Jeder kann Leben retten

Unter dem Motto „Prüfen, Rufen, Drücken“ informieren Rettungskräfte über das Handeln im Ernstfall und wie jeder Bürger zum Lebensretter wird

Die Formel, um im Ernstfall ein Leben zu retten, ist ganz einfach. (Foto: stm)

Im Notfall zählt jede Sekunde: Bei der Aktion „Ein Leben retten. 100 Pro Reanimation“ wollen Deutschlands Anästhesisten unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Gesundheit das Selbstvertrauen der Bürger in ihre eigenen Fähigkeiten als Ersthelfer stärken – für mehr gerettete Leben. Deswegen fand nun zum vierten Mal die „Woche der Wiederbelebung“ statt, bei der sich der DRK-Landau, das Vinzentius Krankenhaus, das Städtische Klinikum und der DRK-Rettungsdienst Südpfalz beteiligten. Die Woche gipfelte in einem Aktionstag, bei dem sich Interessierte die lebensrettenden Maßnahmen unter dem Motto „Prüfen, Rufen, Drücken“ zeigen lassen und selbst ausprobieren konnten. Fast jeder hat schon einmal einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert, sei es in der Schule, auf Fortbildungen oder zumindest im Rahmen der Führerscheinprüfungen. Doch Hand auf‘s Herz: Wer ist sich im Ernstfall wirklich der Schritte und Vorgehensweise sicher?

„Die Menschen haben häufig Angst, etwas falsch und möglicherweise sogar schlimmer zu machen. Diese Angst ist unbegründet! Nichts tun ist in jedem Fall die schlechtere Entscheidung. Und das Beste was mit einem beherzten Eingreifen passieren kann: Ein Leben wird gerettet“, informiert Jürgen See, Kreisgeschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Südliche Weinstraße.

Die einfache Formel „Prüfen, Rufen, Drücken“ soll potenziellen Ersthelfern den Ablauf einer Herz-Lungen-Wiederbelebung (HLW) schnell und einfach in Erinnerung rufen. Gleichzeitig soll mit der Aktion Verständnis in der Bevölkerung geschaffen, Unsicherheiten behoben und Mut zur Hilfe verbreitet werden.

Im Rahmen dieser „Woche der Wiederbelebung“ informierten die Experten an Schulen sowie Betrieben und starteten eine Mitmachaktion mit Trainingspuppe auf dem Rathausplatz Landau. Jürgen See ist mit dem Ablauf zufrieden: „Wirklich viele Leute interessieren sich für das Thema und wir haben tolle Resonanzen bekommen. Wenn die Menschen sich im Notfall trauen, zu handeln, erhöht das die Überlebenschancen unwahrscheinlich. Es kann bei einer HWL nichts passieren, was den Zustand eines Patienten deutlich verschlechtern würde, aber es gibt viel zu retten. Diese Aufklärungsarbeit ist die einzige Möglichkeit, wie mehr Menschen überleben können.“
Wird eine bewusstlose Person aufgefunden, gibt es die folgenden drei Schritte zu beachten:
Zunächst sollte die Person angesprochen und gegebenenfalls vorsichtig an den Schultern geschüttelt werden. Weiterhin muss die Atmung kontrolliert werden. Ist diese noch vorhanden oder auffällig verändert? Im nächsten Schritt muss der Notruf verständigt werden.

(Foto: stm)

Es muss der Notruf der 112 gewählt werden, bevor mit der Herz-Lungen-Belebung begonnen werden kann. Einmal begonnen, sollte diese nämlich nicht mehr unterbrochen werden. Was viele nicht wissen: „Wurde der Notruf gewählt und die Rettung informiert, bleibt ein Mitarbeiter bis zum Eintreffen der Rettungskräfte in der Leitung. Keiner wird alleine gelassen, man hat durchgehend einen Experten am Telefon, der unterstützt, bis die Hilfe eintrifft!“, darauf weist Jürgen See hin. In jedem Fall hat der Selbstschutz zwar Priorität, jedoch ist das Hilfe-Rufen eine Bürgerpflicht und bei Nichtbeachtung ein Unterlassungsdelikt, der „im schlimmsten Fall jemanden das Leben kostet“, so der Kreisgeschäftsführer weiter.

Zunächst sollte der Brustkorb des Bewusstlosen frei gemacht werden – sofern möglich. Mit einem Handballen in der Mitte der Brust (auf der Linie der Brustwarzen) und der anderen Hand darüber, wird schnell, fest und rhythmisch Druck ausgeübt. Dabei sollte das Brustbein etwa fünf bis sechs Zentimeter eingedrückt werden. Insgesamt sollte bei Erwachsenen 100 bis 120 Mal pro Minute gedrückt werden. Entgegen der verbreiteten Meinung, ist eine Mund-zu-Mund-Beatmung nicht verpflichtend, sollte aber bestenfalls vorgenommen werden, sofern sie dem Ersthelfer zumutbar ist. Dann ist ein Verhältnis von 30 mal Drücken auf zwei Beatmungen empfohlen. Auch wenn es zunächst makaber anmuten mag, gibt beispielsweise der Takt des bekannten Disco-Songs „Stayin‘ Alive“ von den Bee Gees aus dem Jahre 1977 einen geeigneten Rhythmus für die Herzdruckmassage vor. In jedem Fall sollte die Maßnahme bis zum Eintreffen der Rettungskräfte nicht unterbrochen werden.

Es ist verständlich, dass die Hemmschwellen groß sind und sich niemand wünscht, das theoretische Wissen tatsächlich auch praktisch umsetzen zu müssen. Dennoch sollte jeder hoffen, dass im Ernstfall die Menschen auf diese Formel und ein Quäntchen Mut zurückgreifen – möglicherweise hängt irgendwann das eigene Leben davon ab. (stm)

Weitere Informationen unter www.einlebenretten.de.

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