Tanzen will gelernt sein

Mahlzeit: Die Pfalz-Echo-Mittagspausen-Kolumne

(Foto: Designed by Freepik)

Mit schwingenden Hüften betritt Paula den Pausenraum. Galant lässt sie sich auf den freien Stuhl neben Günther gleiten, wirft ihm einen verführerischen Blick zu streicht sich gekonnt eine Strähne hinter das Ohr. „Warum starrst du mich so an“, fragt Günther irritiert. „Hab‘ ich etwa wieder Krümel im Mundwinkel?“ „Ich habe dich nicht angestarrt, mein lieber Günther, sondern dir einen sexy Blick zugeworfen“, klärt Paula ihren Kollegen auf und fügt hinzu: „Hab‘ ich am Wochenende bei einem Bachata-Tanzkurs gelernt.“ „Bachata?“, schreit Elli errötend auf, „das ist doch dieser versexte Tanz aus der Dominikanischen Republik!“ „Versext finde ich jetzt etwas übertrieben, Elli“, widerspricht Paula ihrer Kollegin. „Bachata ist ein intimer Tanz mit dezent erotischen Bewegungen.“ „Dezent ist hier das richtige Stichwort, Paula. Ich habe mal einen Tanzkurs gemacht. Und das Wort dezent existierte in dem Wortschatz meines Tanzpartners nicht. Das waren keine dezent erotischen Bewegungen mehr, vielmehr hat er nach Lust und Laune Klappse auf mein Hinterteil gegeben und mich mit eindeutigen Hüftbewegungen belästigt“, erzählt Elli von ihren Erfahrungen. „Ganz und gar nicht dezent war zudem sein Geruch. Ich meine, natürlich markiert das eine oder andere Tier sein Revier mit einer Duftmarke – aber der Typ hat scheinbar noch nie etwas von Deodorants gehört!“ „Besser sexy als geometrisch“, meint Paula. „Ich denke da an diese Nerds in der Disko, die in einer Zeit hängengeblieben sind, in der es total angesagt war, geometrische Formen zu tanzen – Quadrate, Kreise, Triangeln.“ „Ja, und kennst du diese Typen, die sich langsam von hinten anschleichen und einen mit einem ungelenken Hüftschwung umkreisen?“, fragt Elli. „Der Balztanz“, rufen Elli und Paula wie aus einem Mund und halten sich vor Lachen den Bauch. „Und welcher Typ Tänzer bist du?“, möchte Paula nun von Günther wissen. „Bachata, Salsa, Foxtrott, Kizomba, Ententanz und wie das alles heißt – das ist nichts für mich“, winkt Günther ab. „Als Gott klar wurde, dass nur die Besten tanzen sollten, schuf er für den Rest Fußball.“ (pdp)

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