Pascal Ackermann ist ein erfolgreicher deutscher Radrennfahrer und ein großes Sprinttalent. 2017 startete der 24-jährige Minfelder seine Profi-Karriere beim Team Bora-hansgrohe. Am 1. Juli gewann er den Deutschen Meistertitel beim Straßenrennen der Radsport-DM in Einhausen.

Du warst bei unserem letzten Gespräch 2016 noch Sportsoldat in der Sportfördergruppe. Was hat sich seither bei dir getan?

Pascal Ackermann: Ich bin danach in das Team von Bora-hansgrohe gekommen und von da an war ich dann Berufssportler.

Du bist also seit Anfang 2017 Vollzeitradprofi?

Pascal Ackermann: Ja, genau (lacht).

Du bist neuer Deutscher Meister, da du am 1. Juli bei der Radsport-DM in Einhausen das Straßenrennen der Elite gewonnen hast. Wie hast du das Rennen aus deiner Sicht gesehen?

Pascal Ackermann: Es war relativ schwer einzusehen, wer am Ende gewinnt. Es gab keinen einzelnen haushohen Favoriten, sondern verschiedene einzelne. Von der Strecke her war das Rennen relativ leicht. Lediglich das Finale war entscheidend. Mein Team hat wirklich einen perfekten Job gemacht und sie haben alles für mich gegeben und von daher hat am Ende alles gepasst.

Redakteurin Regina Teutschländer traf Pascal Ackermann. (Foto: juhe)

Was hast du gedacht und wie hast du dich gefühlt, als du den Titel gewonnen hast?

Pascal Ackermann: Ich habe vorher schon so ein bisschen auf das Trikot geschielt, muss ich zugeben. Aber dass dann wirklich alles so perfekt läuft und dass es wirklich zum Sieg kommt, hätte ich nicht gedacht. Das ist schon ein cooles Gefühl, weil ich nun bei jedem Rennen – also noch ein Jahr lang – das Trikot fahren darf. Das ist schon ein unbeschreibliches Gefühl! Auch im Fernsehen sieht man jetzt direkt: „O.K., das ist der Deutsche Meister!“ Man wird besser gesehen und hat nun auch einen besseren Ruf im Feld.

Kannst du jetzt, mit ein paar Tagen Abstand, realisieren, dass du Deutscher Meister bist?

Pascal Ackermann: Ja, so ein bisschen. Heute Morgen ist ein Paket mit den ersten Trikots gekommen. Das ist schon ein gutes Gefühl.

Was bedeutet das für dich?

Pascal Ackermann: Das ist auf jeden Fall der prestigeträchtigste Sieg, den ich gewonnen habe, dadurch, dass ich dieses Trikot nun ein Jahr lang fahren darf. Es gibt viele gestandene Profis, die noch kein Meistertrikot haben wie Marcel Kittel oder John Degenkolb. Von daher ist das schon ziemlich gut, dass ich das Trikot jetzt habe.

Du fährst derzeit für das Team Bora-hansgrohe. Wie ist es dort? Wie viele seid ihr?

Pascal Ackermann: Wir sind 27 Mann aus komplett verschiedenen Ländern in diesem Team. Und auch den aktuellen Weltmeister Peter Sagan haben wir im Team.

Wie sieht derzeit ein typischer Tag für dich aus? 

Pascal Ackermann: In der Zeit der Trainingsphase ist es etwas ruhiger. Dann treffe ich mich auch mit Freunden, damit ich nicht alleine trainieren muss. Ich stehe morgens auf, frühstücke, trainiere und komme wieder heim. Danach mache ich entweder noch Krafttraining oder Gymnastik und dann ist der Tag auch schon wieder fast vorbei.

Bist du oft unterwegs?

Pascal Ackermann: Ich habe in diesem Jahr 60 Renntage. Das werden jetzt immer mehr. Im nächsten Jahr werden es ca. 80 sein. Das merkt man dann schon.

Und in welche Länder zieht es dich dann?

Pascal Ackermann: Wir sind auf Rennen in der ganzen Welt unterwegs. In Deutschland fahren wir die wenigsten Rennen, in Belgien dafür um so mehr. In diesem Jahr war ich auch schon in Argentinien und Abu Dhabi, letztes Jahr in Kanada und China. Es wird eigentlich immer internationaler.

Wenn ich jetzt an Abu Dhabi denke: Kannst du dich relativ schnell auf ein anderes Klima einstellen?

Pascal Ackermann: Nach zwei, drei Tagen, ist man an das Klima gewöhnt. Darauf muss sich ja jeder einstellen. Keiner hat dadurch einen Vorteil, denn fast alle Radrennsportler leben in Europa. Von daher hat jeder die gleichen Voraussetzungen und das macht es wieder leichter für uns.

Wie kamst du zum Radsport?

Pascal Ackermann: Zum Radsport kam ich durch meine Eltern und Geschwister. Meine Großeltern sind schon gefahren, meine Eltern sind beide gefahren und meine Geschwister sind gefahren – eine richtige Radsportfamilie. Also: Ich hatte also keine Wahl und musste quasi auch (lacht)! Aber ich habe es natürlich gerne gemacht. Ich wurde nicht dazu gezwungen.

Seit wann bist du in diesem Sport aktiv?

Pascal Ackermann: Also, angefangen habe ich bereits 2000 als ganz kleiner Junge. Eine Art Rennlizenz habe ich seit 2001. Aber so richtig professionell erst seit fünf, sechs Jahren. Vorher war es mehr als Hobby und zum Spaß.

Wer hat dich bisher am meisten unterstützt und gefördert?

Pascal Ackermann: Ganz klar: meine komplette Familie. Beispielsweise die Kosten der Räder haben sie übernommen. Das sind ja unzählige Dinge, die da früher angefallen sind. Alleine schon jedes Wochenende die zwei, drei Stunden zum Rennen und wieder heimfahren. Das Wochenende ist immer komplett für den Radsport draufgegangen.

Ist das immer noch so?

Pascal Ackermann: Renntechnisch natürlich nicht mehr so, weil jetzt das Team einspringt. Aber beim Training ist die Unterstützung immer da. Wenn ich zum Beispiel wohin gebracht werden muss, egal um welche Uhrzeit, dann sind immer alle da!

(Foto: teu)

Gab es zu Beginn deiner Laufbahn irgendwelche Vorbilder? 

Pascal Ackermann: Udo Bölts war früher ein großes Vorbild für mich, da er ja auch aus der Gegend kommt. Und dann natürlich auch so jemand wie Erik Zabel oder Jan Ullrich, die den Radrennsport groß gemacht haben.

Gibt es immer noch welche?

Pascal Ackermann: Mein größtes Vorbild ist momentan Peter Sagan, der auch bei uns im Team fährt und der aktuelle Weltmeister ist. Man fängt natürlich auch an, nicht mehr so auf die großen Erfolge zu schauen, sondern auf die Persönlichkeiten. Ich habe zwei deutsche Teamkollegen, die mir den Start ins Team leicht gemacht und mich in alle Richtungen unterstützt haben. Die sind für mich eigentlich die größeren Vorbilder.

Hattest du in deiner sportlichen Karriere irgendwelche Rückschläge wie etwa Verletzungen oder andere sportliches Tiefs zu durchschreiten?

Pascal Ackermann: Ja, mit meinem Knie hatte ich schon öfter Probleme. Nach einem Sturz bei der Weltmeisterschaft 2011 war ich erst mal sechs Monate weg. Man hat nicht gleich erkannt, wo das Problem war. Nach einer Operation am Knie gab es erneut einen Rückschlag, weil es sich vernarbt hatte und es musste alles noch einmal neu gemacht werden. Diese Verletzung hat mich gute zwei Jahre gekostet. Das war schon ein Dämpfer. Aber aus so einem Dämpfer kommt man auch wieder stärker zurück.

Was waren – außer deinem jetzigen Deutschen Meistertitel – deine bisher größten Erfolge?

Pascal Ackermann: Der Bahn-Weltmeistertitel 2011, der Europameistertitel 2012. 2016 der Deutsche Meistertitel im Einer-Straßenrennen der Elite-U23 und der Vize-Weltmeistertitel auf der Straße. In diesem Jahr habe ich meine ersten beiden Profisiege gefeiert. Das war einmal beim Critérium du Dauphiné und bei der Tour de Romandie.

Hast du neben dem Radfahren eigentlich noch Zeit, zum Beispiel für Freunde oder Hobbys?

Pascal Ackermann: Ich nehme mir schon Zeit für meine Freunde, wenn ich zuhause bin. Wenn ich unterwegs bin, schalte ich eigentlich komplett ab und brauche nicht so viel Kontakt nach außen. Aber, wenn ich daheim bin, treffe ich mich schon regelmäßig mit ihnen.

Du hast dir immer gewünscht, einen Barista-Kurs zu machen, wenn du Zeit hast. Hat das geklappt?

Pascal Ackermann: Den Kurs habe ich leider noch nicht gemacht, aber ich habe mir viel über die Kunst des perfekten Kaffeeschaums durch youtube-Tutorials beigebracht.

Interessierst du dich auch für andere Sportarten?

Pascal Ackermann: Eigentlich nicht so sehr, muss ich ehrlich sagen. Wenn ich jetzt zuhause bin, will ich auch vom Radsport gar nichts wissen. Daheim bin ich der normale Pascal und nicht der, der Rad fährt. Ich bin eigentlich froh, dass ich nichts mit Sport zu tun habe, wenn ich zuhause bin.

Welche Ziele hast du für die Zukunft?

Pascal Ackermann: Ich will auf jeden Fall in den nächsten Jahren bei der Tour de France am Start stehen und eine Etappe gewinnen. Davon habe ich als kleines Kind schon geträumt. Und dann mal schauen, wie es weitergeht.

Warum stehst du bei der bevorstehenden Tour de France nicht am Start?

Pascal Ackermann: Wir haben unsere Rennplanung schon vor einem Jahr gemacht. Da konnten wir noch nicht ahnen, wie ich Radfahren werde und dass ich nochmal so einen großen Entwicklungschritt mache. Von daher hatten wir die Tour de France für mich nie auf dem Schirm. Eigentlich sagt man ja, dass der Deutsche Meister bei der Tour dabei ist, aber wir hatten schon vorher im Team beschlossen: „Egal, was passiert, wir gehen den Weg über die Entwicklung und nicht auf Biegen und Brechen.“

Hast du ein Lebensmotto?

Pascal Ackermann: Ich sage immer: „Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren!“ Damit kann ich mich identifizieren.

Was ist dein Erfolgsrezept?

Pascal Ackermann: Dass ich Spaß an der Sache habe. Ich mache mir keine Gedanken vorher, egal ob sie sagen: „Du bist Favorit!“ oder nicht. Ich sage halt: „Ich habe Spaß an der Sache. Und entweder es klappt oder es klappt nicht!“

Du bist am 4. Juli beim Sixdays Night-Rennen in Ludwigshafen-Friesenheim mitgefahren. Wie ist es gelaufen?

Pascal Ackermann: Ich bin das Rennen mit meinem Bruder Adrian zusammen gefahren. Wir hatten so eine Art Wette am Laufen. Er wollte unbedingt ein Rennen mit mir fahren und ich habe gesagt: „Wenn du anfängst zu trainieren, dann machen wir das!“ Er ist sieben Jahre lang keine Rennen gefahren und dafür hat er sich echt gut geschlagen. Für mich stand der Spaß im Vordergrund. Mein Bruder ist 29 Jahre alt. Früher habe ich zu ihm aufgeschaut und jetzt schaut er so ein bisschen zu mir auf. Von daher war das mal ein guter Austausch.

Auf was dürfen sich deine Fans als nächstes freuen? Welche Rennen stehen als nächstes an?

Pascal Ackermann: Ich werde am 22. Juli in Kandel das „Radrennen rund um den St. Georgsturm“ mitfahren. Das ist sozusagen mein Heimrennen, mit dem RV Edelweiß Kandel 1921 e. V., dem Verein, mit dem ich aufgewachsen bin. Das wird auch das allererste Rennen mit dem Meistertrikot sein. Ich durfte ja vor zwei Jahren schon mal mit dem Meistertrikot fahren, aber das war die U23, nun fahre ich in der Männerklasse. Für die Leute aus der Südpfalz ist das bestimmt mal schön, das zu sehen. Das hat man ja nicht alle Tage. Dann geht es wieder weiter mit dem Team: Tour de Pologne, Deutschland-Tour, ein paar kleinere Rennen und im Oktober geht es nach China.

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