„Kenne ich nicht, brauche ich nicht!“ oder „neumodische Ferz“ – mit solchen oder ähnlichen Aussagen tun oftmals vor allem die älteren Mitglieder der Gesellschaft Smartphone, Tablet und Co. ab. Doch die Digitalisierung der Welt schreitet immer weiter voran, und bei vielen Senioren macht die Berührungsangst vor dem technischen Neuland Platz für die Neugierde, Teil der digitalen Welt zu werden.

Das Internet hat die Welt durchdrungen. Überall verweisen Internetadressen und Links auf weitergehende Informationen; Hintz und Kuntz sprechen über das World Wide Web.
Unter dem Motto „Senioren ins Internet“ hat das Seniorenbüro-Ehrenamtsbörse Landau e. V. nun auf das wachsende Bedürfnis der älteren Gesellschaftsmitglieder, IT-fähig zu sein, reagiert und in Zusammenarbeit mit Diakonissen Bethesda das Projekt Digital-Botschafter eingeführt.

„Chätten?“, „sörfen?“, „skeipen?“ und „Äps?“ – viele dieser Begriffe haben die Teilnehmer des Projekts Digital-Botschafter in Landau schon einmal gehört, aber meist stellen sie für die Senioren nur böhmische Dörfer dar. Die Digital-Botschafter Birgit Pfirrmann, Karl Schupp und Kurt Leiner haben sich zum Ziel gesetzt, den interessierten Senioren die Welt des Internets zu erklären. „Wir wollen mit Ihnen gemeinsam die Hürden dieser abstrakten Online-Sprache überwinden, dabei als Übersetzer fungieren und Inhalte anschaulich vermitteln“, erklärt Birgit Pfirrmann den zahlreich erschienenen Senioren bei der Auftaktveranstaltung.

In einem zweiwöchigen Rhythmus – immer am ersten und dritten Montag eines Monats, jeweils von 10 bis 12 Uhr – treffen sich die Teilnehmer mit den drei Digital-Botschaftern in Diakonissen Bethesda, in der Bodelschwinghstraße 27, in Landau. „Wir wollen auf die individuellen Probleme und Bedürfnisse der Senioren eingehen“, erklärt Pfirrmann. „Jeder kommt mit anderen Fragen zu uns. Während der eine lernen möchte, Online-Formulare auszufüllen, um sich zeitaufwendige Behördengänge zu ersparen, interessiert sich sein Sitznachbar vielleicht für Koch- oder Backrezepte und wie diese in dieser schier unendlichen Welt des Internets gefunden werden können. Und der nächste möchte sich eine Wanderroute durch den Pfälzer Wald herunterladen.“

Für den Großteil der Teilnehmer ist das WWW absolutes Neuland. Manche haben zu der Auftaktveranstaltung ein eigenes Smartphone oder Tablet mitgebracht – ohne jedoch genau zu wissen, wie es eigentlich funktioniert. „Schwerpunkt war eindeutig der Umgang mit Smartphone und Tablet – wie bediene ich die Geräte, was kann ich damit überhaupt machen – aber auch die Frage, wie die Senioren ins Internet kommen und wie sie es für sich nutzen können“, zieht Kurt Leiner eine erste Bilanz des Treffens. „Sorgen und Ängste konnte ich bei den Teilnehmern nicht ausmachen, obwohl es sich bei diesen überwiegend um Anfänger handelte. Ganz im Gegenteil: Es war eine große Neugier vorhanden. Teilweise waren sie sogar ungeduldig, wann es endlich ‚an das Gerät geht‘.“

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„Ich fahre viel mit dem Bus und dem Zug. Wenn Bus oder Bahn aber ausfallen, stehe ich, gerade jetzt im Winter, in der Kälte“, berichtet eine Teilnehmerin. „Wenn ich aber schon von daheim aus gucken kann, ob es Verspätungen oder Ausfälle gibt, kann ich mich über eine neue Route informieren – und erspare mir damit Ärger und kalte Wartezeiten.“ „Das geht mir genauso“, meldet sich ein weiterer Teilnehmer zu Wort. „Mit einem Smartphone kann ich schnell gucken, wo es Restaurants in der Nähe gibt, was es dort zu essen gibt und ob diese überhaupt geöffnet haben.“

Die Technik wird immer schneller und komplexer, das WWW begegnet einem – ob man will oder nicht – an jeder Ecke. „Heutzutage wird in Zeitungsartikeln, im Fernsehen oder auch auf Werbeplakaten für weiterführende Informationen auf eine Internetadresse verwiesen“, sagt Karl Schupp. „Ohne Onlinekenntnis sehen sie dann ganz schnell alt aus.“ Und Birgit Pfirrmann fügt hinzu: „Wenn die Teilnehmer irgendwann einmal sagen ‚Surfen im Internet ist für mich etwas ganz normales‘, haben wir Digital-Botschafter unser Ziel erreicht.“
Kurt Leiner hat sich für seinen Ruhestand als Aufgabe das ehrenamtliche Arbeiten vorgenommen. Als Ingenieur der Elektrotechnik ist Leiner mit der Digitaltecnik aufgewachsen. „Bisher hatte ich für mich nicht das richtige Thema gefunden, aber die Arbeit als Digital-Botschafter entspricht meinem Interesse in vollem Umfang“, sagt er. „Ich möchte mein Wissen weitergeben. Die Seniorenarbeit sehe ich auch in dieser Hinsicht als eine notwendige und wichtige Aufgabe.“

Interessierte Senioren, die an dem Projekt teilnehmen möchten, aber noch nicht über ein eigenes Smartphone, Tablet oder einen Laptop verfügen, können zunächst mit einem bereitgestellten Gerät üben. Die Teilnahme ist übrigens kostenlos. (pdp)

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