleich eine freie Stelle für mich. Daher habe ich beschlossen, mich erst mal ein halbes Jahr auf meinen YouTube-Kanal zu konzentrieren. Den Sprung zurück in den Lehrerberuf habe ich einfach zeitlich nicht mehr geschafft. Der YouTube-Kanal ist gewachsen und hat immer mehr Spaß gemacht.  

Wie sind Sie zum Kochen und Backen gekommen? Was macht Ihnen besonders viel Spaß dabei?

Sally: Die Leidenschaft zum Kochen habe ich von meiner Mama geerbt. Sie hat auch schon immer täglich gekocht – wir waren eigentlich nie in einem Restaurant, weil es bei meiner Mutter so gut geschmeckt hat (lacht). Meine Mutter hat mir diese Leidenschaft vorgelebt. Schon als Kind hat es mir immer Spaß gemacht, meiner Mutter zu helfen. Sie hat mich auch darin bestärkt, Rezepte auch mal alleine auszutesten. Das wurde dann zu meinem Hobby. Das Backen habe ich mir selbst beigebracht.

Auf VOX hat die Bloggerin eine eigene TV-Show. (Foto: Marius Stark)

Bleibt bei Ihrem vollen Terminkalender noch genügend Zeit für Familie und Freizeit? Wie verbringen Sie Ihre Freizeit am liebsten?

Sally: Freizeit habe ich tatsächlich wenig oder gar nicht. Für meine Familie bleibt natürlich noch genügend Zeit. Ich versuche zweimal in der Woche zum Sport zu gehen.

Seit November 2017 haben Sie Ihre eigene Fernsehsendung bei VOX „Einfach Sally“. Wie kam es dazu?

Sally: Wir wurden eigentlich schon relativ früh vom Fernsehen angesprochen. Die wollten aber, dass ich für die Fernsehsendung nach Köln oder München komme. Das wollte ich aber nicht, weil ich hier meine Familie hatte. Irgendwann kam ein Fernsehsender, der sagte, bleibt, wo ihr seid, aber wir wollen eure Vermarktungsrechte. Das hätte bedeutet, dass ich nur noch bestimmte Marken oder bestimmte Küchenmaschinen  benutzen darf. Aber auch das passte nicht zu mir, denn ich benutze immer das, was ich am besten finde! Dann kam VOX  und hat gesagt: „Mach einfach was du möchtest und wo du es möchtest – bleib einfach Sally!“  Die erste Sendung haben wir „Sally backt“ genannt. Da ging es um Fondant- und Motivtorten. Bei der zweiten Sendung haben wir uns dann für den Titel „Einfach Sally!“ entschieden. Jetzt machen wir alles hier zuhause und die Familie macht mit – es ist echt schön!

Wie haben Sie es – trotz starker Konkurrenz – geschafft, sich nach oben zu kämpfen? Was unterscheidet Sie z. B. von anderen Fernsehköchen und Food-Bloggern?

Sally: Mein Mann sagt eigentlich immer, dass wir keinen Mitbewerber haben. So, wie wir das machen, macht es gar kein anderer. Die Fernsehköche gab es ja schon vor meiner Zeit. Die Köche haben auch tatsächlich Koch gelernt. Da weiß jeder, der kann kochen, weil er es ja gelernt hat – oder sie kann backen, weil sie Konditorin ist.  Bei mir ist das anders: Ich habe Lehramt studiert und habe mir das Backen selbst beigebracht. Ich glaube, dass sich die Leute mit mir eher identifizieren können.  Mein Mann steht immer hinter mir und unterstützt mich in allem. Bei uns stand auch nie das Geld im Vordergrund, sondern das Produkt. Wir gehen unseren Weg, haben einen eigenen Online-Shop. Wir haben immer unser eigenes Ding gemacht und waren immer risikobereit. Ich habe beispielsweise meinen ersten Mitarbeiter eingestellt und konnte ihn von den YouTube-Einnahmen gerade mal so bezahlen. Für mich blieb damals nichts hängen. Aber ich wusste, wenn ich ihn bezahle, dann können wir mehr Videos drehen und dann würde mit der Zeit auch für mich etwas herausspringen. So ging es drei Jahre lang. Nebenher habe ich ja noch als Lehrerin gearbeitet und hatte ja mein festes Gehalt. Alles, was reinkam haben wir gleich wieder investiert.

Was kochen oder backen Sie am liebsten?

Sally: Das ist ganz unterschiedlich. Ich denke mir vorher etwas aus, was zur Saison, zur Jahreszeit oder zu einem bestimmten Anlass passt. Wenn ich aber am Drehtag keine Lust auf dieses Rezept habe, dann funktioniert es auch nicht. Ich muss Hunger darauf haben, nur dann klappt es auch. Ich koche sehr abwechslungsreich: mal eine Torte und mal etwas Herzhaftes.

Entwickeln Sie alle Rezepte selbst? Woher bekommen Sie die Anregungen dazu?

Sally: Ja. Aber ich frage auch oft meine Zuschauer, was sie als nächstes sehen wollen. Da bekommt man dann ganz viele Ideen geliefert. Auch Nachfragen nach bestimmten Spezialitäten.  Mittlerweile haben wir schon über 1.000 Videos gemacht und ich habe ein recht großes Rezeptspektrum.

Sie haben auch einen eigenen Online-Shop und haben eine eigene Produktlinie entwickelt.

Sally: Ja, genau. In „Sallys-Shop“ bieten wir eine eigene Produktlinie an. Wenn ich in der Küche mal ein Problem habe, versuche ich, eine Lösung zu finden. So entwickle ich oftmals aus einer Idee ein neues Produkt wie beispielsweise Tortenringe, in denen man auch gleich backen kann. Das spart Zeit und Material.

Haben Sie ein Vorbild?

Sally: Ich habe immer gedacht, dass ich kein Vorbild habe. Aber vor kurzem habe ich Dietmar Hopp, Mitbegründer des IT-Unternehmens SAP, kennengelernt. Er hat jetzt nichts mit kochen und backen zu tun, ist aber ein erfolgreicher Geschäftsmann, der Gutes tut. Er hat eine Stiftung gegründet und hilft ganz vielen Kindern. Das ist für mich ein richtiges Vorbild! Ich finde, wenn man etwas Erfolgreiches macht, muss man auch etwas zurückgeben! Es gibt ja einen finanziellen Erfolg und einen sozialen Erfolg und ich finde der soziale Erfolg ist der Wichtigste!

Sie haben gerade eben 5.000 Euro gespendet für die christliche Kirchengemeinde St. Jodokus und 5.000 Euro für die Moschee Waghäusel. Wie kam es dazu?

Sally: Wir wollen einfach für alle da sein. Wir reden nicht übereinander sondern miteinander. Und wir haben uns dafür entschieden, beide Glaubensgemeinschaften zu unterstützen, weil beide zu unserer Gemeinde zählen.

Gibt es so etwas wie die schönsten Momente in Ihrer Karriere? Wenn ja, welche waren das?

Sally: Oh, es gibt so viele schöne Momente. Die Geburt meiner Kinder zählt beispielsweise dazu. Auf Messen und Veranstaltungen lerne ich auch gerne Zuschauer kennen. Einmal wurde ich auf ein kleines Mädchen aufmerksam gemacht, welches Leukämie hatte. Ich habe ihr eine persönliche Video-Botschaft nach Hause geschickt, weil sie sehr schwach war und im Bett liegen musste. Ihr Vater schickte mir danach ein Foto und erklärte, dass sich seine Tochter so gefreut habe, dass sie aus dem Bett aufgestanden sei und das erste Mal seit Wochen gesprochen habe. Wir haben auch einen Spendenaufruf gestartet. Durch meine Fans konnte ihr so eine sehr kostspielige Therapie ermöglicht werden.

Redakteurin Regina Teutschländer durfte Sally in ihrer Showküche in Waghäusel besuchen. (Foto: Marius Stark)

Haben Sie auch einmal etwas live gekocht oder gebacken, das misslungen ist? Was war das und wie konnten Sie die Situation retten?

Sally: Ach, ich denke, wenn mal etwas schiefgeht, zeigt das ja auch nur, dass man menschlich ist. In einem Video habe ich mal vergessen, ein Bindemittel in eine Torte zu geben, dann ist sie einfach davongelaufen. Ich habe dann ein Löffeldessert daraus gemacht. (lacht) Das passiert, so etwas schneiden wir dann auch nicht raus.

Wenn Sie auf die Anfänge Ihrer Karriere zurückblicken, was würden Sie anders/genauso machen?

Sally: Ich glaube, ich würde alles wieder genau so machen. Ich habe damals mit einer kleinen Digitalkamera ohne Stativ angefangen. Das erste Video habe ich viermal neu gedreht, weil es mir nicht gefallen hat. Danach habe ich mir gleich eine Kamera mit Stativ gekauft. Es war ein schöner Weg – von unten nach oben. Ich würde auch jede Entscheidung wieder genauso treffen.

Waren Sie schon in der Pfalz unterwegs bzw. was kennen Sie von unserer Region? 

Sally: Wir waren neulich auf einem Weingut in der Südpfalz und haben dort eine Sendung gedreht. Wenn ich in der Pfalz bin, muss ich auch immer Dampfdudeln essen. Die liebe ich und habe ich auch schon selber gemacht!

Welche Projekte stehen bei Ihnen in näherer Zukunft an? Worauf dürfen sich Ihre Fans freuen? 

Sally: Wir haben momentan alle VOX-Sendungen abgedreht. Das sind insgesamt zwölf Folgen. Zudem habe ich noch einige Live-Auftritte, beispielsweise bin ich am 27. Oktober in Kandel im Frey Küchenzentrum. Da backe ich dann live vor Publikum. Ein neues Backbuch ist im nächsten Jahr auch geplant.

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