„Eine feste Größe in der Welt der Telenovelas“, schreibt die Gala über Max Alberti. Er selbst wäre mit dieser Beschreibung wahrscheinlich nicht ganz einverstanden. Sein Herz hängt vor allem an der Musik, mit seiner Band Jamaram, spielt er über 90 Konzerte im Jahr. Seit Dezember hat er außerdem die „Welt der Telenovelas“ verlassen und spielt Dr. Frank Stern in der ZDF-Serie „Bettys Diagnose“. Noch bis zum 13. April läuft die aktuelle Staffel immer freitags um 19.25 Uhr.

Du bist erst seit der aktuellen Staffel bei der Serie „Bettys Diagnose“ dabei – wie ist es als Neueinsteiger im Team?

Max Alberti: Ich wurde sehr gut aufgenommen, war aber gleichzeitig erst mal ein bisschen fremd. Ich kam ja direkt von „Sturm der Liebe“ zu „Bettys Diagnose“ und hatte bei meiner alten Serie sehr viel Zeit mit den Kollegen verbracht – man wächst da eng zusammen, es fühlt sich an wie eine große Familie. Bei „Bettys Diagnose“ bin ich also quasi zu einer neuen Familie dazu gestoßen, da war ich schon erstmal ein bisschen vorsichtig. Ich habe selbst ein bisschen gefremdelt – „Darf ich jetzt wirklich schon diesen Witz machen?“ –, vom Team ging das aber gar nicht aus und hat sich dann auch bei mir schnell gelegt.

Deine Rolle – Dr. Frank Stern – verbindet so etwas wie eine Hass-Liebe mit der Hauptrolle Betty – gibt es so etwas auch im „echten Leben“?

Max Alberti: Ich glaube schon! Ab dem Moment, wo man von jemandem verletzt oder enttäuscht wird, den man eigentlich sehr gerne mag, kann so etwas entstehen. Man kann ja nicht von jetzt auf nachher sagen, dass man denjenigen ab sofort hasst, obwohl es auf jeden Fall einen Bruch in der Beziehung gibt. Man liebt denjenigen, kann aber gleichzeitig nicht mehr entspannt mit ihm umgehen. Und so entstehen auch immer mal wieder Streits, die sich manchmal sogar auch über Jahre ziehen. Da könnte ich selbst ein paar Geschichten erzählen. Es gibt auch in meinem Leben solche Menschen. In der Serie ist das Ganze aber natürlich etwas auf die Spitze getrieben. Und es war auch eine Ambivalenz, das zu spielen: einerseits der sympathische, nette Arzt, andererseits das arrogante Arschloch.

Anne Herder sprach mit Max Alberti. (Foto: privat)

Deine Karriere als Schauspieler begann mit Doku-Soaps und Werbung – wie kam es dazu?

Max Alberti: Ich habe mich, was das betrifft, immer treiben lassen. Musik war eigentlich das, worauf ich mich fokussiert habe, was ich aktiv voran getrieben habe. Alles andere kam mehr oder weniger durch Zufall zustande. Da hat mal jemand an der Tür geklopft und gefragt, ob ich nicht drehen möchte und ich hab ja gesagt – so kam ich zur „Abschlussklasse“. Ich habe mir die Serie erst nach dem erfolgreichen Casting wirklich angeschaut und dachte dann: „Oh Gott, was ist das denn? Soll ich das wirklich machen?“ Ich habe mich dann dafür entschieden und war zwei Jahre lang dabei.

Würdest du das jetzt wieder so entscheiden?

Max Alberti: Im Prinzip gehe ich diesen Weg immer noch: Ich lasse mich treiben! Nur die Formate haben sich inzwischen geändert. Damals war die Entscheidung richtig. Heute würde ich natürlich keine Doku-Soap mehr drehen, denn ich möchte immer vorwärts kommen und mich weiter entwickeln.

Du hast es ja gerade angesprochen: Du machst auch viel Musik – deine Band heißt Jamaram. Wie viel Zeit bleibt aktuell dafür?

Max Alberti: Das ist in der Tat ein schwieriges Thema. Mein Jahr ist meist ziemlich durchgeplant, Drehtage stehen fest und dazwischen werden die Konzerte terminiert – es ist immer schwierig, das alles unter einen Hut zu bekommen. Denn bei all dem Stress, möchte ich natürlich auch noch genug Zeit mit meiner Familie verbringen. So ist diese ganze Organisation schon oft mit viel Ziehen und Zerren verbunden, bis man alles soweit hat, dass keiner der drei Bereiche – Familie, Dreh, Musik – zu kurz kommt. An sich selbst denkt man da gar nicht mehr.

Käme es da in Frage, Musik oder die Schauspielerei zu streichen?

Max Alberti: An der Musik hängt mein Herz. Ich habe die Band vor 18 Jahren selbst gegründet – sowas gibt man nicht auf! Was ich mit der Band erlebe, ist immer sehr schön, wir touren durch ganz Europa, Brasilien, Kolumbien, Afrika. Das ist einzigartig. Das kann man nicht einfach wegschmeißen. Und die Schauspielerei ist ein Job, der mega viel Spaß macht und auch sehr kreativ ist – und der mir vor allem meinen Lebensunterhalt sichert. Seit ich eine Familie habe, ist dieser Aspekt natürlich besonders wichtig.

Warst du schon immer ein Bühnenmensch?

Max Alberti: Ich bin Löwe als Sternzeichen und ich glaube schon, dass man das von vorneherein mitbringt – gerne im Mittelpunkt zu stehen, zu unterhalten. Wobei ich trotzdem nicht so extrem bin, wie viele Schauspiel-Kollegen – deswegen bin ich wahrscheinlich auch gar kein typischer Schauspieler. Ich brauche nicht sofort die volle Aufmerksamkeit, wenn ich einen Raum betrete. Da bin ich eher zurückhaltend. Aber wenn ich dann auf der Bühne stehe oder drehe, ist es ein schönes Gefühl.

Wie sieht der typische Arbeitsalltag bei dir aus?

Max Alberti: So ein Jahr ist sehr schnell komplett durchgeplant bei mir. Nur ab und zu kommen noch kurzfristige Anfragen dazwischen: ein Werbedreh, ein Konzerttermin oder Ähnliches. Ohne festes Serien-Engagement ist die Jahresplanung natürlich viel freier! Da kann ich beispielsweise mehr Zeit in meine eigene kleine Produktionsfirma stecken – wir drehen Musikvideos, Kurzfilme und Reportagen. Ich habe ganz viele Ideen mit Künstlern in meinem Umfeld, mit denen ich gerne mal drehen würde. Diese Arbeit macht mir auch unheimlich viel Spaß, aber aktuell steht dieser Bereich leider eben hinten an.

Als Schauspieler bist du momentan auf Serien-Rollen festgelegt – unterhaltsam, aber eher seicht. Gibt es in dieser Beziehung Karriere-Träume?

Max Alberti: Mir ist natürlich vollkommen klar, dass „Sturm der Liebe“ kein tiefgängiger Kinofilm ist. Und selbstverständlich ist es ein Traum, in Kinofilmen mitzuspielen. Den hab ich aber auch schonmal erreicht: Ich war bei „Dieses bescheuerte Herz“ dabei! Eine eher kleine Rolle, aber immerhin an der Seite von Elyas M’Barek. Das hat Spaß gemacht und es war eine besondere Erfahrung, mich am Ende dann auch auf der Kinoleinwand zu sehen. Dabei habe ich aber auch gemerkt: Die kochen auch nur mit Wasser! Das ist nicht unbedingt viel strukturierter als am Set einer Serie. Ich lasse das alles also einfach auf mich zukommen.

Das heißt, du arbeitest jetzt nicht gezielt daran, als Kino-Schauspieler Fuß zu fassen?

Max Alberti: Ja. Das stimmt. Aber das ist etwas, was ich selbst an mir manchmal kritisch sehe. Hätte ich vor zehn Jahren damit angefangen, die Schauspielerei konkret anzugehen, wäre ich vielleicht schon viel weiter. Ich habe aber immer noch kein Demo-Band, obwohl ich schon seit 15 Jahren vor der Kamera stehe. Manchmal frage ich mich dann schon, wo ich jetzt stehen würde, wenn ich mich mehr dahinter geklemmt hätte, mehr Leute angesprochen hätte, auf mehr Empfängen präsent gewesen wäre. Aber so bin ich eben nicht, und letztendlich bin ich ja doch sehr zufrieden mit der Situation, wie sie ist. Ich lebe im Jetzt, und wenn jemand anklopft, schaue ich mir sein Angebot an und entscheide spontan, ob ich das mache oder nicht.

Als Musiker ist Max Alberti (rechts) mit seiner Band Jamaram unterwegs. (Foto: honorarfrei)

Gibt es große Vorbilder für dich?

Max Alberti: Musikalisch auf jeden Fall! Ich bin ein riesengroßer Fan von Manu Chao. Er hat einen völlig neuen Musikstil kreiert. Vorher gab es nur entweder südamerikanische Musik oder Raggae. Er verbindet beides in einer Melange. Das klingt völlig neu. Auch der Mix aus Sprachen – Spanisch, Französisch, Englisch – ist extrem spannend. Die Musik, die ich mit meiner Band mache, ist davon sehr beeinflusst. Auch der Lebensstil von Manu Chao beeindruckt mich sehr. Er ist in den 90ern mit einem Zug voller Künstler und Musiker durch Südamerika gefahren und ist in den entlegensten Städten mit Konzerten und Theaterstücken aufgetreten! Solche Projekte finde ich extrem spannend! Wir haben sowas im Kleinen auch gemacht: Unsere Tour führte durch Dörfer in Uganda, wo normalerweise nie Konzerte stattfinden. Es ist unglaublich interessant, die Reaktionen zu erleben. Mir ist es sehr wichtig, über den Tellerrand hinaus zu schauen, zu schauen, wie die Kunst, die man anbietet, dort ankommt, wo die Kultur eigentlich eine ganz andere ist. Mit zunehmender Verantwortung – inzwischen sind wir fast alle Familienväter – wird es natürlich auch schwieriger, solche Projekte zu organisieren. Wir können jetzt nicht mehr einfach mal so einen Monat nach Brasilien fahren. Dennoch möchte ich mir diese Lebensweise unbedingt erhalten, denn das bereichert einfach ungemein.

Hat deine Familie dich auch menschlich – also nicht nur organisatorisch – verändert? Hast du einen anderen Blick auf die Welt?

Max Alberti: Ja, schon. Es ist weniger der Blick auf die gesamte Welt, aber der Blick auf meine Welt hat sich auf jeden Fall gewandelt. Man hat plötzlich Verantwortung für jemanden, um den sich sonst niemand kümmert. Früher war es ein Problem für mich, wenn ich nicht pünktlich von A nach B gekommen bin, heute sind das Kleinigkeiten. Die Prioritäten verschieben sich. Eigene Probleme treten total in den Hintergrund, weil es immer noch etwas gibt, was viel größer ist – meine Kinder.

Wenn deine Kinder sich in ein paar Jahren dazu entscheiden sollten, auch Künstler oder Schauspieler zu werden, würdest du das voll unterstützen?

Max Alberti: Auf jeden Fall! Es ist Quatsch jemanden Vorschriften zu machen, was die Ausbildung betrifft. Was für den einen der perfekte Beruf ist, kann für den anderen der totale Horror sein! Menschen passen in keine Raster. Und wenn meine Tochter sich dafür entscheidet, den ganzen Tag Klavier spielen zu wollen, um damit Geld zu verdienen, dann ist das für sie vielleicht genau die Erfüllung. Wahrscheinlich wäre ich eher umgekehrt irritiert, wenn eine meiner Töchter ankommt und BWL studieren möchte: „Bist du dir da ganz sicher?“ Aber auch dann würde ich sie natürlich voll unterstützen. Das wichtigste ist, die Kinder auf ihrem Weg zu begleiten und schon früh festzustellen, was ihre Talente und Interessen sind.

Zeichnet sich denn bei deinen Töchtern schon was ab?

Max Alberti: Meine Kleine ist jetzt zwei Jahre alt und schon total musikalisch. Klar, als Elternteil ist man da immer etwas voreingenommen und kann das vielleicht nicht so ganz objektiv beurteilen. Aber sie singt schon sehr viel, auch Lieder, die wir noch nie mit ihr gesungen haben. Das ist toll zu beobachten und ich fühle mich verpflichtet, das weiter zu fördern und sie zu ermutigen.

Zum Schluss noch ein Blick in die Zukunft – welche Projekte stehen bei dir an?

Max Alberti: Aktuell wird schon die nächste Staffel „Bettys Diagnose“ gedreht das geht auch noch bis Ende des Jahres! Dazwischen spiele ich noch 90 Konzerte mit meiner Band. Im Oktober planen wir eine Tour durch Spanien und die Balearen. Ich hoffe, das lässt sich mit den Drehterminen vereinbaren! Außerdem würde ich mich gerne musikalisch weiterbilden und mehr Harmonie-Instrumente spielen lernen – Akkordeon zum Beispiel. Mein Ziel ist es, akustische Musik zu machen, mit Kontrabass, Cuatro, Akkordeon … Wann ich das in meinem Zeitplan noch unterkriege, weiß ich allerdings noch nicht.

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