Wer ein freundschaftliches Verhältnis zu den Nachbarn pflegt, spart sich häufig Nerven, Zeit und eine Menge Frust. Jeder, der schon mal an Kleinkriegen am Gartenzaun beteiligt war, stimmt dem sicher zu. Doch wie sehen eigentlich die Beziehungen zu unserem direkten Nachbarn Frankreich aus? Ein Beispiel für das länderübergreifende Miteinander ist das „Fest der Begegnung“, ein viertägiger Festakt, der in Leimersheim stattfinden wird. Mit Blick auf die deutsch-französische Freundschaft sollen an dem Festwochenende Kontakte intensiviert, ein angeregter Austausch gefördert, aber vor allem eine schöne Zeit miteinander verbracht werden. Neben dem Begegnungsfest planen die Gemeinden über das ganze Jahr verschiedene Aktivitäten von Vereinen und Organisationen im Sinne der Gemeinschaft.

Doch wieso ist eine deutsch-französische Freundschaft überhaupt wichtig? Wie wurde grenzübergreifend bisher zusammengearbeitet und was gibt es noch zu tun?


Egal ob Shoppen in Roppenheim, Fahrradtouren entlang der Lauter oder kulinarische Freuden in Straßbourg verkosten: Viele Südpfälzer nutzen und genießen regelmäßig die Grenznähe zum Nachbarland Frankreich. Die gemeinsame Vergangenheit hat sowohl gute als auch schlechte Erinnerungen hinterlassen, doch richten sich die Blicke nun vermehrt in die Zukunft. 

Um die Beziehungen untereinander zu stärken und die Freuden des Kulturaustausches nachhaltig zu gestalten, werden regelmäßig Projekte und Veranstaltungen im Sinne der internationalen Freundschaft gestaltet. Deutsch-französische Bauernmärkte, das „Fête de la musique“ und nun ein geplantes Begegnungsfest in Leimersheim. Vom 21. bis 24. Juni wird dort gemeinsam mit der elsässischen Gemeinde Seltz gefeiert, gespeist und das Miteinander der Kulturen genossen. Auf die Frage, wieso die Freundschaft mit der Partnergemeinde wichtig ist, sind sich Matthias Schardt, Ortsbürgermeister von Leimersheim und erster Vorsitzender der Südpfalz-Tourismus Verbandsgemeine Rülzheim e. V. und Jean-Luc Ball, Bürgermeister von Seltz, einig: „Wir haben festgestellt, wie viele Gemeinsamkeiten unsere Gemeinden haben, sowohl geschichtlich als auch durch den Rhein und den Kiesabbau. Deswegen hatten Leimersheim und Seltz schon in der Vergangenheit regelmäßigen Kontakt. Nur wenige Kilometer trennen uns, doch leben wir nah an einer Grenze, die eigentlich keine Grenze mehr sein sollte. Im Austausch miteinander können wir viel lernen, das ist eine unglaubliche Chance“. Auch nach dem Begegnungsfest sind weitere Aktivitäten geplant, um die Tiefe und Lebendigkeit der Beziehungen zu betonen. Doch nicht nur Feste und Feiern sind für das Miteinander von Bedeutung.

Grenzüberschreitend arbeiten die südpfälzischen Landkreise mit Verantwortlichen aus Baden und dem Elsass zusammen. So wurde der Eurodistrict Pamina gegründet, welcher sich regelmäßig trifft und austauscht. 

Durch das europäische Förderprogramm Interreg wird die internationale Zusammenarbeit weiter unterstützt, beispielsweise mit Projektgeldern für Kommunen, Hochschulen oder Vereine. Landrat des Landkreises Germersheim und zweiter Vize-Präsident des Eurodistrict Pamina erklärt: „Ansonsten haben wir im Eurodistrict bereits ein Aktionsprogramm Mobilität beschlossen, um die Schienenverbindungen, den Radwegverkehr und die Brückensituation zu verbessern. Auch alle übrigen Zukunftsthemen wie z. B. Klimaschutz, Digitalisierung oder Regionalentwicklung werden wir aktiv vorantreiben. Ich danke an dieser Stelle allen Kollegen aus dem Elsass, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg für Ihr aktives Engagement, ohne welches keine erfolgreiche deutsch-französische Zusammenarbeit möglich wäre“. 

Die deutsch-französische Freundschaft hat Geschichte und Zukunft. (Foto: imago images / Ralph Peters)

Viele Gemeinden kooperieren bereits seit Jahren mit französischen Partnerstädten und legen Wert auf die länderübergreifende Zusammenarbeit. Mit Blick auf die Grenznähe und die Freiheiten, die in den vergangenen 70 Jahren durch die Europäische Union erarbeitet wurden, scheint das friedliche Miteinander selbstverständlich. Gerade deswegen sei es aber wichtig, sich der Geschichte zu erinnern und die heutigen Freundschaften immer wieder aufs Neue zu sichern, so der Landrat weiter. Prof. Dr. Gerd Hager, Geschäftsführer der Touristik-Gemeinschaft Vis-à-Vis, erinnert daran: „Ohne die deutsch-französische Freundschaft funktioniert Europa nicht“.

Unabhängig von sprachlichen Barrieren, kulturellen Unterschieden oder räumlichen Entfernungen stehen die Gemeinsamkeiten im Vordergrund der Zusammenarbeit. Vieles wurde bereits gemeinsam erreicht und weitere Projekte werden folgen. Die überregionale Freundschaft funktioniert, selbst wenn viele Südpfälzer kein Französisch sprechen. (stm) 

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