(Foto: viv)

Wörth. Wenn die vermeintliche Berufsberatung mit den Worten „Schön, dass es dich gibt“ und lebendiger Musik beginnt, dann kann man direkt davon ausgehen, dass diese Veranstaltung nicht den üblichen Normen entspricht.

Die Veranstaltung des jungen Coaching-Teams „Mein mutiger Weg“ am 22. Januar im Europa-Gymnasium Wörth, ist ein besonderes, emotionales und auch persönliches Erlebnis für die Schüler der 10. Klassen des Gymnasiums.

Das Seminar wird von Pascal Keller geleitet, der Geschichten aus seinem eigenen Leben erzählt, um verschiedene Aspekte besonders greifbar zu machen.

So wird die sonst meist nüchterne Berufsorientierung zu einem persönlichen Erlebnis, bei dem sich jeder ganz auf sich konzentrieren kann. Desweiteren sind drei weitere Teammitglieder, Vincent Guntrum, Manuel Keller und Vivian Püschel, vor Ort und unterstützen Keller.

Der Plan für den mutigen Weg besteht aus fünf Stationen: Setze auf deine Stärken, Denke außerhalb der Box, baue Selbstvertrauen auf, kreiere ein Zukunftsbild und schließlich am wichtigsten: Handle mutig. Begleitend zu der Veranstaltung bekommt jeder Schüler ein Heft, in dem er zu jeder Station etwas ausfüllen kann, um es sich zu Hause nochmal durch den Kopf gehen zu lassen.

Stärken werden zum Teil dadurch ausgemacht, dass die Schüler gegenseitig benennen, welche positiven Attribute sie bei ihrem Gegenüber entdecken können. Dankbarkeit und Anerkennung spielen eine große Rolle.

Als eine Schülerin schließlich vortritt und ihre Stärken sowie ihren Berufswunsch selbstsicher vorstellt, hält Pascal Keller ihre Arme zu einer Supermann-Geste nach oben und bittet um einen großen Applaus. Das Mädchen strahlt. Es ist offensichtlich, mit welchem Respekt die schon sehr reifen „Mutmacher“ mit den Schülern umgehen.

„Außerhalb der Box denken“, das heißt, zu visionieren, Ideen zu entwickeln. Über Berufe, die es heute zwar noch nicht gibt, aber durch die Veränderung der Gesellschaft in der Zukunft geben könnte. Arbeitsmöglichkeiten zu entdecken, die heute noch keine Bezeichnung haben, ist ein weiteres Stichwort. Das Sicherheitsdenken wird hierbei in den Hintergrund geschoben.

Pascal Keller erklärt, dass das Selbstvertrauen viele Aspekte des Lebens beeinflusst, es sollte deswegen unerschütterlich sein und den Menschen stark machen. Sich auf sich selbst verlassen, sich cool finden – das fällt manchen Schülern noch schwer.

Aber die „Mutmacher“ wissen dem – zumindest für einige Minuten – Abhilfe zu schaffen.

Zu den Klängen von „Love is in the air“ wird eine kleine „Selbstbewusstseins- Party“ veranstaltet. Hierbei dürfen alle Schüler einen roten Herzluftballon aufpusten, dieser symbolisiert das Selbstvertrauen. Je voller, desto zufriedener mit sich selbst, so lautet die Botschaft. An diesem Tag sollen alle einmal symbolisch unverbesserliches Selbstvertrauen in den Händen halten und es an ihre Mitschüler verschenken. Jeder verfüge sozusagen über eine „Luftpumpe“ in Form von tröstenden Worten oder Komplimenten, womit er das Selbstvertrauen eines Mitmenschen wieder auffüllen könne. Es wird folglich viel umarmt und gelacht.

Die Schülerin Emilie Groß gibt zu, dass sie eine Berufsorientierung mit den immer gleichen Tipps erwartet hatte: „Ich bin von ‚Mein mutiger Weg‘ sehr überrascht gewesen. Als man den Raum betrat, wurde man schon gleich mit Musik begrüßt. Ich finde es außerdem toll, dass die Veranstaltung sehr persönlich ist, das zeigt sich zum Beispiel daran, dass viele wahre Geschichten erzählt werden.“

Mithilfe der Message von Walt Disney „Alle Träume können wahr werden, wenn wir den Mut haben, ihnen zu folgen“ schließen die Schüler nun die Augen und fokussieren sich auf ihre ganz eigenen Wünsche, egal ob ein Dasein als Business-Typ oder Backpacker. Denn jeder hat schließlich einen Traum, auch wenn er ihn für utopisch hält.

Nun aber wurde den wahren Träumen viel Kraft und Raum gegeben, Abstand von den Meinungen von Eltern und Mitmenschen genommen. Durch die vielen verschiedenen „Puzzle-Teile“ des Lebens verliere man schnell den Überblick über das, was einem selbst wirklich wichtig ist, so Keller. Das Malen eines Bildes verschafft oft Klarheit. So zeichneten alle Schüler konzentriert ihr persönliches Zukunftsbild.

„Heute habe ich herausgefunden, dass ich Stärken besitze, von den ich nie gedacht hätte, dass ich sie habe, zum Beispiel, dass ich kreativ bin und gut planen kann. Mein Selbstvertrauen könnte gut noch ein Stück anwachsen, vorher dachte ich, es gibt nur wenige Dinge die ich gut kann. Auch wenn es schwierig ist, wurde mir Mut gemacht, Träume wirklich ernsthaft zu verfolgen“, erklärt Gabriela Oguz.

Laura Rummler erklärt: „Glück ist das Allerwichtigste. Deswegen habe ich mich lächelnd und mit Freunden gezeichnet. Auch wichtig ist, dass man etwas für andere und nicht nur für sich selbst tut.“

Killian Hofner hingegen hat einen anderen Fokus: „Ich habe mich mit einem Haus gezeichnet, da ich auf jeden Fall weiß, dass ich Eigenbesitz haben will, einen Ort, der wirklich mir gehört. Ein Beruf fehlt noch, da ich noch nicht genau weiß, was zu mir passt.“ Über die Veranstaltung sagt er: “ich habe gelernt, dass es nicht allein ausreicht, einfach Selbstbewusstsein zu haben, sondern dass man es auch nach außen tragen und zeigen muss.“

Eins der letzten Themen, das Pascal Keller anspricht, ist die Angst. Die Angst davor, Dinge anzugehen, von denen man träumt. Er selbst habe oft erlebt, dass Worst-Case-Szenarios nie zur Wirklichkeit werden und möchte so den Schülern Kraft geben. Auch von anderen dürfe man sich auf keinen Fall negativ beeinflussen lassen.

Denn der eigene Weg beginnt schließlich dort, wo man seinen Träumen mehr Energie gibt als seinen Ängsten. Das Ziel, die Kinder persönlich zu motivieren, ihnen Mut für ihren eigenen Weg mitzugeben und die Berufsberatung zu einem besonderen Erlebnis zu machen, ist den „Mutmachern“ ganz klar gelungen. (viv)

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